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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Vicki Baum
Vicki Baum
1888 – 1960
– Autorenporträt –

Vicki Baum

1888 – 1960 · 72 Jahre

Bestseller-Autorin der Weimarer Republik und Erfolgsschriftstellerin Hollywoods – mit »Menschen im Hotel« (1929) gelang ihr der internationale Durchbruch.

Kurzporträt

Vicki Baum wurde 1888 in Wien als Hedwig Baum geboren. Sie war eine austroamerikanische Schriftstellerin. In der Weimarer Republik zählte sie zu den meistgelesenen Autorinnen ihrer Zeit. Mit dem 1929 erschienenen Roman Menschen im Hotel gelang ihr ein internationaler Erfolg. Dieser führte sie 1931 nach Hollywood und leitete ihren Übergang ins amerikanische Exil ein. Ihre Romane gelten als gehobene Unterhaltungsliteratur mit präzisen Milieuschilderungen. Sie werden aber auch als Beitrag zur Neuen Sachlichkeit gelesen. 1938 nahm sie die amerikanische Staatsbürgerschaft an und schrieb fortan auch auf Englisch. Sie starb 1960 in Los Angeles.


Biografie

Hedwig Baum wurde am 24. Januar 1888 in Wien als Tochter des jüdischen Regierungsbeamten Hermann Baum und seiner Ehefrau Mathilde, geb. Donath, geboren. Sie besuchte das Pädagogium. Von 1898 bis 1904 ließ sie sich am Konservatorium der Gesellschaft der Musikfreunde zur Harfenistin ausbilden. Bereits als Vierzehnjährige veröffentlichte sie Gedichte in der Wiener Zeitschrift »Muskete«.

Nach einem Engagement im Symphonieorchester des Wiener Konzertvereins kam sie 1913 als Harfenistin nach Darmstadt. Dort wirkte sie als Großherzogliche Hof- und Kammermusikerin. Weitere musikalische Stationen folgten in Kiel (1916–1917), Hannover (1917–1923) und Mannheim. Von 1909 bis 1913 war sie mit dem Schriftsteller und Journalisten Max Prels verheiratet. In dieser Zeit veröffentlichte sie offenbar Prosaarbeiten unter dessen Namen in literarischen Magazinen. Ihr erstes Buch, Frühe Schatten, erschien 1914 unter dem Namen Vicki Baum.

1916 heiratete sie den Dirigenten Richard Lert und gab ihre Karriere als Harfenistin auf. Aus der Ehe gingen die Söhne Wolfgang (1917–2009) und Peter (1921–2012) hervor. Nach der Geburt Wolfgangs in Kiel zog die Familie noch im selben Jahr nach Hannover. Dort arbeitete Lert als erster Kapellmeister und Leiter der Oper an den Städtischen Bühnen. Die Familie wohnte zunächst in der Dieterrichsstraße 11 im Stadtteil Mitte, von 1921 bis 1923 dann in der damaligen Podbielskistraße 335 in der List.

Auf Vermittlung Prels brachte der Ullstein-Verlag 1920 Baums Roman Der Eingang zur Bühne heraus. Er wurde zum großen Verkaufserfolg. Von 1926 bis 1931 schrieb sie exklusiv für Ullstein. Der Verlag baute sie als Erfolgsautorin auf. Zugleich setzte er sie als Redakteurin der Berliner Illustrirten Zeitung, der Modezeitschrift »Die Dame« und der Literaturzeitschrift »Uhu« ein. 1928 wurde sie mit dem Roman Stud. chem. Helene Willfüer schlagartig bekannt. Das Werk wurde dreimal verfilmt, zuletzt 1956 unter dem Titel Studentin Helene Willfüer. Für die Adaption ihres Romans Hell in Frauensee als Die drei Frauen von Urban Hell schrieb sie selbst das Drehbuch. Ihre Dramatisierung von Menschen im Hotel wurde am 26. Januar 1930 im Theater am Nollendorfplatz uraufgeführt.

Bei den Nationalsozialisten galt Baum als »jüdische Asphaltliteratin« und sah sich starker Diskriminierung ausgesetzt. Der NS-Kulturpolitiker Hans Hauptmann schmähte 1932 ihre »seichten amoralischen Sensationsromane«. Menschen im Hotel wurde in englischer Übersetzung am Broadway erfolgreich aufgeführt. Daraufhin nahm Baum 1931 die Einladung an, in Hollywood am Drehbuch zur Verfilmung als Grand Hotel unter der Regie von Edmund Goulding und mit Greta Garbo mitzuwirken. 1932 siedelte sie nach Kalifornien über, wohl auch in Weitsicht der politischen Entwicklungen in Deutschland.

Ihre Bücher fielen 1933 in Deutschland der Bücherverbrennung zum Opfer und standen in Frankreich auf der »Liste Otto«. An der Universität Rostock wurden ihre Werke am 5. Mai 1933 an einem »Schandpfahl« angebracht. 1938 erwarb sie die amerikanische Staatsangehörigkeit und schrieb fortan auch auf Englisch. Von den Einnahmen aus Verfilmungen und Drehbuchbeteiligungen kaufte sie eine Villa in Pacific Palisades, 1461 Amalfi Drive. Sie lag in der Nähe der ebenfalls emigrierten Thomas Mann und Lion Feuchtwanger. Sie war Mitglied des Deutschen PEN-Clubs im Exil und engagierte sich für den European Film Fund. Nach Kriegsbeginn stellte sie mehrere Affidavits für in Europa verfolgte Freunde und Bekannte aus.

1949 bereiste Baum Europa und besuchte Portugal, Frankreich, Italien, die Schweiz und Belgien, nicht aber Deutschland und Österreich. Am 29. August 1960 starb sie in Los Angeles.


Literarische Merkmale

Baums Romane verbinden spannende Unterhaltung mit präzisen Milieuschilderungen und greifen die aktuellen Themen ihrer Zeit auf. Sie gelten zugleich als wichtiger Beitrag zur Neuen Sachlichkeit. Neben Romanen schrieb sie Novellen, Dramen und feuilletonistische Texte für über 35 verschiedene Zeitungen und Zeitschriften.


Rezeption

Bereits ihr erster Roman Der Eingang zur Bühne (1920) wurde ein großer Verkaufserfolg. In den späten zwanziger Jahren zählte Baum zu den meistgelesenen Autorinnen der Weimarer Republik. Der internationale Durchbruch kam mit Menschen im Hotel (1929). Die Bühnenfassung wurde am Broadway erfolgreich aufgeführt und später immer wieder an namhaften Häusern inszeniert, so 1976 am Schauspielhaus Bochum unter der Regie von Rosa von Praunheim. Die Hollywood-Verfilmung als Grand Hotel mit Greta Garbo machte sie auch in den USA bekannt.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurden ihre Werke in Deutschland verboten, 1933 öffentlich verbrannt und in Frankreich auf die »Liste Otto« gesetzt. An der Universität Rostock wurden sie an einem »Schandpfahl« angebracht. Baum gilt als Autorin gehobener Unterhaltungsliteratur, der bisweilen Klischeehaftigkeit und Sentimentalität attestiert wird. Ihre Romane wurden vielfach verfilmt, in mehrere Sprachen übersetzt und werden bis heute verlegt. Ihre verstreuten feuilletonistischen Texte erschienen erstmals im Januar 2018 in Buchform.

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