1896 – 1957
Giuseppe Tomasi di Lampedusa
Kurzporträt↑
Sizilianischer Fürst und Schriftsteller, der erst in den letzten Jahren seines Lebens zur Feder griff. Mit einem einzigen Roman erlangte er Weltruhm. Giuseppe Tomasi di Lampedusa wurde 1896 in Palermo geboren und starb 1957 in Rom. Er entstammte einer der einflussreichsten Familien der sizilianischen Aristokratie. Sein Roman Der Leopard erschien erst nach seinem Tod und wurde zu einem Welterfolg. Die Veröffentlichung seiner Werke hat er selbst nicht mehr erlebt.
Biografie↑
Am 23. Dezember 1896 kam Giuseppe Tomasi di Lampedusa in der sizilianischen Stadt Palermo zur Welt. Sein vollständiger Name lautete Don Giuseppe Maria Fabrizio Salvatore Stefano Vittorio Tomasi, Principe di Lampedusa, Duca di Palma, Barone di Montechiaro, Barone di Torretta. Sein Vater war der Herzog Giulio Maria Tomasi di Lampedusa. Seine Mutter Beatrice, eine geborene Mastrogiovanni Tasca Filangeri di Cutò, stammte ebenfalls aus einem sizilianischen Fürstenhaus. Die Familie Tomasi di Lampedusa war um 1580 nach Sizilien gelangt und hatte dort durch Einheirat großen Grundbesitz erworben. Sie zählte zu den einflussreichsten Familien der sizilianischen Aristokratie. Zu Lebzeiten des Dichters musste sie jedoch viele ihrer Güter verkaufen.
Seine zwei Jahre ältere Schwester starb zwei Wochen nach seiner Geburt an Diphtherie. Die Kindheit verbrachte Giuseppe in Palermo, wo die Familie den Palazzo Tomasi di Lampedusa bewohnte. Die Sommermonate verbrachte er auf dem Landschloss Santa Margherita Bélice, in dem die Großmutter mütterlicherseits lebte. Daneben besaß die Familie eine Villa in Bagheria, einen Palazzo in Torretta, ein Landhaus in Reitano sowie den Palast und das alte Kastell in Palma di Montechiaro.
1914 machte er am Liceo Garibaldi in Palermo seinen Abschluss. Ein Jahr später schrieb er sich an der juristischen Fakultät der Universität Rom ein, wurde aber noch im selben Jahr zur Armee eingezogen. Im Ersten Weltkrieg diente Tomasi auf dem Balkan als Korporal der Artillerie. 1917 geriet er in Ungarn in Kriegsgefangenschaft. Nach einem ersten gescheiterten Versuch gelang ihm 1918 die Flucht und über Triest die Rückkehr nach Italien. In den folgenden Jahren ging er zunächst wieder nach Rom. Danach immatrikulierte er sich an der Universität Genua, ohne jedoch einen Abschluss zu machen. Er unternahm zahlreiche Auslandsreisen.
Sein Onkel Pietro Tomasi della Torretta war italienischer Botschafter in London. Bei einem Besuch dort lernte Giuseppe 1925 dessen Stieftochter kennen, die deutsch-baltische Psychoanalytikerin Alexandra von Wolff-Stomersee, genannt Licy. 1927 und noch einmal 1931 besuchte er sie auf ihrem Schloss Stomersee in Lettland. Am 24. August 1932 heirateten die beiden in Riga. Danach wohnten sie zunächst getrennt: sie in Stomersee, er gemeinsam mit seiner Mutter im Palazzo Lampedusa in Palermo. Nach dem Krieg und der Zerstörung des Anwesens zogen sie in ein kleineres Haus im Hafenquartier La Kalsa. Licy gilt als eine der ersten Frauen in der Geschichte der Psychoanalyse Italiens. Nach dem Krieg war sie einige Zeit Vorsitzende der Psychoanalytischen Gesellschaft Italiens. Sie starb 1982 in Palermo, fünfundzwanzig Jahre nach ihrem Mann.
1934 starb Tomasis Vater, und er erbte dessen Titel, darunter den des Fürsten von Lampedusa und Herzogs von Palma. Im Zweiten Weltkrieg wurde der Palazzo Tomasi di Lampedusa in Palermo durch Bombardierung zerstört. Tomasi zog in den kleineren Palazzo Lampedusa alla Marina. 1956 adoptierte er einen entfernten Verwandten, den angehenden Musikologen Gioacchino Lanza, der sein Erbe wurde. Erst in den letzten drei Jahren seines Lebens wurde Tomasi di Lampedusa als Schriftsteller tätig. Die Veröffentlichung seiner Werke erlebte er nicht mehr. Er starb im Juli 1957 in Rom im Alter von 60 Jahren an Lungenkrebs. Die Begräbnisfeier fand in der Basilica del Sacro Cuore di Gesù in Rom statt. Sein Grab lag bis 2024 auf dem Cimitero dei Cappuccini in Palermo.
Literarische Merkmale↑
Verhältnismäßig spät und in kurzer Zeit entstand das schmale Werk, auf dem Tomasis Ruhm beruht. Erste literaturkritische Texte veröffentlichte er bereits 1926 und 1927. Vom Herbst 1954 an schrieb er dann innerhalb weniger Monate den ersten Entwurf seines einzigen Romans Il Gattopardo. Für diesen fand er zu Lebzeiten keinen Verleger.
Neben dem Roman entstanden weitere Texte. Der Erzählband Die Sirene enthält neben der gleichnamigen Erzählung die Kurzerzählungen Aufstieg eines Pächters und Freude und moralisches Gesetz sowie die autobiografischen Aufzeichnungen Die Stätten meiner frühen Kindheit. Auch seine literaturkritischen Schriften wurden später veröffentlicht. Sie waren eigentlich zur privaten Unterrichtung seines jungen Freundes und späteren Literaturtheoretikers Francesco Orlando gedacht.
Rezeption↑
Nach Tomasis Tod erkannte der Schriftsteller Giorgio Bassani die Bedeutung des Romans. Er veröffentlichte ihn im November 1958 im Verlag Feltrinelli. Die Veröffentlichung erregte großes Aufsehen, und Der Leopard wurde ein Welterfolg. 1959 erhielt Tomasi di Lampedusa posthum den angesehenen italienischen Literaturpreis Premio Strega.
Zusätzliche Bekanntheit gewann der Stoff durch die Verfilmung. Der Film Der Leopard von Luchino Visconti wurde 1963 bei den Filmfestspielen von Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet. Berühmt wurde er auch wegen seiner Besetzung: Burt Lancaster spielte den Fürsten Salina, Claudia Cardinale die schöne Angelica und Alain Delon den Neffen des Fürsten, Tancredi.
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