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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Der Leopard
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Cover Der Leopard
Der Leopard
1958
– Werkseintrag –

Der Leopard

1958 · Roman

Ein sizilianischer Fürst erlebt, wie im Umbruch des jungen Italien die Welt seines Adels vergeht, während sein Neffe um die Tochter eines neureichen Bürgermeisters wirbt.

Überblick↑

Als einziger Roman des italienischen Schriftstellers und Adeligen Giuseppe Tomasi di Lampedusa gilt Der Leopard heute als moderner Klassiker der italienischen Literatur. Lampedusa (1896–1957) erzählt darin den allmählichen Machtverlust einer sizilianischen Adelsfamilie in der Zeit des Risorgimento, der italienischen Einigung. Er stützte sich dabei auf die Geschichte seiner eigenen Familie. Der Roman erschien erst nach seinem Tod, im Jahr 1958 bei Feltrinelli in Mailand, und wurde rasch zu einem Verkaufserfolg. Der italienische Originaltitel lautet Il Gattopardo.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

In acht Teilen schildert der Roman Episoden aus dem Leben des sizilianischen Fürstenhauses Salina. Der erste Teil setzt im Mai 1860 ein, als Garibaldis Feldzug die alte Ordnung erschüttert und das Bürgertum aufzusteigen beginnt. Im Mittelpunkt steht Don Fabrizio, das Oberhaupt der Familie, der mit wachem Blick verfolgt, wie seine Welt und die seines Standes ins Wanken geraten.

Die ersten Kapitel malen den Alltag im fürstlichen Haushalt zwischen 1860 und 1862 in einzelnen Szenen aus: eine Fahrt ins nächtliche Palermo, ein Tag auf der Jagd in den Bergen, die Ablieferung der Pacht, ein festliches Abendessen, der Besuch eines Abgesandten der neuen Machthaber, ein rauschender Ball. Der Haushalt zieht vom Stadtpalast in das ländliche Sommerschloss Donnafugata im Süden der Insel.

Dort verliebt sich Tancredi, der Neffe des Fürsten, der sich an Garibaldis Feldzug beteiligt hatte, in die schöne Angelica. Sie ist die Tochter des Provinz-Bürgermeisters Calogero Sedàra, eines ebenso gewieften wie rücksichtslosen, neureichen, aber unkultivierten Mannes. Diese Liebesgeschichte zwischen altem Adel und neuem Geld rückt ins Zentrum des Romans.

Die Handlung im Detail↑

Der Roman spannt seinen Bogen von Mai 1860 bis Mai 1910 und erzählt in acht Teilen den Niedergang des Hauses Salina. Vor dem Hintergrund der politischen Umwälzungen – dem Siegeszug Garibaldis 1860 und dem sozialen Aufstieg des Bürgertums – zeigen die ersten Kapitel den Alltag der Familie zwischen 1860 und 1862. Don Fabrizio, der Fürst, lehnt das ihm angetragene Senatorenamt ab; er weiß, dass seine Klasse keine Zukunft mehr hat.

Im Sommerschloss Donnafugata entspinnt sich die Liebe zwischen dem Neffen Tancredi und Angelica, der Tochter des neureichen Bürgermeisters Sedàra. Diese Beziehung steht im Zentrum des Buches. Einerseits schwelgt der Roman in sinnlichen, hymnischen Bildern: das Paar beim Festmahl in großer Runde, die endlosen Streifzüge durch den riesigen Palast mit seinen Geheimnissen. Andererseits steht die Verbindung von Anfang an unter einem unglücklichen Stern, denn Angelica strebt nach sozialem Aufstieg und Tancredi ist an ihrem Reichtum interessiert. Später heißt es rückblickend: „Dies waren die besten Tage im Leben Tancredis und Angelicas … das Vorspiel zu ihrer späteren Ehe, die ihnen, auch erotisch, nie recht gelingen sollte.“

Das siebte Kapitel, datiert auf Juli 1883, schildert den Tod Don Fabrizios aus der Binnensicht des Sterbenden. Als Leitbild dient die Metapher des Verströmens, des ständigen Verlusts von Teilen der Persönlichkeit – zunächst im Bild einer Sanduhr, dann in dem eines immer größer werdenden Wasserfalls, dessen inneres Tosen immer lauter wird, bis das Meer endlich „völlig zur Ruhe“ kommt.

Das letzte Kapitel spielt im Mai 1910. Angelica ist längst Witwe, die romantisch begonnene Ehe ist zu Ende. Die drei unverheirateten und im Alter fromm gewordenen Schwestern des Hauses Salina müssen erleben, wie ihnen der Stolz ihrer Frömmigkeit genommen wird: Nach einer strengen Prüfung durch die bischöfliche Kurie lässt der Kardinal-Erzbischof von Palermo ihre private Hauskapelle von einem Haufen falscher Reliquien säubern. Concetta, eine der Schwestern, hat ihr Leben lang dem vor fünfzig Jahren an Angelica verlorenen Tancredi nachgetrauert. Als Siebzigjährige erfährt sie von einem Freund Tancredis, dass sie den einst vergeblich Geliebten vielleicht doch hätte gewinnen können, ihn aber durch eigene Schuld verlor. Verbittert räumt sie die letzte Erinnerung an bessere Tage aus ihrem Zimmer.

Stil↑

Auf acht Teile verteilt Lampedusa keine durchlaufende Geschichte, sondern eine Folge einzelner Szenen und Episoden, die einen Zeitraum von fünfzig Jahren umspannen. Der Blick ruht dabei oft in der Innensicht der Figuren, allen voran Don Fabrizios. Die Sprache wechselt zwischen hymnischem, sinnlichem Schwelgen – etwa in den Bildern des Liebespaares – und einer nüchternen, oft ironischen Distanz gegenüber dem Untergang einer ganzen Gesellschaftsschicht.

Besonders kunstvoll ist das Kapitel vom Tod des Fürsten gebaut. Es folgt ganz dem inneren Erleben des Sterbenden und arbeitet mit einer durchgehenden Metapher: dem Verströmen, dem stetigen Verrinnen des Lebens, das erst als Sanduhr, dann als anschwellender Wasserfall und schließlich als tosendes Meer erscheint, bis alles zur Ruhe kommt.

Rezeption↑

Erst nach dem Tod des Autors kam der Roman im Jahr 1958 bei Feltrinelli in Mailand heraus. Lampedusa selbst hat den Erfolg seines Werkes nicht mehr erlebt. Das Buch wurde rasch zu einem Verkaufserfolg und zählt heute zu den bekanntesten Werken der modernen italienischen Literatur.

Große Bekanntheit erlangte auch die Verfilmung durch Luchino Visconti aus dem Jahr 1963. Der Stoff wurde später erneut aufgegriffen, unter anderem in einer mehrteiligen Fernsehfassung, und blieb so über Jahrzehnte im öffentlichen Bewusstsein.

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