1937 – 1969
John Kennedy Toole
Kurzbiografie↑
Eine literarische Karriere, die erst nach dem Tod begann: John Kennedy Toole (1937–1969) war ein amerikanischer Schriftsteller aus New Orleans, dessen Roman Die Verschwörung der Idioten zu seinen Lebzeiten von keinem Verlag angenommen wurde. Die wiederholten Absagen stürzten ihn in eine schwere Krise, und 1969 nahm er sich das Leben. Erst ein Jahrzehnt später, 1980, erschien das Buch – auf hartnäckiges Betreiben seiner Mutter. Der Roman wurde als Meisterwerk der Südstaatenliteratur gefeiert und erhielt posthum den Pulitzer-Preis.
Biografie↑
Geboren wurde John Kennedy Toole am 17. Dezember 1937 in New Orleans, Louisiana. Er studierte an der New Yorker Columbia University. Nach seinem Abschluss lehrte er Englisch an der University of Louisiana at Lafayette, später am Hunter College in New York.
Ein Doktoratsstudium an der Columbia University musste er 1961 unterbrechen, als er zum Militärdienst eingezogen wurde. Diesen absolvierte er in Puerto Rico, wo er spanischsprachigen Soldaten Englisch beibrachte. Nach dem Wehrdienst kehrte er nach Louisiana zurück. Seine Zeit verbrachte er nun meist im French Quarter von New Orleans, der von der französischen Kolonialzeit geprägten Altstadt.
Das Manuskript seines Romans A Confederacy of Dunces sandte Toole dem Verlagshaus Simon & Schuster. Dort zeigte man zunächst Interesse, lehnte das Buch dann aber ab. Auch andere Verleger waren nicht zur Veröffentlichung bereit. Toole selbst hielt seinen Roman für ein Meisterwerk. Die wiederholten Absagen stürzten ihn in Depressionen, und er begann zu trinken. Einige Biografen vermuten, dass auch Ratlosigkeit über seine sexuelle Orientierung zu seinem persönlichen Niedergang beitrug. 1969 nahm er sich das Leben, indem er die Abgase seines Autos mit einem Schlauch in den Innenraum leitete. Er starb in Biloxi, Mississippi.
Nach Tooles Tod versuchte seine Mutter jahrelang vergeblich, einen Verlag für das Buch zu finden. Schließlich drängte sie Walker Percy, das Manuskript zu lesen. Percy war überrascht von der hohen Qualität des Romans und fand 1980 einen Verlag. Das Werk erschien unter dem Titel A Confederacy of Dunces, auf Deutsch zunächst als Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten und später als Die Verschwörung der Idioten. 1989 wurde ein weiterer Roman veröffentlicht: The Neon Bible, den Toole im Alter von sechzehn Jahren vollendet, aber nie zur Veröffentlichung bestimmt hatte. Auf Deutsch erschien er als Die Neonbibel.
Literarische Merkmale↑
Bei A Confederacy of Dunces handelt es sich um einen Schelmenroman, der das Leben in New Orleans pointiert porträtiert. Im Mittelpunkt steht Ignatius J. Reilly, ein fauler und verfressener Intellektueller, der bei seiner verwitweten Mutter wohnt. Er verachtet die Moderne und arbeitet, eingeschlossen in seinem muffigen Zimmer, an einem umfangreichen Pamphlet gegen sie. Von Job zu Job gerät er aus einer grotesken Situation in die nächste und beschimpft dabei Gott und die Welt.
Der Roman trägt deutlich autobiografische Züge. Vor allem in den Nebenfiguren zeichnet Toole karikierend die Unterschicht und das Milieu des alten New Orleans. Immer wieder verweist die Figur Reilly auf Boethius' Schrift Vom Trost der Philosophie, deren Aufbau zugleich das Organisationsprinzip des Romans liefert. Der Titel geht auf ein Wort Jonathan Swifts zurück: „Wenn ein wahres Genie auf dieser Erde erscheint, wirst du es daran erkennen, daß sich die Idioten gegen es verschwören.“
Rezeption↑
Zu Lebzeiten fand Toole für sein Hauptwerk keinen Verlag – erst 1980, ein Jahrzehnt nach seinem Tod, erschien der Roman im Druck. Die Kritiker feierten ihn als Meisterwerk der Südstaatenliteratur. Toole wurde posthum der Pulitzer-Preis verliehen. Seither wurde das Buch in mindestens achtzehn Sprachen übersetzt und millionenfach verkauft.
Das Werk und Tooles tragisches Leben zogen ausführliche biografische Darstellungen nach sich, darunter Ignatius Rising von René Pol Nevils und Deborah George Hardy sowie Butterfly in the Typewriter von Cory MacLauchlin. Pläne für eine Verfilmung galten lange als schwer umsetzbar; Stephan Eicke widmete diesem Umstand eine eigene Studie mit dem Titel The Unfilmable Confederacy of Dunces.
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