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Werkseintrag · Der standhafte Zinnsoldat
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Der standhafte Zinnsoldat
1838
– Werkseintrag –

Der standhafte Zinnsoldat

1838 · Märchen

Ein Spielzeugsoldat mit nur einem Bein bleibt durch alle Gefahren tapfer und treu – Andersens kleines Märchen über unerschütterliche Haltung.

Überblick↑

Das Märchen Der standhafte Zinnsoldat stammt von dem dänischen Dichter Hans Christian Andersen und erschien erstmals 1838. Es ist ein Kunstmärchen, also eine bewusst von einem Autor erfundene Geschichte und kein überliefertes Volksmärchen. Im Mittelpunkt steht ein Spielzeugsoldat aus Zinn, der trotz aller Widrigkeiten unerschütterlich bleibt. Die Erzählung zählt zu den bekanntesten kürzeren Geschichten Andersens und wurde vielfach für Film, Musik und Bühne bearbeitet.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht ein kleiner Soldat aus Zinn, einer von fünfundzwanzig Brüdern, die alle aus demselben alten Löffel gegossen wurden. Anders als seine Kameraden hat er nur ein Bein, denn beim Guss reichte das Zinn nicht mehr aus. Doch das macht ihn nicht weniger tapfer.

Unter den vielen Spielsachen entdeckt er eine Tänzerin aus Papier, die ein Bein so hoch streckt, dass man es kaum sieht. Der Soldat glaubt, sie habe wie er nur ein Bein, und ist überzeugt, dass die beiden gut zusammenpassen würden. Doch ein mürrischer Troll aus einer Spielzeugdose scheint die Sache nicht gern zu sehen.

Bald nimmt das Schicksal des Soldaten eine unerwartete Wendung, und er muss eine abenteuerliche Reise voller Gefahren bestehen – immer standhaft, immer tapfer. Die Geschichte ist knapp erzählt und bündelt viel Bewegung auf wenigen Seiten.

Die Handlung im Detail↑

Der Zinnsoldat ist einer von fünfundzwanzig gleichartigen Spielzeugfiguren, die aus einem alten Löffel gegossen wurden und deshalb wie Brüder sind. Als einziger hat er nur ein Bein, weil er als letzte Figur entstand und das Zinn nicht mehr für zwei reichte. Diese Eigenheit macht ihn jedoch nicht weniger mutig als die anderen.

Er verliebt sich in eine aus Papier ausgeschnittene Tänzerin, die mit einer Brosche aus Pailletten verziert ist. Weil sie ein Bein so hoch streckt, dass es nicht zu sehen ist, hält der Soldat sie für ebenso einbeinig wie sich selbst und meint, sie beide würden gut zueinander passen. In der Nacht beobachtet er sie unentwegt. Ein Troll ermahnt ihn, das zu lassen – vermutlich hat der Troll selbst ein Auge auf die Tänzerin geworfen.

Am nächsten Morgen stürzt der Soldat aus dem Fenster. Ob es der Wind war oder der Troll, der das Fenster zuwarf, bleibt offen. Zwei Straßenjungen finden ihn, setzen ihn in ein Schiffchen aus Zeitungspapier und lassen ihn im Rinnstein fahren. So wild die Fahrt auch ist, der Soldat bleibt standhaft und tapfer. Eine Wasserratte will seinen Pass sehen, doch er entkommt ihr. Das Boot fährt in den Kanal hinab, kentert, und ein Fisch verschlingt den Soldaten.

Im Bauch des Fisches ist es dunkel, aber der Soldat verliert seine Haltung nicht. Plötzlich zuckt es wie ein Blitz durch den Fisch, es wird hell, und eine Stimme ruft: „Zinnsoldat!“ Der Fisch war gefangen, auf dem Markt verkauft und in der Küche aufgeschnitten worden – und der Soldat befindet sich wieder in genau jenem Zuhause, aus dem er aufgebrochen war.

Doch das glückliche Wiedersehen währt nicht lange. Ohne erkennbaren Grund wirft ein kleiner Junge den Soldaten in den Ofen. Ein Windstoß treibt auch die Papiertänzerin ins Feuer. Sie verbrennt, während der Soldat zu einem kleinen Klumpen in Herzform zerschmilzt. Am nächsten Tag findet das Dienstmädchen diesen Klumpen in der Asche, daneben die verkohlte Brosche der Tänzerin.

Stil↑

Geschrieben ist die Geschichte als Kunstmärchen: kurz, dicht und in schlichter, gut erzählter Sprache. Andersen verwendet die einbeinige Figur als durchgehendes Sinnbild für Festigkeit; das Wort „standhaft“ wird zum Leitmotiv, das die ganze Erzählung zusammenhält. Auffällig ist, dass der Soldat selbst kaum spricht und seine Treue allein durch Haltung und Ausdauer zeigt.

Der Erzähler hält sich nicht an feste Gewissheiten, sondern lässt manches offen. So bleibt unklar, ob der Wind oder der Troll das Fenster zuwarf. Diese kleine Unsicherheit verleiht der Geschichte einen leise ironischen, fast augenzwinkernden Ton. Belebte Spielsachen, ein sprechender Fisch und eine Wasserratte, die einen Pass verlangt, mischen Alltägliches und Wunderbares auf engem Raum.

Rezeption↑

Schon früh wurde das Märchen nicht nur als Kindergeschichte gelesen. Bernhard Severin Ingemann hielt es für nicht kindgerecht und verglich seinen Humor mit dem von E. T. A. Hoffmann. Die deutsche Übersetzung von A. Graf Baudissin aus dem Jahr 1841 trug ausdrücklich den Untertitel „Kein Kindermärchen“.

Die Geschichte wirkt bis heute in vielen Bearbeitungen nach, wobei das Ende oft verändert wird. Ein deutscher Märchenfilm von 1940 lässt den Soldaten den Kobold besiegen und mit der Tänzerin glücklich werden. In Roy E. Disneys Musikfilm Fantasia 2000 wird das Märchen zu Musik von Dmitri Schostakowitsch nacherzählt; auch hier zieht der Bösewicht den Kürzeren, statt dass die beiden im Feuer enden. Der Folksänger Donovan nahm den Stoff in einem Lied auf, in dem Tänzerin und Soldat freiwillig gemeinsam ins Feuer springen. Auch Nena spielt in ihrem Lied Es regnet auf die Szene im Rinnstein an.

Künstler griffen den Stoff zudem im Bilderbuch und im Musikvideo auf, etwa in einer in die Gegenwart versetzten Fassung von Jörg Müller. Spuren der Figur finden sich noch in jüngerer Popkultur, vom Musikvideo der Band Daft Punk bis zu einer einbeinigen Spielzeugfigur in der Serie One Piece.

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