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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Laye Camara
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Laye Camara
1928 – 1980
– Autorenporträt –

Laye Camara

1928 – 1980 · 52 Jahre

Der guineische Schriftsteller schilderte in „Einer aus Kurussa“ seine Kindheit und prangerte in „Dramouss“ die Gewaltherrschaft in seiner Heimat an.

Kurzbiografie↑

Der guineische Schriftsteller Laye Camara wurde 1928 in Kouroussa geboren und gehört zur Bewegung der Négritude. Sein erster Roman L'Enfant noir erschien 1953 und wurde mit dem Prix Veillon ausgezeichnet. Danach folgten Le Regard du roi und Dramouss, ein Buch, in dem er die Gewaltherrschaft des guineischen Machthabers Ahmed Sékou Touré anprangerte. Camara lebte lange in Frankreich, kehrte in seine Heimat zurück und wanderte schließlich nach Dakar aus, wo er 1980 starb. In englischsprachigen Büchern erscheint sein Name häufig in umgekehrter Reihenfolge als Camara Laye.


Biografie↑

Geboren wurde Laye Camara am 1. Januar 1928 in Kouroussa. Sein Vater war Goldschmied. Der Junge besuchte zunächst eine Koranschule und danach eine französische Schule. Seine Ausbildung setzte er in Conakry fort.

Im Jahr 1947 verließ er Guinea und ging nach Frankreich, nach Argenteuil. Dort lernte er den Beruf des Automechanikers. Er arbeitete in Paris beim Automobilhersteller Simca und besuchte zugleich die technische Hochschule. Neben dieser Doppelbelastung entstand sein erstes Buch. 1953 erschien der Roman L'Enfant noir, für den er den Prix Veillon erhielt. Im selben Jahr heiratete er Marie Lorifo. Ein Jahr darauf, 1954, folgte Le Regard du roi.

1956 trat Camara den Rückweg nach Afrika an und reiste dabei über Benin und Ghana. Guinea wurde 1958 unabhängig. Camara arbeitete für das Informationsministerium unter dem Diktator Ahmed Sékou Touré. Das Verhältnis zur Macht blieb nicht ungetrübt: In seinem Roman Dramouss, der 1966 erschien, prangerte er Tourés Gewaltherrschaft an.

Bereits 1963 hatte Camara Guinea verlassen und war nach Dakar ausgewandert. Dort lebte er die letzten Jahre seines Lebens. 1978 erschien sein Buch Le Maître de la parole. Am 4. Februar 1980 starb Laye Camara in Dakar an einer Niereninfektion.

Seine Bücher wurden früh ins Deutsche übertragen. L'Enfant noir erschien 1954 unter dem Titel Einer aus Kurussa in der Übersetzung von Rolf Henri Römer beim Speer-Verlag in Zürich. Derselbe Übersetzer und derselbe Verlag brachten 1963 Der Blick des Königs heraus, versehen mit einem Nachwort von Janheinz Jahn, sowie 1967 die deutsche Fassung von Dramouss.


Literarische Merkmale↑

Camaras Bücher sind der Négritude zugeordnet, jener literarischen Bewegung, die das eigene afrikanische Selbstverständnis ins Zentrum rückte. Sein erstes Buch L'Enfant noir ist eine Autobiographie und schildert die eigene Kindheit; die Forschung hat dieses Werk gerade unter den Gesichtspunkten Kindheit, Autobiografik und Interkulturalität untersucht. Toni Morrison hob 2001 an Le Regard du roi die „raffinierte, zutiefst afrikanische Sprachbilder“ hervor. Diese Bilder würden, so Morrison, „in eine diskursive Beziehung zu der Welt des Westens gesetzt“. Mit Dramouss trat daneben ein politischer Ton, denn hier klagt Camara offen die Herrschaft in seinem Heimatland an.


Rezeption↑

Anerkennung fand Camara schon mit dem Erstling: L'Enfant noir wurde mit dem Prix Veillon ausgezeichnet. In den deutschsprachigen Raum gelangten seine Bücher rasch, denn der Zürcher Speer-Verlag legte zwischen 1954 und 1967 drei Titel in der Übersetzung von Rolf Henri Römer vor; das Nachwort zu Der Blick des Königs schrieb Janheinz Jahn.

Auch die Wissenschaft nahm sich seines Werks an. Ada Uzoamaka Azodo widmete den Romanen Camaras 1993 eine Studie, hervorgegangen aus einer Dissertation. Germain Nyada untersuchte 2010 in einer Bayreuther Dissertation L'Enfant noir im Zusammenhang von Kindheit, Autobiografik und Interkulturalität. In dem Handbuch „Die Literatur Schwarzafrikas“, das Holger Ehling und Peter Ripken 1997 herausgaben, ist Camara mit einem eigenen Artikel vertreten.

2001 äußerte sich Toni Morrison lobend über Le Regard du roi. Sie hielt dem Roman zugute, dass er die üblichen Bilder vom Kontinent unterlaufe. Bedrohung, Verderbtheit und Unbegreiflichkeit seien die Motive, mit denen Afrika gewöhnlich beschrieben werde; Morrison nannte dafür Joseph Conrad, H. Rider Haggard und Elspeth Huxley. Camara mache diese Motive als beschränkte Wahrnehmung einer Kultur durchschaubar. Die Leser könnten so am „Scheitern des rassistischen Blicks“ teilhaben.

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