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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Einer aus Kurussa
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Cover Einer aus Kurussa
Einer aus Kurussa
1953
– Werkseintrag –

Einer aus Kurussa

1953 · Roman

Die Kindheit eines Schmiedesohns in Guinea, zwischen der Werkstatt des Vaters, den Feldern der Großmutter und der französischen Schule – einer der Gründungstexte der modernen afrikanischen Literatur.

Überblick↑

Der Roman L'Enfant noir ist das erste Buch des guineischen Schriftstellers Laye Camara. Er erschien 1953 in Paris im Verlag Plon; auf Deutsch kam er 1954 unter dem Titel Einer aus Kurussa heraus. Das weitgehend autobiografische Werk gilt als einer der Gründungstexte der modernen afrikanischen Literatur. Es wurde 1954 mit dem Prix Charles Veillon ausgezeichnet.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Erzählt wird die Kindheit und Jugend eines Jungen namens Laye in Kouroussa, einem Dorf in Oberguinea. Sein Vater arbeitet als Schmied und Goldschmied und weiht den Sohn in die Kunstgriffe seines Handwerks ein. Gelegentlich besucht Laye seine Großmutter im Nachbardorf Tindican und lernt dort das bäuerliche Leben kennen.

In Kouroussa besucht der Junge die französische Schule. Er tritt der Vereinigung der Nichteingeweihten bei, und auch der Tod eines Freundes gehört zu den Erfahrungen dieser Jahre. Später führt sein Weg nach Conakry, wo eine Berufsausbildung auf ihn wartet. Dem Buch vorangestellt ist eine kurze Huldigung in Versen an die Mutter des Autors. Sie steht für alle afrikanischen Frauen und spielt im Roman eine wichtige Rolle.

Die Handlung im Detail↑

Als Junge lebt Laye bei seinen Eltern in Kouroussa in Oberguinea. Der Vater ist Schmied und Goldschmied; er lehrt den Sohn die Techniken seiner Kunst. Immer wieder besucht Laye die Großmutter in Tindican, einem benachbarten Dorf, wo er die Welt der Bauern entdeckt. In Kouroussa geht er zur französischen Schule.

Laye tritt in die Vereinigung der Nichteingeweihten ein. Dort erfährt er vom Tod seines Freundes Check. In Conakry erwirbt er anschließend sein Berufsabschlusszeugnis. Danach bietet sich ihm die Möglichkeit, sein Studium in Frankreich fortzusetzen. Nach einigem Zögern nimmt er dieses Angebot an, gemeinsam mit seiner Freundin Marie.

Stil↑

Kennzeichnend für das Buch ist die Verbindung von Erinnerung und Erzählung: Der Autor verarbeitet darin sein eigenes Leben. Die Darstellung bleibt friedlich und alltagsnah; die Gewalt der Kolonialzeit kommt nicht zur Sprache. Camara Laye war erkennbar darum bemüht, die afrikanische Kultur einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Dem Roman vorangestellt ist ein kurzes Gedicht an die Mutter, das dem Werk von Anfang an einen persönlichen Ton gibt.

Rezeption↑

In ganz Französisch sprechenden Afrika ist das Buch bis heute verbreitet. Auch an europäischen Schulen wird es viel gelesen und behandelt. Dass der Held selbst noch jung ist, hat diesem Erfolg sicher geholfen.

Das Fehlen einer politischen Stellungnahme brachte dem Autor allerdings harte Kritik ein. Sie fiel in eine Zeit des antikolonialen Kampfes und der engagierten Literatur. Am bekanntesten ist der Einwand des kamerunischen Schriftstellers Mongo Beti in einem Aufsatz, der 1954 in der Zeitschrift Présence africaine erschien. Léopold Sédar Senghor widersprach dieser Sicht in Liberté 1: Wer dem Autor vorwerfe, er habe keine Anklage gegen den Kolonialismus erhoben, werfe ihm vor, keinen Thesenroman geschrieben zu haben; das aber sei das Gegenteil dessen, was einen Roman ausmache. Catherine Ndiaye vertrat einen ähnlichen Standpunkt: Der afrikanische Schriftsteller müsse lernen, als Künstler zu schreiben, statt immer beim Blick des Soziologen, Historikers oder Ökonomen stehen zu bleiben.

Der Stoff hat auch andere Künstler angeregt. Laurent Chevallier verfilmte das Buch; der Film kam 1995 in Frankreich in die Kinos. Camara Anzoumana legte 2010 eine Bearbeitung als Comic vor.

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