1265 – 1321
Dante Alighieri
Kurzporträt↑
Dante Alighieri wurde 1265 in Florenz geboren und starb 1321 in Ravenna. Er gilt als einer der bekanntesten Dichter der italienischen Literatur und des europäischen Mittelalters. Seine Göttliche Komödie verfasste er in altitalienischer (toskanischer) Sprache. Damit überwand er die Beschränkung der europäischen Literatur auf das Lateinische und führte das Italienische zu einer Literatursprache. Sein Leben war geprägt von den politischen Auseinandersetzungen seiner Vaterstadt. Der Streit zwischen den Weißen und Schwarzen Guelfen zwang ihn 1302 ins lebenslange Exil. Neben dem Dichter war Dante auch Philosoph und politischer Akteur seiner Vaterstadt Florenz.
Biografie↑
Dante wurde 1265 in Florenz geboren. Das Datum ist nicht völlig sicher. Nach seiner eigenen Darstellung in der Commedia war er zum fingierten Zeitpunkt seiner Jenseitsreise, der Karwoche 1300, ungefähr 35 Jahre alt. Er wurde im Sternzeichen der Zwillinge geboren, woraus sich ein Geburtstermin gegen Ende Mai 1265 erschließen lässt. Ein genauer Tag ist jedoch nicht überliefert. In mehreren textgeschichtlich wichtigen Handschriften der Commedia wird stattdessen 1260 als Geburtsjahr angegeben. Als gesichert gilt aber das Datum seiner Taufe am Karsamstag, dem 26. März 1266, was gegen das Jahr 1260 spricht. Getauft wurde er nach übereinstimmenden Aussagen seines Sohnes Jacopo Alighieri und Filippo Villanis auf den Namen Durante, der in der Aussprache zu Dante verkürzt wurde.
Seine Familie gehörte dem guelfisch gesinnten Stadtadel an. Den Adel verdankte sie wohl dem Ururgroßvater Cacciaguida und dessen Teilnahme am Zweiten Kreuzzug. Der Vater Alighiero II. war unter anderem als Geldverleiher tätig. Dantes Mutter Bella starb früh, zwischen 1270 und 1273. Der Vater heiratete in zweiter Ehe Lapa di Chiarissimo Cialuffi und starb 1281 oder 1282. Eltern und Stiefmutter hat Dante in seinem Werk mit Schweigen übergangen. Ebenso verschwieg er seine Ehefrau Gemma di Manetto Donati, die er um 1285 heiratete, und die vier gemeinsamen Kinder Pietro, Giovanni, Jacopo und Antonia.
Nur durch seine Werke bezeugt ist Dantes Beziehung zu Beatrice. Ihr begegnete er als Neunjähriger zum ersten Mal. 1283 erweckte sie eine reine und ideale Liebe in ihm, die über ihren frühen Tod 1290 hinaus sein Leben bestimmte. In der Danteforschung ist umstritten, ob es sich um Bice Portinari handelte, eine Tochter des reichen Nachbarn Folco Portinari. Umstritten ist auch, ob Beatrice überhaupt als historische Person und nicht nur als literarische Fiktion existierte.
Wo Dante seine ungewöhnliche Bildung erwarb, ist nicht sicher bekannt. Früh stand er in literarischem Verkehr mit volkssprachlichen Dichtern wie Guido Cavalcanti und Cino da Pistoia. Im Inferno präsentiert er Brunetto Latini als eine Art Lehrer. Im Convivio erwähnt er, dass er zeitweise die Schulen der Mönche und die Disputationen der Philosophen besuchte. Gemeint sein dürfte ein Studium generale an den Lehrstätten der Dominikaner und Franziskaner in Florenz. Studienaufenthalte in Bologna und Paris sind angenommen worden, aber nicht historisch belegt.
Dantes Leben war durch die politischen Auseinandersetzungen seiner Zeit geprägt. Er beteiligte sich 1289 am Kampf der guelfischen Bürgerwehr in der Schlacht von Campaldino und an der Einnahme der Festung Caprona. 1295 schrieb er sich in der Zunft der Apotheker und Ärzte ein und schuf damit die Voraussetzung für ein politisches Amt. Er war Mitglied im Rat des Capitano del Popolo und im Rat der Hundert. Vom 15. Juni bis 15. August 1300 gehörte er als eines von sechs Mitgliedern des Priorats dem höchsten Gremium der Stadt an. Im Oktober/November 1301 befand er sich vermutlich in einer Gesandtschaft zu Verhandlungen mit Papst Bonifatius VIII. in Rom.
Italien war in dieser Zeit zerrissen zwischen Ghibellinen und Guelfen. Die Ghibellinen vertraten die Ansprüche des Kaisers, die Guelfen hielten zum Papst. In Florenz spalteten sich die Guelfen um 1300 in kompromissbereite Weiße um die Cerchi und kompromisslose Schwarze um die Donati. Während Dantes Amtszeit im Priorat verbannten er und seine Mitregenten 1300 sowohl Weiße als auch Schwarze, darunter Dantes Freund Guido Cavalcanti und den Schwarzen-Anführer Corso Donati. Daraufhin wurde Florenz mit dem Kirchenbann belegt. Der Papst rief Karl von Valois als Friedensstifter nach Italien. Am 1. November 1301 zog Karl in Florenz ein, und die mit ihm eindringenden Schwarzen nahmen Rache. Auch Dantes Haus soll zerstört worden sein. Am 27. Januar 1302 wurde Dante in Abwesenheit zu einer Geldstrafe und zum Ausschluss von allen öffentlichen Ämtern verurteilt. Im März 1302 folgte gemeinsam mit vierzehn anderen Weißen das Urteil zum Tod durch Verbrennen für den Fall seiner Rückkehr. Seine Gattin folgte ihm nicht ins Exil, die Söhne mussten Florenz mit dem 13. Lebensjahr verlassen.
Für die Exiljahre fehlen externe Dokumente nahezu vollständig. Wahrscheinlich hielt sich Dante ab 1302 überwiegend in Ober- und Mittelitalien auf. Zeitweise fand er in Verona bei Bartolomeo della Scala, in Treviso bei Gerardo da Camina und in der Lunigiana bei den Grafen Malaspina Aufnahme. Den Luxemburger Heinrich VII., im Januar 1309 in Aachen zum römisch-deutschen König gekrönt, begrüßte er enthusiastisch als Retter Italiens und richtete seinen 7. Brief an ihn. Heinrich wurde am 29. Juni 1312 in Rom zum Kaiser gekrönt. Im Herbst desselben Jahres scheiterte er jedoch bei der Belagerung von Florenz, zu der Dante ihn aufgefordert hatte. Mit dem Tod Heinrichs am 24. August 1313 zerschlugen sich Dantes politische Hoffnungen. Heinrich stilisierte er in der Göttlichen Komödie zum alto Arrigo.
Ein Angebot seiner Vaterstadt empfand Dante als schmählich: Er hätte gegen Geldbuße und öffentliche Abbitte zurückkehren dürfen. Dante lehnte es ab. Am 15. Oktober 1315 wurde seine Verurteilung erneuert. In der Folgezeit hielt er sich zeitweise wieder bei den Scaligern in Verona auf und ab 1318 in Ravenna bei Guido Novello da Polenta. Während einer Mission im Auftrag Guidos in Venedig erkrankte er. Nach seiner Rückkehr starb er in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1321 in Ravenna, wo er bis heute begraben liegt. Florenz versuchte im Laufe der Jahrhunderte mehrmals vergeblich, ihn in der Stadt beizusetzen. 1829 errichtete die Stadt ihm in der Basilika Santa Croce ein monumentales Kenotaph.
Literarische Merkmale↑
Dantes literarisches Schaffen entstand in einer Zeit, in der die europäische Literatur weitgehend dem Lateinischen verpflichtet war. Seine Göttliche Komödie verfasste er in altitalienischer beziehungsweise toskanischer Sprache. Damit überwand er diese Beschränkung und führte das Italienische zu einer Literatursprache. So prägt er bis heute, was als italienische Literatur gilt.
Sein dichterisches Denken ist tief in der mittelalterlichen Liebesdichtung verwurzelt. Das kunstvolle Verschleiern der Identität der Geliebten – provenzalisch velar – gehört seit den von Dante verehrten provenzalischen Trobadors zu den gängigen Strategien dieser Tradition. Gerade Dante illustriert dieses Verfahren in der Vita nova sehr eindrucksvoll: Er erzählt, er habe sich zur Irreführung des Publikums noch eine weitere Dame zur vorgeblichen Anbetung erwählt. Früh stand er in literarischem Austausch mit anderen hochkultivierten volkssprachlichen Dichtern wie Guido Cavalcanti und Cino da Pistoia.
Die Bildung, die Dantes Werk trägt, ist außergewöhnlich. Sie speist sich aus der Berührung mit Brunetto Latini und dessen Bemühen, lateinische Gelehrsamkeit in den Volkssprachen zu popularisieren. Hinzu kommt das Studium an den Florentiner Lehrstätten der Dominikaner und Franziskaner, an denen zu seiner Zeit Lehrer wie Remigius Girolami und Petrus Johannis Olivi wirkten. Stil und Machart seiner lateinischen Werke und des Convivio legen einen universitären Hintergrund nahe. Zusätzlich kann man ihm besondere autodidaktische Fähigkeiten zusprechen.
Charakteristisch für sein Schreiben ist die enge Verflechtung von Dichtung und persönlicher Biografie. Anspielungen auf Orte, Personen und zeitgenössische Vorgänge durchziehen sein Werk so dicht, dass die Forschung daraus seinen Lebensweg überhaupt erst rekonstruieren kann. Politische Erfahrung, philosophische Bildung und persönliche Erlebnisse wie die Liebe zu Beatrice fließen zu einer eigenen dichterischen Welt zusammen. In ihr werden historische Gestalten wie Heinrich VII. zu Sinnfiguren – Heinrich etwa zum alto Arrigo der Göttlichen Komödie.
Rezeption↑
Kein anderer Dichter vor und nach Dante wurde so oft, so umfangreich und mit einem solchen Aufwand an Gelehrsamkeit kommentiert. Diese Entwicklung setzte bereits kurz nach seinem Tod ein, mit der Glossierung und öffentlichen Kommentierung der Commedia. Auch seine eigenen Söhne und seit der Mitte des 14. Jahrhunderts Giovanni Boccaccio haben daran mitgewirkt, unter anderem durch das Trattatello in laude di Dante. Schon zu seinen Lebzeiten war Dante so prominent, dass der Zeitgenosse Giovanni Villani ihm in seiner Nuova Cronica anlässlich des Todes beachtlichen Raum einräumte.
Der zu dieser Zeit in Italien entstehende Humanismus und die Renaissance rezipierten Dantes Werk teils mit kritischer Ablehnung, teils mit Bewunderung für seine vermeintliche Vorwegnahme ihrer eigenen Leitvorstellungen. In neuerer Zeit stand Dantes Wiederentdeckung zunächst unter dem Vorzeichen eines romantischen Interesses am Mittelalter. Hinzu kam die Vereinnahmung seines Werks für die Herausbildung eines neuen politischen und kulturellen Selbstverständnisses der im Risorgimento entstehenden italienischen Nation. Progressive ebenso wie konservative oder reaktionäre, katholische ebenso wie protestantische, aber auch esoterische oder antikirchliche Milieus haben Dante für ihre Zwecke beansprucht und dem Verständnis seines Werkes manche Verzerrung hinzugefügt.
Zur wissenschaftlichen Konstituierung der Dantephilologie und Danteforschung haben seit dem 19. Jahrhundert deutsche, englische und in jüngerer Zeit auch amerikanische Forscher wesentliche Anstöße geliefert. Die Forschung hat viele Missverständnisse aufklären können. Manche Befangenheit des vor- und außerwissenschaftlichen Betriebs hat sie aber auch bis in die Gegenwart tradiert. Über die Literatur hinaus reicht Dantes Nachwirkung bis in die Astronomie. Nach ihm sind der Asteroid des inneren Hauptgürtels (2999) Dante sowie der Mondkrater Dante benannt.
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