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Autoreneintrag · Simone de Beauvoir
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Porträt Simone de Beauvoir
Simone de Beauvoir
1908 – 1986
– Autorenporträt –

Simone de Beauvoir

1908 – 1986 · 78 Jahre

Schriftstellerin, Philosophin und Feministin – mit „Das andere Geschlecht“ schrieb sie 1949 einen Meilenstein der feministischen Literatur und wurde zu einer der bekanntesten Intellektuellen Frankreichs.

Kurzbiografie↑

Als Schriftstellerin, Philosophin und Feministin gehört Simone de Beauvoir zu den bekanntesten Intellektuellen Frankreichs. Sie wurde 1908 in Paris geboren und starb 1986 ebenda. Zeit ihres Lebens engagierte sie sich politisch und verfasste Romane, Erzählungen, Essays und Memoiren. Als Vertreterin des Existentialismus erlangte sie zunächst mit den Romanen Sie kam und blieb (1943) und Das Blut der Anderen (1945) Anerkennung. Weltweite Bekanntheit brachte ihr die feministische Schrift Das andere Geschlecht (1949), die als ein Meilenstein der feministischen Literatur gilt. Ihr langjähriger Lebenspartner war der Philosoph Jean-Paul Sartre.


Biografie↑

Geboren wurde Simone Lucie Ernestine Marie Bertrand de Beauvoir am 9. Januar 1908 in Paris, als ältere von zwei Töchtern des Ehepaares Georges und Françoise Bertrand de Beauvoir. Die Familie väterlicherseits stammte aus Burgund und war über Generationen zu Wohlstand und höheren Ämtern gelangt; irgendwann hatte sich ein Vorfahre den Namenszusatz „de Beauvoir“ zugelegt. Der Vater Georges studierte Jura und arbeitete als Anwalt, doch sein eigentliches Interesse galt der Literatur und dem Theater. Er war Konservativer und Nationalist sowie Agnostiker, hielt es aber für selbstverständlich, dass seine streng römisch-katholische Frau die Töchter fromm erzog. In diesen unterschiedlichen geistigen Welten sah de Beauvoir später eine Wurzel ihrer Entwicklung zur Intellektuellen.

Zusammen mit ihrer jüngeren Schwester Hélène besuchte sie das katholische Mädcheninstitut Cours Désir in Paris. Sie war eine gute Schülerin, las viel und schrieb gern. Der Erste Weltkrieg brachte die Familie in Not: Das Vermögen ging teils durch den Verlust russischer Wertpapiere nach der Oktoberrevolution 1917, teils durch die Inflation verloren. Da der Vater den Töchtern keine angemessene Mitgift geben konnte, ließ er sie auf eine mögliche Berufstätigkeit vorbereiten. Diese Aussicht kam der jungen Simone entgegen. Im Alter von vierzehn Jahren verlor sie ihren Glauben, verbarg das aber lange vor ihrer Umgebung. Wichtig war ihr in dieser Zeit die Freundschaft mit der Klassenkameradin Elisabeth Lacoin, die sie in ihren Memoiren Zaza nennt.

Für das letzte Schuljahr wählte sie Mathematik und Philosophie und entschloss sich, das Lehramt für Philosophie an staatlichen Gymnasien anzustreben. 1928 erwarb sie an der Sorbonne die Licence und bereitete anschließend die Agrégation vor, die Rekrutierungsprüfung für Gymnasiallehrer. Zugleich schrieb sie eine Diplomarbeit über Leibniz. In dieser Zeit lernte sie Jean-Paul Sartre kennen, mit dem sie sich auf die Prüfung vorbereitete. Bei der Agrégation war sie hinter Sartre die Rangzweite. Die beiden gingen ein Verhältnis ein, das eine „notwendige“ Beziehung sein sollte, „zufällige“ weitere Beziehungen aber nicht ausschloss. Einen Heiratsantrag Sartres lehnte de Beauvoir ab.

Ab 1931 unterrichtete sie als Philosophielehrerin, zunächst in Marseille, das sie als Exil empfand, dann in Rouen und ab 1936 wieder in Paris. Während dieser Jahre unterhielt sie eine kurze Beziehung zu ihrer sechzehnjährigen Schülerin Bianca Lamblin, die auch mit Sartre intim wurde; nach heutigen Maßstäben, so die Rechtswissenschaftlerin Shulamit Almog, fiele dieses Handeln „unter den Verdacht der sexuellen Belästigung“. Nach dem deutschen Einmarsch 1940 organisierten Sartre und de Beauvoir in Paris eine Widerstandszelle mit dem Namen Socialisme et Liberté, die sich jedoch bald wieder auflöste.

Der Durchbruch als Schriftstellerin kam 1943 mit dem Roman Sie kam und blieb. Im selben Jahr wurde sie aus dem Schuldienst entlassen und arbeitete beim Hörfunk. 1944 folgten die philosophischen Essays Pyrrhus et Cinéas, 1945 der Roman Das Blut der Anderen. De Beauvoir verkehrte im Café de Flore in Saint-Germain-des-Prés, wo sie unter anderem Albert Camus traf. 1945 wurde ihr Theaterstück Die unnützen Mäuler uraufgeführt, ihr dritter Roman Alle Menschen sind sterblich erschien, und gemeinsam mit Sartre gründete sie die literarisch-politische Zeitschrift Les Temps Modernes, die zu einem führenden Organ der Pariser Intellektuellen wurde.

1947 unternahm sie eine Vortragsreise in die USA, wo sie den Schriftsteller Nelson Algren kennenlernte; mit ihm verband sie bis 1952 eine Liebesbeziehung. 1949 erschien Das andere Geschlecht, das sie zur bekanntesten Intellektuellen Frankreichs machte. In den folgenden Jahren reiste sie viel, durch Europa, nach Amerika, in den Nahen und Fernen Osten, in die Sowjetunion und nach China. Von 1952 bis 1958 war sie mit dem späteren Filmemacher Claude Lanzmann liiert. 1954 erhielt sie den Prix Goncourt für den Roman Die Mandarins von Paris.

Gegen den Algerienkrieg trat de Beauvoir früh und öffentlich auf. Sie schrieb in Le Monde über die Folterpraxis französischer Militärs und gründete mit ihrer Anwältin Gisèle Halimi ein Komitee zur Verteidigung des Mädchens Djamila Boupacha; das gemeinsame Buch machte sie zur Zielscheibe von Terroristen. 1971 zählte sie zu den Gründerinnen des Vereins Choisir la cause des femmes, dessen erste Präsidentin sie bis 1981 war. 1977 unterschrieb sie einen Appell zur Entkriminalisierung der Pädophilie, der ihr posthum Kritik einbrachte. Ihren Lebensgefährten Sartre pflegte sie bis zu dessen Tod 1980; im selben Jahr adoptierte sie die Philosophielehrerin Sylvie Le Bon, um ihren Nachlass zu regeln. 1981 erschien der Rückblick Die Zeremonie des Abschieds. Simone de Beauvoir starb am 14. April 1986 und wurde auf dem Cimetière Montparnasse an der Seite Sartres bestattet.


Literarische Merkmale↑

Geprägt wurde de Beauvoirs Denken von Hegel und von Sören Kierkegaard, der den Willen über die Vernunft stellte. Ihre philosophischen Werke sind eng mit dem Existentialismus Sartres verbunden. Manche Forscher, etwa das Philosophenpaar Kate und Edward Fullbrook, gehen sogar davon aus, dass de Beauvoir den Sartreschen Existentialismus vorausgedacht habe, nur nicht abstrakt, sondern eingebunden in Literatur.

Bereits mit ihrem ersten Roman Sie kam und blieb fand sie ihren eigenen Ton: einen sprachlich uneitlen, dicht an der gesprochenen Sprache orientierten Stil, der auf Information und Verständigung zielt. Nach eigener Aussage war sie unter anderem von Hemingway beeinflusst. In ihren frühen Romanen sind Figuren und Handlungen Träger moralischer und philosophischer Fragen; man rechnet Sie kam und blieb, Das Blut der Anderen und Alle Menschen sind sterblich zu ihren existentialistischen Romanen. Ein zentrales Thema war für sie der Begriff des „Anderen“: Im Roman Das Blut der Anderen weigert sich ihr Held Jean Blomart, für andere ein bloßes Objekt zu sein. Ihre Romane sind stark autobiografisch geprägt, was sich für die breite Öffentlichkeit allerdings oft erst nach der posthumen Veröffentlichung der Briefe erschloss.


Rezeption↑

Anerkennung als Schriftstellerin fand de Beauvoir schon mit ihren frühen Romanen, ihren Rang als führende Autorin festigte sie mit Das Blut der Anderen. Der Welterfolg Das andere Geschlecht gilt als ein Meilenstein der feministischen Literatur und machte sie zu einer der bekanntesten Intellektuellen Frankreichs. Auch ihre Essays wurden als wichtige Beiträge zu ihren Fachgebieten wahrgenommen. Als eine der Begründerinnen des Feminismus nach 1968 wirkt sie bis heute nach.

Zeitlebens war de Beauvoir heftigen Anfeindungen ausgesetzt. Neben der Kritik aus dem bürgerlich-konservativen Lager legte sie sich auch mit der Linken an, weil sie überzeugt war, dass sich die Unterdrückung der Frau nicht von selbst im Kommunismus auflösen werde. Selbst von Feministinnen wurde sie angegriffen; im Zentrum standen dabei meist ihre Beschreibungen des weiblichen Körpers und ihre „Entmystifizierung“ der Mutterschaft. Kritik erregte posthum, vor allem im Ausland, ihre Unterschrift unter einen Appell zur Entkriminalisierung der Pädophilie aus dem Jahr 1977.

Vielfach wurde de Beauvoir ausgezeichnet: 1954 mit dem Prix Goncourt für Die Mandarins von Paris, 1975 mit dem Jerusalem-Preis, 1978 mit dem Österreichischen Staatspreis für europäische Literatur und 1983 mit dem Sonning-Preis der Universität Kopenhagen. Nach ihr benannt wurden unter anderem ein Asteroid, ein Krater auf der Venus, eine Seine-Brücke in Paris und ein Preis für die Freiheit der Frauen. Ihr Leben und ihre Beziehung zu Sartre wurden mehrfach verfilmt, unter anderem in Alice Schwarzers Filmporträt von 1974.

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