1732 – 1799
Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais
Kurzporträt↑
Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais war ein französischer Tausendsassa der Aufklärung. Er führte ein abenteuerliches Leben in vielen Rollen: Uhrmacher, Hofbeamter, Musiker, Spekulant, Geheimagent, Waffenhändler und Verleger. Nebenbei war er einer der erfolgreichsten Bühnenautoren seiner Zeit. Geboren wurde er 1732 in Paris als Sohn eines Uhrmachers. Vom Handwerk arbeitete er sich bis in die Nähe des Königshofs hinauf. Bekannt wurde er vor allem durch seine Komödien um den klugen Figaro kleinbürgerlicher Herkunft. Mit dem Barbier von Sevilla und der Hochzeit des Figaro schuf er Stoffe, die später als Opern von Mozart, Rossini, Paisiello und anderen vertont wurden. Er starb 1799 in Paris.
Biografie↑
Beaumarchais wurde am 24. Januar 1732 in Paris geboren. Er war der einzige Sohn des musikalisch interessierten Uhrmachermeisters André-Charles Caron und seiner Frau Louise Pichon. Von seinen neun Geschwistern erreichten nur fünf Schwestern das Erwachsenenalter. Zunächst erlernte er das väterliche Handwerk. Mit zwanzig Jahren erfand er einen neuen Mechanismus für Taschenuhren, die sogenannte Doppelkommahemmung. Mit ihr ließen sich kleinere und genauere Uhren bauen. Der Hofuhrmacher Jean André Lepaute gab die Erfindung als seine eigene aus. Beaumarchais wehrte sich mit einem geschickt argumentierenden offenen Brief an die Akademie der Wissenschaften, die zu seinen Gunsten entschied. Die Affäre machte ihn bekannt. Zu seinen Kunden zählten nun König Ludwig XV. und dessen Mätresse Madame de Pompadour, und er durfte den Titel Hofuhrmacher führen.
Über eine Kundin lernte er einen kranken Hofbeamten kennen, dem er dessen Amt abkaufte. Nach dessen Tod heiratete er 1756 die Witwe Madeleine-Catherine Franquet. Aus dem Namen ihres kleinen Landsitzes Beaumarchet formte er den adelig klingenden Zusatz „de Beaumarchais" – nach einem unter reichen Bürgern üblichen Muster. Als seine Frau schon 1757 starb, gab es Gerüchte. Am Hof gewann er als Harfenlehrer die Gunst der vier unverheirateten Königstöchter und entwickelte ein Pedalsystem für die Harfe. Für das Privattheater eines Bekannten schrieb er erste Stücke, sogenannte parades. Das waren heitere, oft derbe Sketche.
Den entscheidenden Aufstieg verdankte er dem Bankier und Heereslieferanten Joseph Pâris-Duverney, der ihn zum Juniorpartner machte. 1761 kaufte Beaumarchais das Amt eines königlichen Sekretärs, das ihn unmittelbar in den Adelsstand erhob. 1762 kaufte er zusätzlich das nur Adeligen zugängliche Amt eines Richters für Jagddelikte. 1764/65 hielt er sich zehn Monate in Madrid auf, teils geschäftlich, teils mit diplomatischen Aufträgen. Dort versuchte er auch vergeblich, den Verlobten seiner Schwester Marie, José Clavijo y Fajardo, zur Heirat zu bewegen. Dieses Thema verarbeitete er später zu einem Miniroman, auf dem Goethes 1774 erschienenes Stück Clavigo beruht. Literarisch wandte er sich dem Rührstück zu. Eugénie hatte 1767 an der Comédie-Française Premiere, versehen mit einem theoretischen Vorwort, dem Essai sur le drame sérieux. 1768 heiratete er die reiche Witwe Geneviève-Madeleine Lévêque, die Ende 1770 starb. Im selben Jahr wurde sein zweites Rührstück Les deux amis ou Le négociant de Lyon aufgeführt.
Mit dem Tod Pâris-Duverneys 1770 begann eine schwierige Phase. Dessen Erbe, der Graf de la Blache, focht Beaumarchais' Firmenanteil gerichtlich an. Während des Rechtsstreits saß Beaumarchais Anfang 1773 wegen einer Rauferei mit dem Herzog von Chaulnes einige Monate in Haft. Er verlor den Prozess und war finanziell ruiniert. Daraufhin beschuldigte er den Richter Goëzman der Benachteiligung, woraus ein weiterer Prozess erwuchs. Beaumarchais ging an die Öffentlichkeit und veröffentlichte zwischen September 1773 und Februar 1774 vier Mémoires (Denkschriften), in denen er seine Gegner lächerlich machte. Die Broschüren fanden große Verbreitung und gewannen halb Europa für seine Sache, darunter Goethe. Dennoch erklärte ihn das Parlement im Februar 1774 für ehrlos.
Daraufhin bat ihn der König, als Geheimagent nach London zu gehen, um eine Schmähschrift gegen die königliche Favoritin Madame du Barry aus dem Verkehr zu ziehen. Es folgten weitere Agentenreisen bis nach Wien. Dort wurde er bei Maria Theresia vorstellig, von Kanzler Kaunitz für einen Hochstapler gehalten und kurz festgesetzt. Zurück in Paris überarbeitete er die schon 1771/72 verfasste Komödie Le barbier de Séville ou La précaution inutile, in der erstmals die Figur Figaro auftritt. Die Uraufführung am 23. Februar 1775 war ein Misserfolg. Nach Kürzungen von fünf auf vier Akte wurde die Aufführung drei Tage später ein Triumph. Anfang 1776 gründete er mit Startkapital der Regierung die getarnte Reederei Roderigue Hortalez & Cie und versorgte die amerikanischen Aufständischen mit Waffen und Ausrüstung. Noch 1776 wurde er gerichtlich rehabilitiert.
Im selben Jahr begann er die Niederschrift seines bekanntesten Werks, der Komödie La folle journée ou Le mariage de Figaro. 1777 gründete er die Société des auteurs dramatiques, die als erste erfolgreiche Interessenvertretung von Autoren gilt. Ab 1778 betrieb er eine Gesamtausgabe der Werke Voltaires, für die er eine Druckerei im rheinischen Kehl einrichtete. Die Bände erschienen zwischen 1783 und 1789, das Unternehmen endete mit hohen Verlusten. Die Aufführung der Hochzeit des Figaro verbot Ludwig XVI. zunächst empört. Er soll gesagt haben, müsste er das Stück genehmigen, müsse er konsequenterweise gleich die Bastille einreißen. Erst nach vielen Änderungen kam es am 27. April 1784 zur triumphalen Uraufführung. 1786 heiratete er Marie-Thérèse Willermaulaz, mit der er seit 1777 eine Tochter hatte.
In seinen letzten Jahren überschritt Beaumarchais den Höhepunkt seiner Karriere. Die von Antonio Salieri vertonte Oper Tarare wurde 1787 ein Erfolg, doch wurde das Libretto kritisiert. Die Revolution von 1789 begrüßte er und wirkte als Deputierter. 1792 wurde sein drittes Figaro-Stück L'autre Tartuffe ou La mère coupable aufgeführt. Bald geriet er ins Abseits, wurde des Verrats beschuldigt und am 20. August 1792 inhaftiert. Er kam frei, emigrierte und lebte 1794/95 ärmlich in Holland, England und Hamburg. 1796 kehrte er heim und wurde vom Direktorium rehabilitiert. In seinen Memoiren Mes six époques schilderte er seine Leiden unter der Republik. Beaumarchais starb 1799 nachts an einer Gehirnblutung, nach einem guten Abendessen mit Freunden und Familie.
Literarische Merkmale↑
Beaumarchais' Schreiben war eng mit seinem turbulenten Leben verbunden. Er begann mit den parades, heiteren, oft derben Sketchen rund um das Thema Liebe. Dann wandte er sich der von Diderot angeregten comédie larmoyante zu, dem ernsten Rührstück. Schon hier verstand er sich auch als Theatertheoretiker und stellte seiner Eugénie einen Essay über das ernsthafte Drama voran.
Seine eigentliche Stärke zeigte sich jedoch im witzigen, schlagfertigen Ton. In den Mémoires seiner Prozesse brachte er seine eigene Position und Person geschickt zur Geltung und setzte die Gegner mit Spott ins Unrecht. Diese Waffe sicherte ihm öffentlichen Beifall. Dieselbe selbstbewusste Ironie prägt das Vorwort zur Druckfassung des Barbier von Sevilla, in dem er sich über seine Kritiker mokierte.
In den Komödien schuf er mit Figaro einen Typus, der zum Vorbild wurde: ein an Macht zwar unterlegener, aber im Bewusstsein seines Rechts aufsässiger, blitzgescheiter und witziger Mann kleinbürgerlicher Herkunft. Die Handlungen sind turbulent und voller Verwicklungen. Die Stücke arbeiteten mit antiaristokratischen Spitzen, die das bürgerliche Publikum ansprachen, ohne adelige Zuschauer offen zu verschrecken. In der Hochzeit des Figaro kulminiert das in Figaros langem Monolog im letzten Akt, der wie eine Zusammenfassung von Beaumarchais' eigener schwieriger Biografie wirkt. Der erste Anlauf des Barbier von Sevilla scheiterte, weil Beaumarchais den Text mit politischen und persönlichen Anspielungen überfrachtet hatte. Erst die gestraffte Fassung wurde zum Erfolg. Diese Mischung aus Esprit, gesellschaftlicher Schärfe und theatralischer Wirkung kennzeichnet sein Werk.
Rezeption↑
Bereits zu Lebzeiten erreichte Beaumarchais ein großes Publikum. Seine Mémoires in der Goëzman-Affäre fanden weite Verbreitung und gewannen ganz Paris, den Hof und halb Europa für seine Sache, darunter Goethe. Sein Stoff um den Madrider Heiratsstreit wurde zur Grundlage von Goethes Trauerspiel Clavigo.
Die nachhaltigste Wirkung entfaltete die Figur Figaro. Aus den Komödien Le barbier de Séville, Le mariage de Figaro und La mère coupable gingen Opernlibretti hervor, die von Paisiello, Mozart, Rossini und anderen Komponisten vertont wurden. Für Salieri schrieb Beaumarchais zudem das Libretto zur Oper Tarare. Sie war 1787 ein Erfolg, doch zeitgenössische Kritiker bemängelten ihre Sprache als „ungeschliffen".
Der Name Figaro ging in die französische Sprache ein als spaßhafte Bezeichnung eines Friseurs. Auch die 1826 gegründete und bis heute erscheinende Zeitung Le Figaro trägt diesen Namen. Die Uraufführung der Hochzeit des Figaro wurde 1784 als triumphaler Erfolg gefeiert und wirkte beim bürgerlichen Publikum wie eine Bestätigung antiaristokratischer Ressentiments. Über das Werk hinaus wirkt Beaumarchais auch institutionell nach: Die von ihm 1777 gegründete Société des auteurs dramatiques gilt als erstes Beispiel einer erfolgreichen Interessenvertretung von Autoren.
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