1862 – 1937
Edith Wharton
Kurzporträt↑
Edith Wharton (1862–1937) wurde als Tochter der New Yorker Oberschicht geboren. Sie wurde zu einer der bekanntesten amerikanischen Schriftstellerinnen ihrer Zeit und zur Verfasserin sozialkritischer Romane. Als erste Frau erhielt sie einen Pulitzer-Preis für Literatur: 1921 für ihren Roman Zeit der Unschuld. Dreimal wurde sie für den Nobelpreis für Literatur nominiert. In ihren Büchern zeichnete sie das Leben jener gehobenen Gesellschaft nach, in der sie selbst aufgewachsen war. Gegen deren Konventionen kämpfte sie ein Leben lang an.
Biografie↑
Edith Newbold Jones wurde 1862 als drittes Kind von George Frederic Jones und Lucretia Stevens Rhinelander geboren. Ihre Familie gehörte zur wohlhabenden Ostküstenelite von New York City. In der Tatsachen-Zeile geben die Quellen den Geburtsort leicht unterschiedlich an: Wikidata nennt „New York City", die Deutsche Biographie „New York, NY". Gemeint ist jeweils dieselbe Stadt. Ihre Kindheit war geprägt von Etikette, gesellschaftlicher Repräsentation und dem strengen Hausunterricht ihrer europäischen Gouvernante. Früh begann sie zu lesen und entwickelte bald literarisches Talent. Ihr Leben lang sollte sie jedoch gegen die gesellschaftlichen und erzieherischen Konventionen ihrer Herkunft ankämpfen.
Im Jahr 1885 heiratete sie Edward Robbins „Teddy" Wharton, einen zwölf Jahre älteren Bankier aus Boston. Mit ihm lebte sie zunächst in New York City. Später lebten sie abwechselnd auf dem als The Mount bekannt gewordenen Anwesen in Massachusetts und auf Rhode Island. Als sie herausfand, dass ihr Mann Geld für jüngere Frauen ausgab, zerbrach die Ehe langsam. Wharton flüchtete nach Paris und begann 1908 eine Affäre mit William Morton Fullerton, einem für The Times schreibenden Journalisten. Er wurde ihre große Liebe. Die Beziehung hielt drei Jahre, danach lebte sie allein in Paris. Ihre eigene Geschichte weckte die Lust am Schreiben, und reale Personen finden sich in ihren Werken wieder. Sie wurde rasch bekannt und konnte als Autorin ihren Lebensunterhalt verdienen.
Whartons erstes Buch, The Decoration of Houses, erschien 1897. Es entstand gemeinsam mit einem befreundeten Architekten. Das Sachbuch wurde zu einem frühen Standardwerk der Innenarchitektur. 1913 wurde die kinderlose Ehe mit Edward Wharton geschieden. Sie reiste nun viel und half während des Ersten Weltkriegs Flüchtlingen. Für amerikanische Zeitungen schrieb sie Berichte über den Krieg. Ihre Schrift Frankreich im Krieg von 1915 beeinflusste die Entscheidung der amerikanischen Politik zum Kriegseintritt 1917. In die Vereinigten Staaten reiste sie selbst nur noch ein einziges Mal. 1923 nahm sie dort den Ehrendoktor der Yale University entgegen.
Viele Intellektuelle ihrer Zeit trafen sich in ihrem Salon zum Gedankenaustausch, darunter Theodore Roosevelt, F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway. Mit Henry James verband sie eine innige platonische Freundschaft. Zu ihren Freunden zählten auch Walter Van Rensselaer Berry und Bernard Berenson. Mit ihnen reiste sie 1913 durch Deutschland. In Frankreich besaß Wharton zwei Häuser: den Pavillon Colombe nördlich von Paris und das Castel St. Claire bei Hyères. Dessen Schloss und weitläufiger Park gehören heute der Stadt Hyères und können besichtigt werden.
Edith Wharton starb 1937 im Alter von 75 Jahren infolge eines Schlaganfalls. Ihr Grab befindet sich auf dem Cimetière des Gonards in Versailles. Über den genauen Sterbeort gehen die Quellen auseinander: Wikidata nennt Saint-Brice-sous-Forêt, die Deutsche Biographie Versailles, wo sie bestattet wurde. Auf ihrem Grabstein steht: „O Crux Ave Spes Unica" – „Oh Kreuz, sei gegrüßt, du einzige Hoffnung".
Literarische Merkmale↑
Verfasserin sozialkritischer Romane ist die Bezeichnung, die ihr Werk am ehesten trifft. Wharton schöpfte aus der Welt, die sie von Kindheit an kannte: der gehobenen New Yorker Gesellschaft mit ihren strengen Regeln von Etikette und gesellschaftlicher Repräsentation. Aus dieser Erfahrung formte sie ihre Geschichten, in denen reale Personen wiederzuerkennen sind. Auch ihr eigenes Leben wurde zur Quelle ihres Schreibens: die zerbrochene Ehe und die späte Liebe in Paris.
Rezeption↑
Anerkennung fand Wharton schon zu Lebzeiten in hohem Maße. 1921 wurde sie als erste Frau mit dem Pulitzer-Preis für Literatur ausgezeichnet, für Zeit der Unschuld. Dreimal wurde sie für den Nobelpreis für Literatur nominiert. Ihr Salon zog bedeutende Persönlichkeiten an, von Theodore Roosevelt bis zu den Schriftstellern F. Scott Fitzgerald und Ernest Hemingway. Schon ihr erstes Buch, das Sachbuch The Decoration of Houses, wurde zu einem frühen Standardwerk der Innenarchitektur. Ihre Kriegsschrift Frankreich im Krieg beeinflusste die amerikanische Politik beim Kriegseintritt 1917. Das zeigt, wie weit ihre Wirkung über die schöne Literatur hinausreichte.
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