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Porträt Adelbert von Chamisso
Adelbert von Chamisso
1781 – 1838
– Autorenporträt –

Adelbert von Chamisso

1781 – 1838 · 57 Jahre

Dichter und Naturforscher französischer Herkunft, der mit "Peter Schlemihls wundersame Geschichte" (1814) Weltruhm erlangte und als einer der bedeutenden Floristen seiner Zeit gilt.

Kurzporträt

Adelbert von Chamisso (1781–1838) war ein Dichter und Naturforscher französischer Herkunft. Seine wichtigsten Werke schrieb er in deutscher Sprache. Berühmt wurde er vor allem durch die Erzählung Peter Schlemihls wundersame Geschichte (1814). Sie erzählt die Geschichte eines Mannes, der seinen Schatten verkauft. Daneben verfasste er weithin bekannte Gedichte wie Das Riesenspielzeug und Der rechte Barbier. Hinzu kam die Reise um die Welt (1836), der Bericht seiner Teilnahme an einer russischen Forschungsexpedition. Als Botaniker und Zoologe gehörte er zu den bedeutenden Naturforschern seiner Zeit. Sein Biograf Robert Fischer hat ihn einen "frühen Bürger Europas" genannt, der die Gegensätze zweier Nationen in seinem Leben zu vereinen suchte.


Biografie

Adelbert von Chamisso wurde Ende Januar 1781 als Louis Charles Adélaïde de Chamissot de Boncourt geboren. Über den Geburtsort gehen die Quellen auseinander. Die Deutsche Biographie nennt das Stammschloss Boncourt in der Champagne, Wikidata hingegen Châlons-en-Champagne. Sicher belegt ist nach Chamissos eigenen Angaben in der Reise um die Welt nur der Tauftag, der 31. Januar 1781. Er war das vierte von sieben Kindern des Grafen Louis Marie de Chamissot, eines französischen Offiziers und Ritters des Ordens vom Heiligen Ludwig.

Die Französische Revolution vertrieb die Familie 1790 vom Stammsitz. Dieser wurde niedergebrannt und die Güter der Familie konfisziert. 1792 verließen die verarmten Chamissos Frankreich. Auf der Flucht vor den Revolutionsheeren zogen sie durch die Niederlande und Süddeutschland, bis sie sich 1796 in Berlin niederließen. Dort wurde Adelbert Page der Königin Friederike Luise von Preußen und besuchte das von Hugenotten gegründete Französische Gymnasium. Von 1798 bis 1807 leistete er Militärdienst in der preußischen Armee. 1801 wurde er Leutnant und nannte sich nun Ludwig von Chamisso. Unter dem Emigrantendasein im preußischen Heer litt er sehr. Die Eintönigkeit des Soldatenlebens suchte er durch das Studium der Philosophie und der deutschen Literatur zu vergessen.

Ab 1804 gab er gemeinsam mit Freunden des romantischen Dichterkreises Nordsternbund einen Musenalmanach heraus und führte fortan den Namen Adelbert von Chamisso. Zum Kreis zählten Julius Eduard Hitzig, Friedrich de la Motte Fouqué, Karl August Varnhagen von Ense, dessen Schwester Rosa Maria und Wilhelm Neumann. 1805 wurde sein Regiment nach Hameln verlegt. Dort erlebte er die Kapitulation der Festung gegenüber den Truppen Napoleons mit. Als Gefangener auf Ehrenwort reiste er nach Frankreich. 1807 (nach manchen Quellen 1806) schied er aus dem Armeedienst aus. Im selben Jahr wurde er in einer Loge in Châlons-sur-Marne als Freimaurer aufgenommen.

Von 1810 an hielt er sich zwei Jahre in Frankreich und der Schweiz auf und gehörte zum Freundeskreis von Madame de Staël. Auf deren Schloss Coppet am Genfer See begann er sich der Botanik zuzuwenden. 1812 kehrte er nach Berlin zurück, mit dem festen Entschluss, Naturwissenschaften zu studieren. Während der Befreiungskriege geriet er als Ausgesonderter erneut in Bedrängnis. In dieser Zeit entstand 1813 auf dem Itzenplitzschen Landgut in Kunersdorf Peter Schlemihls wundersame Geschichte, die ihn als Dichter weltberühmt machen sollte. In Berlin zählte er auch zum literarischen Freundeskreis E. T. A. Hoffmanns, den "Serapionsbrüdern".

Von 1815 bis 1818 nahm Chamisso als wissenschaftlicher Begleiter an der Rurik-Expedition unter dem russischen Kapitän Otto von Kotzebue teil. Die Reise erforschte Polynesien, Mikronesien und Hawaii und suchte die Nordwestpassage. Er kartografierte Teile der Küste Alaskas und erfasste deren Pflanzenwelt. Nach ihm wurde die Chamisso-Insel benannt. Er beschrieb außerdem das Leben der Eskimos und Aleuten. Auch das Wort "Parka" gelangte durch sein Reisebuch erstmals in die deutsche Sprache. Die russische Kolonialherrschaft kritisierte er. Die Bewohner Hawaiis und Mikronesiens schilderte er in einem humanistischen Geist.

Nach der Rückkehr verlieh ihm die Universität den Ehrendoktor. 1819 wurde er Zweiter Kustos am Königlichen Herbarium auf dem Gelände des heutigen Kleistparks. Im selben Jahr heiratete er Antonie Piaste, die Pflegetochter seines Freundes Hitzig. Der Ehe entstammten fünf Söhne und zwei Töchter. 1819 wurde er zudem unter dem Beinamen Jason VIII. in die Gelehrtenakademie Leopoldina aufgenommen. 1833 stieg er nach dem Weggang Schlechtendals zum Ersten Kustos auf. Auf Vorschlag Alexander von Humboldts wurde er 1835 ordentliches Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften.

1831 erschien sein erster Lyrikband. Mit dem sozialkritischen Flugblattgedicht Die alte Waschfrau sammelte er 1838 Spenden für eine in Not geratene Berlinerin und nahm 150 Reichstaler ein. Am 21. August 1838 starb Chamisso in Berlin, ein Jahr nach dem Tod seiner Frau. Laut der Deutschen Biographie war er katholisch getauft, neigte später aber einem liberalen Protestantismus zu.


Literarische Merkmale

Chamissos Lyrik kam nach den Worten der Deutschen Biographie erst nach der Weltreise zur vollen Entfaltung. Erst da war die innere Aneignung der deutschen Sprache dem äußeren Erlernen nachgefolgt. Soweit seine Gedichte gefühlsbestimmtes persönliches Erleben spiegeln, ordnet die NDB sie ganz dem Biedermeier zu. Chamisso wurde so zu einem Dichter des Bürgerhauses und der Schullesebücher.

Eine ausgeprägte Neigung zum Epischen und Objektiven führte ihn zur Ballade. Sie war schon in der Vorliebe für Gedichtzyklen erkennbar. Er griff Stoffe aus Sage und Märchen, aus der exotischen Welt seiner Reisen und aus der politisch-sozialen Wirklichkeit auf. Beinahe wider Willen half er als Zeitdichter dem Jungen Deutschland den Weg bereiten. Seine höchste formale Meisterschaft erreichte er, so die Deutsche Biographie, in der Beherrschung der Terzine.

In der Prosa setzte vor allem Peter Schlemihls wundersame Geschichte Maßstäbe. Aus einem zunächst geplanten Kindermärchen wurde während der Ausarbeitung eine verschlüsselte Selbstdarstellung. In der Zeichnung der Figuren, in der Erzähltechnik und im Hang zum Phantastischen folgte Chamisso noch der Romantik. Die Geschlossenheit der Erzählung und ihr starker Wirklichkeitsbezug weisen jedoch, wie die NDB bemerkt, schon zum beginnenden Realismus hinüber. Das Lebensgefühl ist hier vorwiegend deterministisch, ohne dass damit das Ethische in Frage gestellt würde. Schuld und Verantwortung behalten ihr volles Gewicht. Schlemihl wird frei durch die Einstimmung in sein Schicksal, durch Selbstüberwindung und Tätigkeit.

Frühere Versuche zeigten ihn noch stärker im Umfeld der Romantik. Die fragmentarische Dramatisierung des Volksbuchs von Fortunati Glückseckel und Wunschhütlein suchte nach dem Vorbild von Tiecks Oktavian die Vereinigung des Tragischen mit dem Komischen und die virtuose Anwendung kunstvoller romanischer Versformen. Das allegorische Märchen Adelberts Fabel steht in seiner Form Novalis nahe und greift gedanklich Motive der kantischen Ethik und der Lehre Epiktets auf. Hier wie später kreist Chamissos Schreiben um die Frage nach der menschlichen Willensfreiheit. Diese war laut der Deutschen Biographie sein zentrales Lebensproblem.

Auch als Naturforscher prägte ein klarer Stil seine Arbeit. Als überzeugter Empiriker sah er seine Aufgabe in der exakten Beschreibung, Vergleichung und Einordnung der gesammelten Pflanzen.


Rezeption

Mit Peter Schlemihls wundersame Geschichte erlangte Chamisso, wie die Deutsche Biographie festhält, als Dichter Weltruhm. Aus dem Einfall vom Verlust des Schattens schuf er ein Symbol, dessen Deutbarkeit weit über das Persönliche hinausreicht. Das schöpferische Fortwirken dieses Motivs reicht laut NDB bis zu Hugo von Hofmannsthals Frau ohne Schatten. Eine eigene Bibliographie der Ausgaben und Übersetzungen bezeugt die breite internationale Verbreitung des Buches: die Bibliotheca Schlemihliana von Philipp Rath (1919).

Seine Gedichte fanden Eingang in die Schullesebücher und in das Repertoire des bürgerlichen Lesepublikums. Gemeinsam mit Gustav Schwab gab er von 1833 bis zu seinem Tod den Deutschen Musenalmanach heraus, ein wichtiges Forum der Lyrik seiner Zeit. Thomas Mann widmete ihm 1911 einen Essay, der 1948 in den Band Adel des Geistes aufgenommen wurde. Auch Reinhold Schneider beschäftigte sich 1940 mit Chamissos Geschichtserfahrung. Seit dem späten 19. Jahrhundert belegt eine umfangreiche Forschungsliteratur das anhaltende Interesse an Werk und Leben. Dazu zählen Karl Fuldas Chamisso und seine Zeit (1881), Josef Nadlers Berliner Romantik (1921) und René Riegels zweibändige französische Monographie A. de Chamisso, sa vie et son œuvre (Paris 1934).

Wissenschaftsgeschichtlich gilt Chamisso laut der Deutschen Biographie für große Teile Amerikas, der Arktis und der Südsee als einer der bedeutendsten Floristen seiner Zeit. Grundlegende Wirkung hatte der von ihm gemeinsam mit Johann Friedrich Eschscholtz an den Salpen erkannte Generationswechsel. Auch seine Beobachtungen zur Entstehung der Korallenriffe erlangten Bedeutung. Seine ethnographischen Aufzeichnungen wurden später eigens untersucht, so in Heinrich Keims Bonner Dissertation Adelbert von Chamisso als Ethnograph der Südsee (1951). Seine Herbarien und Reisenotizen wurden bereits zu Lebzeiten von der Akademie der Wissenschaften in St. Petersburg angekauft. Die Reise um die Welt (1836), so heißt es, findet wieder zunehmend Beachtung.

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