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Porträt Mary Shelley
Mary Shelley
1797 – 1851
– Autorenporträt –

Mary Shelley

1797 – 1851 · 53 Jahre

Englische Schriftstellerin der Romantik – Schöpferin des „Frankenstein“ (1818) und Herausgeberin des Werks ihres früh ertrunkenen Mannes Percy Bysshe Shelley.

Kurzbiografie↑

Mary Shelley, geborene Mary Godwin, war eine englische Schriftstellerin des frühen 19. Jahrhunderts. Mit ihrem Roman Frankenstein oder Der moderne Prometheus (1818) ging sie in die Weltliteratur ein. Das Werk gehört zur Romantik und zur phantastischen Literatur. Es wird bis heute gelesen und immer wieder für Bühne und Film bearbeitet. Ihr Gesamtwerk umfasst daneben weitere Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Essays, Gedichte, Biografien und Reisebeschreibungen. Sie war die Tochter des Sozialphilosophen William Godwin und der Frauenrechtlerin Mary Wollstonecraft. Zugleich war sie die Ehefrau des Dichters Percy Bysshe Shelley, dessen Werk sie nach seinem frühen Tod 1822 herausgab.


Biografie↑

Geboren wurde Mary Godwin am 30. August 1797 in London. Genauer war es der Stadtteil Somers Town, wie Wikidata angibt; die Deutsche Biographie nennt nur London. Ihre Mutter, die Schriftstellerin Mary Wollstonecraft, starb elf Tage nach der Geburt am Kindbettfieber. Mary wuchs gemeinsam mit ihrer älteren Halbschwester Fanny Imlay bei ihrem Vater William Godwin auf. Der heiratete 1801 in zweiter Ehe Mary Jane Clairmont. Mit der Stiefmutter kam Mary zeitlebens nicht zurecht.

Eine formale Schulbildung erhielt sie kaum. Länger als ein paar Monate war sie nur 1811 auf einem Mädchenpensionat in Ramsgate. Dafür hatte sie freien Zugang zur umfangreichen Bibliothek ihres Vaters. Auch verkehrte sie ständig mit den Dichtern, Philosophen und Politikern, die im Hause Godwin ein und aus gingen. 1812 und 1813 verbrachte sie längere Zeit bei der Familie Baxter in der Nähe von Dundee in Schottland. Den Aufenthalt in der offenen Landschaft beschrieb sie später als prägend für ihre Phantasie.

1814 begann die Sechzehnjährige eine Liebesbeziehung mit dem verheirateten Dichter Percy Bysshe Shelley, der ihren Vater verehrte. Am 28. Juli 1814 brannte sie mit ihm und ihrer Stiefschwester Claire Clairmont nach Frankreich durch. Geldmangel zwang die drei, ihre Reise in die Schweiz im September abzubrechen. Zurück in England weigerte sich William Godwin lange, seine Tochter überhaupt zu sehen. Im Februar 1815 brachte Mary eine Tochter zur Welt, die nach wenigen Tagen starb. Im Januar 1816 folgte ein Sohn namens William.

Im Sommer 1816 reiste das Paar mit Claire Clairmont an den Genfersee. Dort trafen sie auf Lord Byron und dessen Leibarzt John Polidori. Es war das berüchtigte „Jahr ohne Sommer“ nach dem Ausbruch des Tambora; verregnete Tage zwangen die Gruppe ins Haus. Byron schlug vor, jeder solle eine Schauergeschichte schreiben. So entstand der Plan zu Frankenstein. Nach der Rückkehr nach England nahm sich am 9. Oktober Fanny Imlay das Leben. Am 10. Dezember ertränkte sich Percy Shelleys erste Ehefrau Harriet hochschwanger im Hyde Park. Am 30. Dezember 1816 heirateten Mary Godwin und Percy Shelley. Am 1. Januar 1818 erschien Frankenstein anonym, mit einem Vorwort Percy Shelleys und einer Widmung an William Godwin. Viele Leser hielten daher Percy für den Verfasser.

Im März 1818 verließ die Familie England endgültig in Richtung Italien. Die Jahre dort waren von kreativem Schaffen, aber auch von schweren Verlusten geprägt. Im September 1818 starb die kleine Clara in Venedig, im Juni 1819 in Rom der dreieinhalbjährige William. Mary fiel in eine schwere Depression. Erst die Geburt ihres vierten Kindes Percy Florence im November 1819 half ihr heraus. In Italien entstanden die Novelle Matilda, der historische Roman Valperga und die Theaterstücke Proserpine und Midas. Am 8. Juli 1822 ertrank Percy Shelley vor der ligurischen Küste bei einer Bootsfahrt.

1823 kehrte Mary Shelley mit ihrem einzigen überlebenden Sohn nach England zurück und beschloss, von ihrer Schriftstellerei zu leben. Sir Timothy Shelley, ihr Schwiegervater, gewährte ihr eine kleine Jahresrente. Er knüpfte sie aber an die Bedingung, dass sie weder eine Biografie ihres Mannes noch weitere Gedichtbände von ihm herausgebe. Zwischen 1826 und 1844 entstanden die Romane Verney, der letzte Mensch (1826), Perkin Warbeck (1830), Lodore (1835) und Falkner (1837). Dazu kamen fünf Bände für Dionysius Lardners Cabinet Cyclopaedia, zahlreiche Erzählungen für Almanache und Frauenmagazine und 1844 der Reisebericht Rambles in Germany and Italy. 1839 gelang ihr über den Verleger Edward Moxon die Herausgabe von Percy Shelleys gesammelten Werken. Die ausführlichen biografischen Anmerkungen darin umgingen das Verbot ihres Schwiegervaters, eine eigentliche Biografie zu publizieren.

Ihre letzten Lebensjahre waren von Krankheit gezeichnet, mit Kopfschmerzen und teilweise Lähmungen ab 1839. Am 1. Februar 1851 starb sie im Alter von 53 Jahren, vermutlich an einem Hirntumor. Wikipedia gibt London als Sterbeort an, die Deutsche Biographie nennt Bournemouth. Begraben wurde Mary Shelley auf dem Friedhof von St Peter's in Bournemouth, in der Nähe des Wohnorts ihres Sohnes. Ihre Schwiegertochter Jane ließ dafür eigens auch die sterblichen Überreste von Mary Wollstonecraft und William Godwin aus St Pancras dorthin überführen. So liegt Mary Shelley wie gewünscht zwischen ihren Eltern.


Literarische Merkmale↑

Mary Shelleys Werk umfasst viele Gattungen: Romane, Kurzgeschichten, Theaterstücke, Essays, Gedichte, Rezensionen, Biografien und Reiseerzählungen. Ihr Hauptwerk Frankenstein zählt zur romantischen und phantastischen Literatur. Zugleich ist es ein frühes Beispiel des Schauerromans (gothic novel), jener Gattung, die Lord Byron in der Runde am Genfersee als Spielvorgabe ausgegeben hatte. In den Stoff floss naturwissenschaftliches Denken ihrer Zeit ein: die Belebungsversuche Erasmus Darwins, die Galvanik, die Frage, ob sich künstlich Leben erzeugen lasse.

Ihre weiteren Romane bewegen sich zwischen historischer Erzählung (Valperga, Perkin Warbeck), apokalyptischer Vision (Verney, der letzte Mensch) und gesellschaftlicher Studie (Lodore, Falkner). Mehrere Werke greifen eigene Erfahrungen auf. Die heimlichen Treffen mit Percy Bysshe Shelley vor ihrer gemeinsamen Flucht etwa verarbeitete sie zwei Jahrzehnte später in Lodore. Als Herausgeberin der Gedichte ihres Mannes fügte sie ausführliche biografische Erläuterungen bei. So fand sie einen Weg, das Leben Percy Bysshe Shelleys zu erzählen, ohne die ihr verbotene Biografie zu schreiben.


Rezeption↑

Sir Walter Scott lobte Frankenstein bei seinem Erscheinen 1818. Ein Verkaufserfolg wurde der Roman zunächst aber nicht. Viele Leser hielten Percy Bysshe Shelley, der das Vorwort beigesteuert hatte, für den Verfasser. Erst später setzte sich das Werk durch. Heute, mehr als zweihundert Jahre nach der Erstveröffentlichung, gehört es zum festen Bestand der Weltliteratur; vielfach wurde es für Bühne und Film bearbeitet.

Mary Shelleys übrige Arbeiten standen lange in seinem Schatten. Bis in die 1970er Jahre wurde sie vor allem als Verwalterin des literarischen Nachlasses ihres Mannes und als Verfasserin des Frankenstein wahrgenommen. Erst ab der Mitte des 20. Jahrhunderts fanden ihre weiteren Romane, Erzählungen und Reiseberichte wieder Beachtung und erschienen in Neuausgaben. Parallel wuchs die Zahl wissenschaftlicher und populärer Biografien. Seit den 1970er Jahren ist die Literaturwissenschaft zu einer umfassenderen Wertung ihres vielseitigen Werks gelangt. Sie würdigt auch die späten Romane wie Lodore und Falkner sowie die Erzählungen und die biografischen Aufsätze.

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