Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Lyman Frank Baum
Eingang · Autoren · Lyman Frank Baum
Porträt Lyman Frank Baum
Lyman Frank Baum
1856 – 1919
– Autorenporträt –

Lyman Frank Baum

1856 – 1919 · 62 Jahre

Amerikanischer Schriftsteller, der 1900 mit „Der Zauberer von Oz“ das Zauberland Oz erfand und ihm dreizehn weitere Romane folgen ließ.

Kurzbiografie↑

Der amerikanische Schriftsteller Lyman Frank Baum, der als L. Frank Baum bekannt wurde, kam 1856 in Chittenango im Staat New York zur Welt. Vor seinem Erfolg als Autor versuchte er sich in vielen Berufen: Er arbeitete am Theater, für Zeitungen und Zeitschriften, stellte Schmieröl her und führte ein Warenhaus. Im Jahr 1900 erschien sein Buch The Wonderful Wizard of Oz, auf Deutsch Der Zauberer von Oz, das über Nacht ein großer Erfolg wurde. Dem Zauberland Oz ließ er dreizehn weitere Romane folgen. Insgesamt veröffentlichte er über sechzig Bücher; er starb 1919.


Biografie↑

Aufgewachsen ist Baum in wohlhabenden Verhältnissen. Sein deutschstämmiger Vater Benjamin Ward Baum war ein erfolgreicher Geschäftsmann und hatte mit Ölfeldern in Pennsylvania ein großes Vermögen gemacht. Die Kindheit verbrachte der Sohn deshalb auf dem luxuriösen Anwesen Rose Lawn. Zu seinem 15. Geburtstag schenkte ihm der Vater eine Druckerpresse. Dieses Geschenk weckte sein Interesse am Schreiben.

1882 heiratete Baum Maud Gage, die Tochter einer führenden Frauenrechtlerin. Mit ihr zog er nach South Dakota. In den folgenden Jahren versuchte er sich in zahlreichen Geschäftsfeldern. Er arbeitete im Theater sowie für Zeitungen und Zeitschriften. Er stellte das patentierte Schmieröl Baum's Castorine her und leitete das Warenhaus Baum's Bazaar. Zeitweilig war er auch Hühnerfarmer. Sein erstes Buch, 1886 veröffentlicht, handelt von der Hühnerzucht. Außerdem gab er eine eigene Wochenzeitschrift heraus, die wie die meisten seiner Unternehmen nicht besonders erfolgreich war.

Ein dunkler Punkt seiner Biografie stammt aus dieser Zeit. Erhalten sind zwei Zeitungskommentare der Jahre 1890 und 1891, in denen Baum forderte, den Konflikt mit den amerikanischen Ureinwohnern durch deren „totale Auslöschung“ zu beenden. Er ging dabei von der Annahme aus, den Ureinwohnern sei über Jahrhunderte Unrecht geschehen, weshalb sie immer ein Unruheherd bleiben müssten. Dieses Problem, so seine Schlussfolgerung, sei nur durch eine radikale Lösung zu beherrschen.

1891 zog die Familie nach Chicago, und Baum suchte erneut nach einer Möglichkeit, Geld zu verdienen. Seinen eigenen Kindern hatte er stets mit Freude Gute-Nacht-Geschichten erzählt. So entschloss er sich, Geschichten auch für andere Kinder aufzuschreiben. In seinen ersten beiden Büchern erzählte er vorwiegend überlieferte Geschichten nach. In einer davon führte er ein junges Mädchen namens Dorothy ein. Von dort aus gelangte er zur Erfindung des Landes Oz, das er als Land der Wunder und Freuden anlegte.

Im Jahr 1900 erschien The Wonderful Wizard of Oz. Das Buch wurde über Nacht ein riesiger Erfolg. Binnen zweier Jahre wurde es als Bühnen-Musical bearbeitet; das Libretto schrieb Baum selbst. Dreizehn weitere Romane um das wunderbare Land folgten. Mehrfach erklärte er, die Serie nun abgeschlossen zu haben und keine Fortsetzungen mehr schreiben zu wollen. Unterdessen wandte er sich zahlreichen anderen Kindergeschichten zu, einige davon unter dem Pseudonym Edith Van Dyne. Die hohe Nachfrage nach weiteren Oz-Romanen und die vielen Briefe von Kindern brachten ihn jedoch immer wieder dazu, die Reihe fortzusetzen.

Neben dem Schreiben beschäftigte Baum sich mit weltanschaulichen Fragen. Am 4. September 1892 trat er der Theosophischen Gesellschaft bei. Nach deren Spaltung infolge des sogenannten Judge Case schloss er sich 1895 der Theosophischen Gesellschaft in Amerika an. Mehrere seiner Aufsätze und Bücher behandelten theosophische Themen.

Baum starb am 6. Mai 1919 in Hollywood; als Sterbeort wird auch Los Angeles angegeben. Über sechzig Bücher hatte er zu diesem Zeitpunkt veröffentlicht.


Literarische Merkmale↑

Seine Erzählkunst wuchs unmittelbar aus dem mündlichen Erzählen. Baum dachte sich Gute-Nacht-Geschichten für seine eigenen Kinder aus und erzählte sie ihnen am Bett; aus dieser Gewohnheit entstand der Entschluss, für Kinder zu schreiben. Am Anfang stand die Nacherzählung: In seinen ersten beiden Büchern gab er vorwiegend überlieferte Geschichten wieder. Erst danach erfand er mit Oz eine eigene Welt, die er ausdrücklich als Land der Wunder und Freuden anlegte. Er schrieb in großer Menge, wechselte zwischen Buch und Bühne und verfasste zu seinem bekanntesten Stoff auch das Libretto der Musical-Fassung. Für einen Teil seiner übrigen Kindergeschichten benutzte er Pseudonyme, darunter Edith Van Dyne. Daneben griff er in Aufsätzen und Büchern theosophische Themen auf.


Rezeption↑

Der Erfolg kam schlagartig. The Wonderful Wizard of Oz wurde nach seinem Erscheinen 1900 über Nacht ein riesiger Erfolg und gilt bis heute als Klassiker der Kinderliteratur. Schon binnen zweier Jahre entstand daraus ein Bühnen-Musical. Die Nachfrage nach dem Zauberland riss nicht ab: Obwohl Baum die Reihe mehrfach für beendet erklärte, drängten ihn der Zuspruch des Publikums und die Briefe vieler Kinder immer wieder zu neuen Fortsetzungen. So wuchs Oz auf insgesamt vierzehn Romane an. Der deutsche Titel Der Zauberer von Oz hat sich im deutschsprachigen Raum fest eingebürgert. Baums Zeitungskommentare von 1890 und 1891 mit ihrer Forderung nach der „totalen Auslöschung“ der amerikanischen Ureinwohner werfen einen Schatten auf das Bild des Kinderbuchautors.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis↑

Vollständiges Werkverzeichnis bei Wikipedia (60 weitere Titel)

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten