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Werkseintrag · Die Frösche
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Die Frösche
405 v. Chr.
– Werkseintrag –

Die Frösche

405 v. Chr. · Komödie

Der Gott des Theaters steigt in die Unterwelt hinab, um einen großen toten Dichter zurückzuholen – und gerät mitten in einen komischen Streit darüber, wer die bessere Kunst schreibt.

Überblick↑

Die Komödie Die Frösche stammt von dem griechischen Dichter Aristophanes und wurde wahrscheinlich 405 v. Chr. aufgeführt. Sie gehört zur Gattung der Alten Komödie. Das Stück verbindet zwei Dinge, die man zunächst kaum zusammen erwartet: eine derbe Abenteuerreise ins Totenreich und einen ernsthaften Streit über den Wert von Dichtung. Der Gott Dionysos steigt in die Unterwelt hinab, um einen großen verstorbenen Dichter ins Leben zurückzuholen, weil es Athen kulturell wie politisch schlecht geht. Damit zählt das Werk zu den bekanntesten Komödien des Aristophanes und ist zugleich ein frühes Beispiel dafür, wie auf der Bühne über Literatur selbst nachgedacht wird.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Der Gott Dionysos ist unzufrieden mit dem Zustand seiner Heimatstadt Athen, die politisch wie künstlerisch daniederliegt. Weil ihm ein wirklich bedeutender Dichter fehlt, fasst er einen ungewöhnlichen Plan: Er will in die Unterwelt hinabsteigen und einen bereits verstorbenen großen Dichter zurück ins Diesseits holen. Zusammen mit seinem Sklaven Xanthias macht er sich auf den Weg.

Zunächst sucht er den Halbgott Herakles auf, um sich nach dem Weg ins Totenreich zu erkundigen. An einem Gewässer wartet der Fährmann Charon, der jedoch nur den Gott in sein Boot lässt, während Xanthias zu Fuß gehen muss. Während der Überfahrt fühlt sich Dionysos von einem quakenden Froschchor gestört. Im Reich der Toten angekommen, verkleidet sich der Gott als Herakles – doch nicht alle Bewohner sind dem Halbgott freundlich gesinnt, sodass ein turbulentes Verwechslungsspiel beginnt, bei dem Herr und Sklave mehrfach die Kleider tauschen. In der Unterwelt selbst braut sich unterdessen ein Wettstreit zwischen zwei großen Tragödiendichtern zusammen, in den Dionysos hineingezogen wird.

Die Handlung im Detail↑

In der Unterwelt gerät Dionysos zunächst in allerlei Verwirrung. Weil er in seiner Herakles-Verkleidung auf Widersacher des Halbgotts trifft, wechselt er wiederholt die Kleidung mit seinem Sklaven Xanthias. Damit bringt er auch Aiakos, den Diener des Totengottes Hades, gehörig durcheinander. Sogar eine Folterprobe, mit der Aiakos den wahren Gott herausfinden will, führt zu keinem Ergebnis.

Aus einem Gespräch zwischen Xanthias und Aiakos wird die eigentliche Lage deutlich: Der Dichter Aischylos hatte bislang den Ehrenplatz an der Seite des Hades inne. Nach dem Tod des Euripides und dessen Ankunft im Totenreich gewann dieser jedoch große Beliebtheit und wurde zum ernsten Konkurrenten um diesen Rang. Dionysos lässt die beiden Dichter in einem Wettstreit gegeneinander antreten, ohne ihnen zunächst den wahren Grund zu nennen. Abwechselnd loben die beiden ihre eigenen Werke und machen die des anderen schlecht. Da sich so kein Sieger ermitteln lässt, müssen sie auf Geheiß des Gottes in eine Waage steigen und kurze Verse aufsagen – die Waage schlägt jedes Mal zu Gunsten des Aischylos aus. Auch dessen Vorschläge zur Lösung politischer und militärischer Probleme finden mehr Zustimmung.

Schließlich verrät Dionysos den Grund seiner Reise und erklärt Aischylos zum Sieger. Hades erlaubt dem Dramatiker, wieder auf die Erde zurückzukehren. Zugleich bittet er den Weingott, den derzeitigen Machthabern und hohen Beamten Athens auszurichten, sie mögen bald selbst ins Totenreich eintreten. In der Bauweise verknüpft das Stück zwei Handlungsstränge: die Reise des Dionysos nach dem Vorbild der Herakles-Abenteuer und den Dichterwettstreit, der sich mit sachlichen Maßstäben nicht entscheiden lässt. Erst das Eingreifen des Totengottes führt beide Stränge zusammen und lässt Aischylos gewinnen, weil er für die Gegenwart die bessere Wahl darstellt.

Stil↑

Als Beispiel der Alten Komödie verbindet Die Frösche grobe Bühnenkomik mit ernsthafter Literaturkritik. Ihren Titel verdankt das Stück dem quakenden Froschchor, der den reisenden Gott während der Überfahrt begleitet und stört. Aristophanes flicht zwei Erzählstränge ineinander: die parodistische Abenteuerreise ins Totenreich, die dem Muster der Herakles-Sagen folgt, und den Wettstreit der beiden Dichter. Der erste Strang lebt von Slapstick – der Verkleidung als Herakles, dem ständigen Kleidertausch zwischen Herr und Sklave und der misslungenen Folterprobe. Der zweite Strang ist ein Rededuell, in dem sich die beiden Tragödiendichter gegenseitig ihre Verse vorhalten. Dabei ahmt Aristophanes den jeweiligen Tonfall der beiden nach und legt so die Eigenheiten ihrer Kunst offen. Selbst die Vorstellung, Dichtung ließe sich messen und wiegen, wird komisch überspitzt, wenn die Verse buchstäblich auf eine Waage gelegt werden. So entsteht ein Spiel, das mit einem Augenzwinkern über den Wert der Poesie und den Zustand der Stadt nachdenkt.

Rezeption↑

Über die Jahrhunderte hat das Stück immer wieder Spuren in der Literatur und auf der Bühne hinterlassen. Anspielungen auf die Komödie finden sich in Gerhart Hauptmanns Die versunkene Glocke und in James Joyce' Finnegans Wake. Zu den bedeutendsten Werken des englischen Komponisten Walter Leigh zählt seine Bühnenmusik zu den Fröschen aus dem Jahr 1936. Der Musical-Komponist Stephen Sondheim machte den Stoff zum Gegenstand seines Stücks The Frogs, das Mitte der 1970er Jahre im Schwimmbecken der Yale University aufgeführt wurde; 2004 folgte eine überarbeitete Fassung mit zusätzlichen Songs am Broadway, unter der Regie von Susan Stroman und mit Nathan Lane und Roger Bart in den Hauptrollen. 2023 erschien mit Frogs eine filmische Adaption des Stoffes.

Deutschsprachige Übersetzungen besorgten unter anderem Ludwig Seeger sowie Heinz Heubner (1951); eine Ausgabe mit Übersetzung legte Niklas Holzberg 2011 bei Reclam vor. Über das Werk hinaus bestehen Bezüge zu Euripides' Alkestis, zu Platons Symposion und zum parodistischen Epos Froschmäusekrieg.

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