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Werkseintrag · The Secrets of the Self
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Cover The Secrets of the Self
The Secrets of the Self
1915
– Werkseintrag –

The Secrets of the Self

1915 · Lyrik

Ein Gedichtband auf Persisch, in dem Muhammad Iqbal 1915 den Weg des Menschen zu sich selbst beschreibt: wie ein Samenkorn, das seinen Duft erst nach vielen Verwandlungen entfaltet.

Überblick↑

Mit dem Gedichtband Asrar-i Chudi, im Deutschen als Die Geheimnisse des Selbst bekannt, legte Muhammad Iqbal 1915 seine erste Sammlung philosophischer Dichtung vor. Das Werk erschien auf Persisch. Iqbal wählte diese Sprache, weil er sie für seine Gedanken besonders geeignet hielt.

Im Mittelpunkt steht der einzelne Mensch und sein Weg zu sich selbst. Iqbals zweites Buch Rumuz-i Bechudi behandelt dann das Verhältnis zwischen dem Einzelnen und der Gemeinschaft. Reynold A. Nicholson übertrug den Text ins Englische; seine Übersetzung erschien 1920 unter dem Titel The Secrets of the Self. Viele Kritiker halten diese Sammlung für Iqbals gelungenste dichterische Arbeit.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Zentrum des Buches steht ein Begriff, den Iqbal „Chudi“ nennt: das Selbst. Er versteht darunter jenen göttlichen Funken, der nach seiner Auffassung in jedem Menschen steckt. Iqbal setzt diesen Begriff mit dem gleich, was der Koran „Ruh“ nennt.

Der Weg zu diesem Selbst ist jedoch kein leichter. Iqbal beschreibt ihn als eine große Wandlung, die der Mensch durchlaufen muss. Er vergleicht sie mit einem Samenkorn, das seinen Duft in sich trägt, ihn aber erst nach vielen Verwandlungen entfaltet. Der Same muss seine Schale sprengen, sich durch die Erde ans Licht arbeiten, Wurzeln bilden und sich gegen Wind und Wetter behaupten, ehe Blätter und Blüten wachsen.

Auf ähnliche Weise, so Iqbal, hat der Mensch mehrere Stufen zu durchschreiten. Es ist ein geistiger Weg, den der Dichter selbst gegangen ist und zu dem er seine Leser einlädt. Das Buch beschäftigt sich dabei durchgehend mit Fragen der Religion und betrachtet Geist und Selbst aus religiöser Sicht.

Die Handlung im Detail↑

Die Dichtung entfaltet Iqbals Lehre vom Selbst in einer Folge von Bildern und Gedankengängen. „Chudi“ ist für ihn gleichbedeutend mit dem koranischen „Ruh“, jenem göttlichen Funken, der in jedem Menschen vorhanden ist. Iqbal verweist darauf, dass dieser Funke bereits in Adam war und Gott deshalb allen Engeln befahl, sich vor Adam niederzuwerfen.

Den Weg zur Verwirklichung dieses Funkens schildert Iqbal am Gleichnis vom Samenkorn. Jeder Same trägt die Möglichkeit zum Duft bereits in sich. Doch um dorthin zu gelangen, muss er alle Stufen der Verwandlung durchlaufen: die Schale sprengen, den Boden durchbrechen, Wurzeln treiben, sich gegen die Elemente behaupten, Blätter und Blüten hervorbringen. Erst am Ende erreicht er den Duft, der von Anfang an in ihm verborgen lag.

Iqbal verschweigt nicht, dass dieser Weg oft scheitert. Nicht jeder Same gelangt bis zum Duft; viele gehen unterwegs zugrunde und bleiben unvollendet. Ebenso können nur wenige Menschen diesen geistigen Gipfel erklimmen. Die meisten werden unterwegs vom Streben nach materiellen Dingen aufgezehrt. Denselben Gedanken hatte vor ihm bereits der mittelalterliche Dichter und Philosoph Farid ud-Din Attar aus Nischapur in Die Konferenz der Vögel verwendet.

Auf verschiedenen Wegen führt Iqbal den Nachweis, dass das ganze Weltall dem Willen des Selbst gehorcht. Die Selbstzerstörung verurteilt er entschieden. Das Ziel des Lebens liegt für ihn in der Selbstverwirklichung und in der Selbsterkenntnis. Er beschreibt die Stufen, die das Selbst durchlaufen muss, bis es seinen Punkt der Vollendung erreicht. Wer dann sein Selbst erkannt hat, wird nach Iqbals Vorstellung zum Statthalter Gottes.

Stil↑

Als philosophische Dichtung verbindet Asrar-i Chudi gedankliche Beweisführung mit dichterischer Bildsprache. Iqbal schrieb das Werk auf Persisch, weil er diese Sprache für den Ausdruck seiner Gedanken besonders geeignet hielt.

Kennzeichnend ist das Arbeiten mit Gleichnissen. Das Bild vom Samenkorn, das seinen Duft erst nach vielen Verwandlungen entfaltet, macht einen abstrakten geistigen Weg anschaulich. Denselben Gedanken hatte vor ihm bereits Farid ud-Din Attar verwendet. In einem Brief an den Dichter Ghulam Qadir Girami schrieb Iqbal über sein Werk: „Die Gedanken hinter den Versen waren zuvor weder im Osten noch im Westen ausgesprochen worden.“

Rezeption↑

Nach dem Erscheinen fand das Buch rasch Beachtung. Reynold A. Nicholson, der es unter dem Titel The Secrets of the Self ins Englische übertrug, berichtet, dass es die Aufmerksamkeit junger Muslime auf sich zog, sobald es gedruckt war. Nicholsons Übersetzung erschien 1920 bei Macmillan & Co. in London.

Viele Kritiker zählen die Sammlung zu Iqbals gelungensten dichterischen Arbeiten. Das Werk bildet zudem den Auftakt zu einer Reihe weiterer Dichtungen Iqbals, darunter Rumuz-i Bechudi, Payam-i Maschriq und Dschawid Nama. Der Text ist heute über verschiedene Bibliotheken und Textsammlungen frei zugänglich.

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