1980
Die Verschwörung der Idioten
Überblick↑
Der Roman Die Verschwörung der Idioten stammt von dem Amerikaner John Kennedy Toole, der ihn 1963 im Alter von 26 Jahren schrieb. Zu Lebzeiten fand er dafür keinen Verlag. Erst 1980, elf Jahre nach Tooles Suizid, konnte das Buch bei der Louisiana State University Press erscheinen. Ein Jahr später erhielt es den Pulitzer-Preis für den Roman. Der Titel geht auf ein ironisches Zitat aus einem Essay von Jonathan Swift zurück: Ein wahres Genie erkenne man daran, dass sich alle Dummköpfe gegen es verschwören. Der Schauplatz ist New Orleans, und die Hauptfigur Ignatius J. Reilly zählt zu den eigenwilligsten Gestalten der amerikanischen Literatur.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Ignatius J. Reilly, ein dreißigjähriger, dicker und fauler Mann, der in New Orleans bei seiner verwitweten Mutter Irene lebt. Obwohl er ein Studium abgeschlossen hat, verbringt er seine Tage vor dem Fernseher, stopft sich mit Süßigkeiten voll, schimpft über das Programm und grübelt vor allem über seine Verdauungsbeschwerden. Seine Mutter terrorisiert er mit aufgeblasener Selbstinszenierung und Schimpftiraden gegen alles und jeden.
Ein Autounfall der Mutter zwingt den lebensuntüchtigen Sohn schließlich dazu, sich Arbeit zu suchen. Was er dabei anstellt, bringt ihn mit einer Reihe von Gestalten zusammen, die kaum weniger sonderbar sind als er selbst. Dazu gehört die politisch bewegte New Yorkerin Myrna Minkoff, die für besseren Sex für alle kämpft. Ignatius selbst hängt unterdessen abenteuerlichen politischen Plänen nach. Walker Percy, der die späte Veröffentlichung ermöglichte, beschrieb die Figur im Vorwort als einen verrückten Oliver Hardy, einen fetten Don Quijote und einen perversen Thomas von Aquin in einer Person.
Die Handlung im Detail↑
Ignatius J. Reilly ist dreißig Jahre alt, fett, faul und ganz und gar von sich eingenommen. Er wohnt in New Orleans bei seiner verwitweten Mutter Irene. Sein Studium hat er abgeschlossen, doch mit dem Erworbenen fängt er nichts an. Stattdessen sitzt er vor dem Fernseher, nörgelt unablässig über das Programm, isst Süßigkeiten und beschäftigt sich in Gedanken vor allem mit seiner Verdauung, besonders mit seinem Magenpförtner. Die Mutter leidet unter seinen großspurigen Auftritten und seinen Wutreden gegen die gesamte Welt.
Nach einem Autounfall der Mutter bleibt Ignatius nichts anderes übrig, als arbeiten zu gehen. Das erste Engagement führt ihn in die heruntergekommene Hosenfabrik „Hosen-Levy“, wo er Namensschilder basteln soll. Als überzeugter Anarchist wirft er zunächst die Firmenkorrespondenz weg. Danach stachelt er die überwiegend schwarzen Fabrikarbeiter zur Revolte an. Die Entlassung folgt.
Anschließend verdingt er sich als Hotdogverkäufer an einem fahrbaren Wurststand. Dort wird er selbst sein bester Kunde und hängt zugleich immer aberwitzigeren politischen Ambitionen nach. Auf seinen Wegen begegnet er Menschen, die fast ebenso eigenartig sind wie er. Eine von ihnen ist die politisch engagierte New Yorkerin Myrna Minkoff, die sich für besseren Sex für alle einsetzt.
Der Aufbau des Buches folgt dem Lieblingswerk der Hauptfigur: Der Trost der Philosophie des christlichen Märtyrers Boethius.
Stil↑
Als Schelmenroman erzählt Die Verschwörung der Idioten in lose gereihten Episoden von den Missgeschicken eines Helden, der überall aneckt. Toole verbindet Komik und Trauriges so eng miteinander, dass das Buch zugleich als Tragikomödie und als komischer Roman gilt. Der Ton ist der einer bösen Satire, die weder die Hauptfigur noch ihre Umgebung schont.
Die Sprache der Figuren, ihre Marotten und ihre Selbstgerechtigkeit tragen den Text. Ignatius J. Reilly redet in gelehrten Tiraden über Gott und die Welt, während sein tatsächliches Leben aus Fernsehen, Süßigkeiten und Klagen über den eigenen Bauch besteht. Aus diesem Abstand zwischen Anspruch und Wirklichkeit bezieht der Roman seine Wirkung. Die Gliederung lehnt sich an das Werk Der Trost der Philosophie von Boethius an, das der Held über alles schätzt.
Rezeption↑
Schon zu Lebzeiten des Autors gab es durchaus Interesse an dem Manuskript. Beim Verlag Simon & Schuster kam es jedoch zu keinem Abschluss, weil Toole die ständigen Änderungswünsche des Verlegers zermürbten. Nach seinem Tod setzte sich seine Mutter für das Buch ein. Sie gewann in dem Romancier Walker Percy einen einflussreichen Fürsprecher, und so erschien der Roman siebzehn Jahre nach seiner Entstehung. Percy steuerte das Vorwort bei. 1981 wurde das Buch mit dem Pulitzer-Preis für den Roman ausgezeichnet.
Auf Deutsch kam der Text zunächst 1982 unter dem Titel Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten in der Übersetzung von Peter Marginter bei Klett-Cotta heraus. 1988 folgte eine Taschenbuchausgabe bei dtv. 2011 legte Alex Capus eine gefeierte Neuübersetzung vor, die 2013 bei Klett-Cotta erschien.
Der Roman beschäftigt bis heute die Literaturwissenschaft, unter anderem in Aufsätzen zur Rhetorik des Humors und zum Grotesken bei Toole. Verschiedene Anläufe zu einer Verfilmung sind bislang gescheitert. Steven Soderbergh äußerte sich dahingehend, er glaube, ein Fluch liege über dem Buch. Im Spielfilm Sideways erwähnt eine der Hauptfiguren den Roman gegenüber einem gescheiterten Schriftsteller.
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