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Werkseintrag · Stud. chem. Helene Willfüer
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Cover Stud. chem. Helene Willfüer
Stud. chem. Helene Willfüer
1928
– Werkseintrag –

Stud. chem. Helene Willfüer

1928 · Roman

Eine Chemiestudentin in Heidelberg kämpft um ihre Dissertation, ihr Kind und ihren Platz in einer Welt, die für Frauen kaum Platz vorsieht.

Überblick

Mit dem 1928 erschienenen Roman Stud. chem. Helene Willfüer gelang Vicki Baum der Durchbruch als Schriftstellerin. Das Buch erzählt vom Lebensweg einer jungen Chemiestudentin in Heidelberg. Zwischen Studium, ungewollter Schwangerschaft und beruflichem Ehrgeiz sucht sie ihren eigenen Weg. Baum greift damit ein Thema auf, das in den 1920er Jahren viele junge Frauen beschäftigte: die Frage, wie sich Selbstbestimmung, Beruf und Mutterschaft vereinbaren lassen. Der Roman gilt als ein zentrales Werk über die "neue Frau" der Weimarer Zeit.

Inhalt (ohne Spoiler)

Heidelberg in den 1920er Jahren: Helene Willfüer studiert Chemie und arbeitet an ihrer Dissertation. Doch sie steht unter Druck, denn sie ist von ihrem Freund Rainer, einem Medizinabsolventen, schwanger geworden. In dieser Zeit ist Abtreibung verboten. Uneheliche Mütter werden gesellschaftlich geächtet. Verzweifelt sucht sie nach einem Ausweg.

Vicki Baum schildert eine junge Frau, die zwischen Hörsaal, Labor und privater Notlage zerrieben zu werden droht. Helene muss Entscheidungen treffen, die über ihre wissenschaftliche Laufbahn und ihr persönliches Glück bestimmen. Der Roman folgt ihr von der Studienzeit in Heidelberg bis in das spätere Berufsleben in der Industrie. Dabei stellt er immer wieder die Frage, wie weit eine Frau in dieser Gesellschaft kommen kann, wenn sie sich nicht beugen will.

Die Handlung im Detail

Helene Willfüer ist Chemiestudentin in Heidelberg und steht kurz vor dem Abschluss ihrer Dissertation. Sie ist schwanger von dem Medizinabsolventen Rainer und versucht zunächst vergeblich, das Kind abtreiben zu lassen. Rainer findet keinen Ausweg aus der Lage und nimmt sich das Leben. Helene bleibt allein zurück, bekommt das Kind und arbeitet trotz aller Widrigkeiten weiter an ihrer Promotion, die sie schließlich abschließt.

Nach dem Studium nimmt sie eine Stelle in einem Münchner Labor an, wo sie maßgeblich an der Entwicklung eines Verjüngungsmittels mitwirkt. Mit Zähigkeit und einem ausgeprägten Selbstbewusstsein setzt sie ihre Forderungen durch und erhält die Leitung einer Abteilung sowie ein hohes Gehalt. Am Ende heiratet sie ihren ehemaligen Professor.

Eingewoben in diesen Lebensweg sind die Konflikte einer jungen Frau im Wissenschaftsbetrieb der Weimarer Republik: das Abtreibungsverbot, das fehlende Selbstbestimmungsrecht junger Frauen, die Schwierigkeit, Mutterschaft und berufliche Karriere zu vereinbaren. Baum führt vor, was in der Wirklichkeit der 1920er Jahre für Frauen meist noch unerreichbar blieb: den selbstbestimmten Aufstieg auf der beruflichen Karriereleiter.

Stil

Baum erzählt in einem nüchternen, beobachtenden Ton, der den Alltag ihrer Figur ernst nimmt. Stark wirkt der Roman vor allem durch die präzisen Beschreibungen von Alltagssituationen. Auch das genaue Hinsehen auf Menschen mit ihren Nöten und Schicksalen prägt das Buch. Die heiklen Themen – Schwangerschaft, Abtreibungsversuch, Suizid, berufliche Selbstbehauptung – behandelt Baum offen und ohne moralische Belehrung. Diese Sachlichkeit verbindet den Roman mit der Literatur der Neuen Sachlichkeit der späten 1920er Jahre.

Rezeption

Der Roman wurde ein großer Erfolg und machte Vicki Baum als Schriftstellerin bekannt. Viele Leserinnen sahen in Helene Willfüer den Prototyp einer erfolgreichen "neuen Frau", die die Probleme ihres Lebens meistert und im Beruf vorankommt. Konservative Leser hingegen kritisierten die Freizügigkeit der Grundansichten und Schilderungen. Die Wirkung der Romanfigur reichte bis in die Werbung: 1929 warb die Zigarettenfirma Greiling-Kolibri mit einem Foto von Helene Willfüer für eine Schlankheitszigarette, die die Romanheldin angeblich entwickelt habe.

Schon im Jahr darauf, 1929, folgte mit Menschen im Hotel Baums nächster großer Roman. Er machte sie zu einer der bekanntesten Autorinnen ihrer Zeit. 1933 wurden alle ihre Werke verboten. Stud. chem. Helene Willfüer wurde in zahlreiche Sprachen übersetzt, darunter Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, Portugiesisch, Niederländisch, Schwedisch, Finnisch, Tschechisch, Ungarisch, Serbokroatisch und Hebräisch. Es gab zwei deutsche Verfilmungen 1930 und 1955 sowie eine französische 1936.

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