1749 – 1803
Vittorio Alfieri
Kurzporträt↑
Zu den Wegbereitern eines streng klassischen Tragödienstils in Italien zählt Vittorio Alfieri, geboren 1749 in Asti, gestorben 1803 in Florenz. Er war ein italienischer Dichter und Dramatiker im Zeitalter der Aufklärung. Seine Bühnenwerke waren von republikanischen Freiheitsgedanken durchdrungen und von einer tiefen Abscheu gegen jede Form von Tyrannei. Er stammte aus reichem Adel und wandte sich erst spät der Literatur zu. Versäumte Bildung holte er mit großer Beharrlichkeit nach. Seine Tragödien wirkten weit über seine Lebenszeit hinaus. Sie beeinflussten die italienische Freiheitsbewegung des 19. Jahrhunderts, das Risorgimento.
Biografie↑
Als Sohn reicher und vornehmer Eltern kam Vittorio Alfieri am 16. Januar 1749 in Asti zur Welt. Sein Vater, Graf Antonio Alfieri, starb früh. So wurde der Junge bis 1758 von seiner Mutter aufgezogen. Anschließend schickte ihn sein Onkel auf die Militärakademie zu Turin, wo er nur eine mangelhafte Bildung erhielt. Von 1766 bis 1772 unternahm er ausgedehnte Reisen durch Europa.
Nach der Rückkehr nach Turin lebte Alfieri in der Stadt als adliger Müßiggänger. Aus Hass gegen jeden Zwang verfolgte er auch keine militärische Laufbahn, sondern wandte sich schließlich der Literatur zu. 1774 verfasste er seine erste Tragödie, Antonio e Cleopatra. Der Erfolg seiner dramatischen Versuche bestärkte ihn in dem Glauben an seine dichterische Bestimmung. Er holte versäumte Schulbildung nach und lernte Latein. 1776 begab er sich in die Toskana, um reines Italienisch zu lernen. In Florenz lernte er 1777 Luise Stolberg, Gräfin von Albany, kennen, die Gemahlin des englischen Thronprätendenten Charles Edward Stuart. Für sie empfand er eine tiefe Zuneigung.
Um völlig unabhängig zu sein und in Florenz bleiben zu können, überließ Alfieri sein Vermögen und seine Güter in Turin gegen eine Rente seiner Schwester, der Gräfin Cumiana. 1780 verließ die Gräfin von Albany ihren Gatten, der sie angeblich gewalttätig behandelt hatte. Sie wohnte einige Zeit in einem Kloster in Rom. Dorthin folgte ihr Alfieri und lebte fortan mit ihr zusammen. In Rom vollendete er 14 Tragödien, zu denen später noch einige hinzukamen. Aus Rücksicht auf den Ruf seiner Freundin verließ er Rom wieder und reiste 1783 in Italien umher. Nach einer Reise nach England begab er sich 1785 zur Gräfin von Albany nach Colmar im Elsass, wohin diese übergesiedelt war. Danach lebte er mit ihr abwechselnd im Elsass und in Paris, ab 1787 nur noch in der französischen Hauptstadt.
Beim Ausbruch der Französischen Revolution 1789 hielt sich Alfieri in England auf und kehrte nach Paris zurück. Als glühender Republikaner begrüßte er die Revolution zunächst enthusiastisch und feierte die Einnahme der Bastille in einer Ode. Die Ereignisse der folgenden Jahre änderten jedoch seine Ansichten, insbesondere der Tuileriensturm vom 10. August 1792. Noch 1792 verließ er Frankreich, nicht ohne Gefahr. Zunächst suchte er Belgien auf. Dann aber kehrte er mit seiner Lebensgefährtin nach Florenz zurück, wo er sein letztes Lebensjahrzehnt verbrachte. Sein in Paris zurückgelassenes Vermögen wurde vom Konvent konfisziert. Überdies verlor er einen großen Teil seines übrigen Vermögens, das in französischen Fonds angelegt war. Seither hegte er gegen die Franzosen einen unversöhnlichen Hass. Diesem gab er in seinem Misogallo Ausdruck, der erst elf Jahre nach seinem Tod erschien.
In seinen letzten Jahren schrieb Alfieri weiter und bemühte sich mit Erfolg, die griechische Sprache zu erlernen. Übermäßiges Arbeiten zog ihm ein Siechtum zu. An Gicht leidend, verlebte er die letzte Zeit in finsterer Gemütsstimmung und abgeschieden von der Welt. 1801 wurde er zum Mitglied der Accademia delle Scienze di Torino gewählt. Am 8. Oktober 1803 starb er im Alter von 54 Jahren in Florenz. Seine Asche wurde dort in der Kirche Santa Croce beigesetzt, unter einem prächtigen, von Canova geschaffenen Grabmal.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Alfieris Schaffen sind streng formale, klassische Tragödien. Sie waren durchdrungen von den republikanischen Freiheitsgedanken des späten 18. Jahrhunderts und von seiner Abscheu gegenüber jeder Form von Tyrannei. Diese politische Grundhaltung verband sich bei ihm mit einer strengen, klassizistischen Form. Über die Tragödie hinaus gilt er als Erfinder der Tramelogödie, einer von ihm geschaffenen dramatischen Gattung.
Rezeption↑
Großen Einfluss übten Alfieris Werke auf die italienische Freiheitsbewegung des 19. Jahrhunderts aus, das Risorgimento. Denn seine Tragödien brachten den Freiheitsgedanken und die Ablehnung der Tyrannei in eindringliche Form. In seiner Heimatstadt Asti wurde 1860 das Teatro Vittorio Alfieri eröffnet und 2002 rekonstruiert. Seit 1862 befindet sich dort sein Standbild von Bini. Sein Grabmal in der Florentiner Kirche Santa Croce, geschaffen von Canova, hält das Andenken an den Dichter bis heute lebendig.
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