Göttliche Komödie
Überblick↑
Das Hauptwerk des italienischen Dichters Dante Alighieri (1265–1321) erzählt in Versen die Reise eines Menschen durch Hölle, Läuterungsberg und Paradies. Dante begann das Werk wahrscheinlich um 1306 in den Jahren seines Exils und vollendete es kurz vor seinem Tod 1321. Es besteht aus den drei Teilen Inferno, Purgatorio und Paradiso. Das ganze Werk ist in Terzinen gedichtet. Das sind Strophen aus je drei Versen mit einem kunstvoll verschränkten Reimschema. Die Göttliche Komödie gilt als bedeutendste Dichtung der italienischen Literatur und als Grundlage der modernen italienischen Hochsprache. Sie zählt zu den größten Werken der Weltliteratur und wirkt bis heute fort.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Ein Mann verirrt sich in einem dunklen Wald und sieht keinen Weg mehr hinaus. In dieser Not erscheint ihm der römische Dichter Vergil, den die im Himmel verklärte Beatrice geschickt hat. Vergil bietet sich als Führer an. Er nimmt den Verirrten mit auf eine Reise, die ihn durch die drei Reiche des Jenseits führen soll: hinab in die Hölle, hinauf auf den Läuterungsberg und schließlich in das Paradies.
Auf diesem Weg begegnen die Wanderer den Seelen der Verstorbenen. Es sind berühmte Gestalten der Geschichte, der antiken Dichtung und der Bibel, aber auch Zeitgenossen Dantes. Jede Begegnung wird zum Gespräch über Schuld, Reue, Liebe und die Ordnung der Welt. Die Reise beginnt in der Karwoche des Jahres 1300. Sie ist als genau datierter Gang durch ein streng geordnetes Jenseits gebaut: vom Trichter der Hölle, der sich unter Jerusalem bis zum Erdmittelpunkt öffnet, über den Kegel des Läuterungsbergs auf der Südhalbkugel bis hinauf in die Himmelssphären. Der Leser wird Schritt für Schritt mitgenommen. Er sieht die jenseitige Welt mit den Augen eines Lebenden, der staunt, fragt und sich verändert.
Die Handlung im Detail↑
Am Gründonnerstag des Jahres 1300 verirrt sich Dante in einem finsteren Wald. Drei Tiere – ein Panther, ein Löwe und eine Wölfin – versperren ihm den Weg. Da tritt der römische Dichter Vergil zu ihm; Beatrice, die früh verstorbene Geliebte aus Dantes Jugend, hat ihn aus dem Himmel zu seiner Rettung geschickt. Vergil führt Dante auf eine Reise durch die drei Jenseitsreiche.
Sie steigen zuerst in das Inferno hinab, einen gewaltigen unterirdischen Trichter, der sich unter Jerusalem öffnet und bis zum Mittelpunkt der Erde reicht. In kreisförmigen Terrassen sind die Sünder nach der Art ihrer Vergehen geordnet; je schwerer die Schuld, desto tiefer und enger der Kreis. Dante spricht unterwegs mit Verdammten aus Antike, Bibel und seiner eigenen Zeit – mit antiken Helden, mit Päpsten, mit Florentiner Zeitgenossen. Im Mittelpunkt der Erde, am tiefsten Punkt der Schöpfung, steckt Luzifer reglos im Eis; alles Schwere und alle Sünden werden zu ihm hingezogen. An seinem zottigen Fell entlang klettern die beiden Reisenden, durchqueren den Erdmittelpunkt und gelangen auf der entgegengesetzten Hemisphäre wieder ans Tageslicht.
Dort ragt der Läuterungsberg aus dem Weltmeer empor, ein stumpfer Kegel mit sieben umlaufenden Simsen, auf denen die sieben Todsünden gebüßt werden. Stufe um Stufe steigen Dante und Vergil hinauf, treffen büßende Seelen und sprechen mit ihnen über Reue und Vergebung. Auf dem Gipfel breitet sich wie ein Hochplateau das Irdische Paradies aus – jener Garten, in dem Adam und Eva vor dem Sündenfall gelebt haben. Hier endet Vergils Auftrag: Als Heide darf er nicht weiter. An seiner Stelle tritt Beatrice in einer feierlichen Prozession an Dantes Seite und übernimmt die Führung.
Mit ihr steigt Dante durch die Himmelssphären auf, die nach dem geozentrischen Weltbild des Ptolemäus um die Erde kreisen: Mond, Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter, Saturn und der Fixsternhimmel. In jeder Sphäre begegnen ihm selige Seelen, die ihm die Ordnung der Schöpfung erklären – Fragen der Theologie, der Philosophie, der Geschichte und der Politik werden in Gesprächen entfaltet, in denen Dante eigene Gedanken einbringt und an manchen Stellen vom kirchlichen Dogma seiner Zeit abweicht. Über dem Fixsternhimmel liegt das Primum Mobile, die unsichtbare Kristallsphäre, deren Bewegung – angetrieben von Gottes Liebe zur Schöpfung – Raum und Zeit erst hervorbringt. Jenseits davon, außerhalb von Raum und Zeit, breitet sich das Empyreum aus, erfüllt von Licht und Liebe. Hier erblickt Dante den himmlischen Hofstaat, geordnet als gewaltige Rose der Seligen, und am Ende, jenseits aller Worte, die Trinität selbst.
Stil↑
Die Göttliche Komödie ist durchgehend in Terzinen gedichtet. Das ist eine Strophenform aus je drei Versen, deren Reime kunstvoll ineinandergreifen und ein Glied immer in die nächste Strophe vorausschicken. Für dieses strenge Schema gab es keine Vorbilder. Dante hat es eigens für sein Werk geschaffen. Er nennt sein Gedicht selbst eine „Komödie", weil der Stoff erschreckend und abstoßend beginnt und beglückend endet, an anderer Stelle auch ein „heiliges Gedicht".
Sprachlich greift Dante nicht auf das Latein der Gelehrten zurück, sondern auf seinen toskanischen Dialekt. Damit macht er ihn zur Grundlage der modernen italienischen Hochsprache. In den Text fließt ein außerordentlich breiter Bildungshorizont: die Bibel, mittelalterliche Theologen und Philosophen wie Boethius, Bernhard von Clairvaux, Albertus Magnus und Thomas von Aquin, die römischen Dichter Vergil, Ovid, Lukan und Statius, dazu griechische und arabische Gelehrte, die Dante meist über Vermittler kennt. Aristoteles nennt er den „Meister all derer, die Wissen erlangt haben".
Die jenseitigen Räume sind mit naturwissenschaftlicher Präzision gebaut. Höllentrichter, Läuterungsberg und Himmelssphären folgen einer einzigen idealen Achse, die vom Zentrum Jerusalems durch den Erdmittelpunkt bis zum Empyreum reicht. Dantes Zeitangaben stimmen bis auf zwei Ausnahmen exakt, die Wege lassen sich kartographieren. Dante war ein genauer Beobachter der Natur. Er kannte das optische Reflexionsgesetz und die Eigenschaften von Spiegeln, die in seinen Bildern immer wiederkehren. Selbst die kühnsten Erfindungen seiner Phantasie bettet er in einen nüchternen, empirisch einleuchtenden Realismus ein. An unglaublichen Stellen versichert er, er könne es selbst kaum glauben, wenn er es nicht mit eigenen Augen gesehen hätte.
Rezeption↑
Schon Giovanni Boccaccio fügte dem Werk in seinem Buch zum Lob Dantes das Beiwort „divina" hinzu – „göttlich". Lodovico Dolce übernahm diese Schreibweise für seine Ausgabe, die 1555 in Venedig bei Gabriele Giolito erschien. Mit ihr setzte sich die Bezeichnung Divina Commedia in Italien und durch die Übersetzungen in allen anderen Sprachen endgültig durch.
Die Wirkung des Gedichts reicht weit über die Literatur hinaus. Bildende Künstler haben aus seinen Szenen eigene Hauptwerke geschöpft. Auguste Rodin nahm sich mit dem „Höllentor", dem „Denker" und dem „Kuss" Motive aus dem Inferno zum Anlass für skulpturale Großprojekte. Maler wie Eugène Delacroix mit der „Dantebarke" und William-Adolphe Bouguereau mit „Dante und Vergil in der Hölle" griffen Szenen aus dem Jenseits auf, andere widmeten sich der Begegnung mit Beatrice. Auch in Musik, Film und populärer Kultur wird der Stoff bis in die Gegenwart immer wieder neu aufgenommen, von Opernbearbeitungen bis zu Filmen und Konzeptalben. Die Göttliche Komödie gilt als bedeutendste Dichtung der italienischen Literatur und als eines der größten Werke der Weltliteratur. Ihre Nachwirkung lebt bis heute fort. Zum 700. Todestag Dantes erklärte der italienische Kulturminister den 25. März zum nationalen Dante-Gedenktag.
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