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Porträt Ezra Pound
Ezra Pound
1885 – 1972
– Autorenporträt –

Ezra Pound

1885 – 1972 · 87 Jahre

Amerikanischer Dichter und Wegbereiter der literarischen Moderne, dessen Hauptwerk „The Cantos" ebenso gefeiert wurde, wie sein Eintreten für den Faschismus und sein Antisemitismus ihn zur umstrittenen Gestalt machten.

Kurzporträt

Der amerikanische Dichter Ezra Pound (1885–1972) war einer der herausragenden Vertreter der literarischen Moderne. Er prägte die englischsprachige Lyrik des frühen 20. Jahrhunderts entscheidend mit. Vor 1914 begründete er mit dem Imagismus und dem Vortizismus literarische Bewegungen. Sein lebenslanges Hauptwerk ist der Gedichtzyklus The Cantos. Untrennbar mit seinem Werk verbunden ist jedoch seine Unterstützung des italienischen Faschismus während seines Italien-Aufenthalts von 1924 bis 1945. Diese machte ihn zu einer hochumstrittenen Gestalt.


Biografie

Ezra Weston Loomis Pound wurde am 30. Oktober 1885 in Hailey im US-Bundesstaat Idaho geboren. Er war das einzige Kind von Homer Loomis Pound und Isabel, geborene Weston. Sein Großvater war der amerikanische Politiker Thaddeus C. Pound. Von 1900 bis 1905 studierte er vergleichende Literaturwissenschaft und Romanistik an der University of Pennsylvania und am Hamilton College im Staat New York. In dieser Zeit schloss er Freundschaft mit den Dichtern William Carlos Williams und Hilda Doolittle (bekannt als H. D.). Mit Williams war er lange befreundet, obwohl beide häufig gegensätzlicher Auffassung waren. Pound stilisierte sich als klassisch gebildeter Literat, während Williams sich in seiner Autobiografie als ungebildeter Amerikaner gab.

Im Jahr 1908 siedelte Pound nach Europa über und lebte zunächst in Venedig. Schon während des Studiums und auch danach beschäftigte er sich intensiv mit der provenzalischen Literatur. Er schuf eine Reihe von Übersetzungen und Nachdichtungen. Von 1909 bis 1920 lebte er mit Unterbrechungen in London. Dort verkehrte er mit bedeutenden englischsprachigen Literaten seiner Zeit, unter anderem mit James Joyce, Ford Madox Ford und Wyndham Lewis. In London gehörte er den Imagisten an. Diese Bewegung experimentierte mit verknappter lyrischer Sprache und war von fernöstlicher Literatur wie den japanischen Haikus beeinflusst. Seine Arbeiten erschienen in deren Sprachrohr, der Zeitschrift The Egoist. Aus der Begegnung mit dem Bildhauer Henri Gaudier-Brzeska ging der am italienischen Futurismus orientierte Vortizismus hervor. Dessen Zeitschrift BLAST erlebte allerdings nur zwei Ausgaben.

Während des Ersten Weltkriegs arbeitete Pound als Privatsekretär seines Vorbildes William Butler Yeats in Irland. 1914 heiratete er die Künstlerin Dorothy Shakespear. In dieser Zeit gab er aus dem Nachlass des Ostasienkenners Ernest Fenollosa dessen Text zum japanischen Nō-Theater heraus. Er beschäftigte sich auch mit ostasiatischer Lyrik. 1915 begann er sein Hauptwerk, die Cantos („Gesänge"), an denen er bis zu seinem Tod arbeitete. Von 1920 bis 1924 lebte er in Paris. Dort lernte er die Geigerin Olga Rudge kennen, mit der er und seine Ehefrau bis zu seinem Tod in einer Dreiecksbeziehung lebten. 1922 redigierte er T. S. Eliots Gedicht Das wüste Land.

Im Jahr 1924 ließ sich Pound im italienischen Rapallo nieder und wurde bald zum Fürsprecher Mussolinis. In den 1930er-Jahren wurde er in die American Academy of Arts and Letters gewählt, nannte die Institution aber selbst einen Witz. Auch nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs blieb er in Italien. Über Radio Rom, publizistisch und in seinen Dichtungen verbreitete er antiamerikanische, rassistische und antisemitische Propaganda. Er machte „den Juden" und den internationalen wie amerikanischen Kapitalismus für die Herrschaft des Wuchers, lateinisch usura, sowie für den Zweiten Weltkrieg verantwortlich. Seine Wutreden standen im Gegensatz zu Thomas Manns zeitgleichen antifaschistischen Radiosendungen gegen Hitler-Deutschland. 1943 sollte er auf Einladung des NS-Propagandaministers Joseph Goebbels die Massengräber bei Katyn besichtigen. Er wurde aber von der Teilnehmerliste gestrichen, weil er als unberechenbar galt.

Nach dem Einmarsch amerikanischer Truppen wurde Pound 1945 festgenommen. Berichtet wird, dass er sich selbst stellte. Einige Zeit war er in Pisa in einem eigens angefertigten Käfig inhaftiert. In dieser Zeit entstand einer der berühmtesten Teile der Cantos, die „Pisaner Cantos". Für sie erhielt er den Bollingen Prize (verliehen 1948/49). Wegen Landesverrats angeklagt, entging er einer Verurteilung und möglichen Todesstrafe nur, weil ihn ein Gutachter für geisteskrank erklärte. Die nächsten gut zwölf Jahre verbrachte er im St.-Elizabeth's-Krankenhaus in Washington, D.C. 1958 wurde er auf Betreiben von Freunden freigelassen, darunter Ernest Hemingway. Er kehrte zu seiner Tochter Mary de Rachewiltz nach Italien zurück. Dort lebte er weitgehend zurückgezogen auf der Brunnenburg oberhalb von Meran in Südtirol und in Venedig. Zuletzt weigerte er sich, überhaupt noch zu sprechen. Vom Faschismus distanzierte er sich auch nach 1945 nicht. Er starb am 1. November 1972 in Venedig. Sein Grab liegt auf der Friedhofsinsel San Michele.


Literarische Merkmale

Pounds Frühwerk ist von der Beschäftigung mit den englischen Präraffaeliten und mit mittelalterlicher Literatur geprägt, insbesondere den provenzalischen Troubadouren und Dante. Aus dieser Auseinandersetzung erwuchs sein „Personae"-Verfahren. Ausgehend von Robert Brownings dramatischen Monologen und von William Butler Yeats schrieb Pound Gedichte, in denen das lyrische Ich eine berühmte Dichterpersönlichkeit ist – etwa der Troubadour Bertran de Born. Diese Persönlichkeit nutzte er als Alter Ego, als Maske. Es ging ihm dabei weniger um eine authentische Nachdichtung als um eine Erneuerung der dichterischen Vision dahinter.

Eine Wende brachte die Faszination für die ostasiatische Dichtung. Auslöser waren die Notizen des Asienforschers Ernest Fenollosa mit Gedichten aus China und Japan, die Pound 1913/14 erbte. Er übersetzte chinesische Gedichte und suchte eine englische Entsprechung für das japanische Haiku. Eines seiner bekanntesten Gedichte, In a Station of the Metro, ist ein solches Kurzgedicht. Seine „Übersetzungen" zielten nicht auf eine möglichst genaue Wiedergabe des Inhalts. Sie wollten vielmehr die poetischen Qualitäten eines Textes in einer anderen Sprache erneuern. Eines der bekanntesten Beispiele dieser Herangehensweise war seine umstrittene Übertragung des altenglischen Gedichtes The Seafarer. In diesen Zusammenhang gehört auch Dem Sextus Propertius zur Huldigung von 1919.

Mit der von ihm herausgegebenen Anthologie Des Imagistes (1914) begründete Pound die anglo-amerikanische Bewegung des Imagismus. Diese betonte die zentrale Bedeutung eines kraftvollen, präzisen Bildes für das Gedicht. Sowohl der Imagismus als auch der spätere Vortizismus waren von der Auseinandersetzung mit dem italienischen Futurismus F. T. Marinettis geprägt. Einen weiteren Wendepunkt bildete der Erste Weltkrieg, dessen sinnloses Schlachten ihn an Europas Zukunft zweifeln ließ. Frucht dieser Krise wurde sein Langgedicht Hugh Selwyn Mauberley. Darin belegte er erstmals das Zinssystem mit dem Begriff Usura und lehnte es ab. Dabei griff er antisemitische Stereotype auf und identifizierte „die Juden" als vermeintliche Urheber dieser Herrschaft. Für sein Hauptwerk, die Cantos, war zunächst Dantes Göttliche Komödie das Vorbild. In späteren Jahrzehnten integrierte er eine enzyklopädische Fülle von Motiven, oft okkulter oder mystischer Natur.


Rezeption

In den USA werden die Cantos zu den wichtigsten Dichtungen des 20. Jahrhunderts gezählt. Pound war Vorbild zahlreicher junger Dichter. Als Förderer von T. S. Eliot und James Joyce wirkte er weit über sein eigenes Werk hinaus. Zugleich blieb er über viele Jahre stark umstritten und ist es zum Teil bis heute. Seine Parteinahme für den Faschismus, sein Landesverrat und vor allem sein Antisemitismus machten ihn in vielen literarischen und publizistischen Kreisen zur „persona non grata". Besonders deutlich zeigte sich dieser Konflikt in der Kontroverse um die Verleihung des Bollingen Prize von 1949 für die „Pisaner Cantos".

Trotz aller Widerstände fand sein Werk auch späte Bewunderer. 1967 wirkte Pier Paolo Pasolini maßgeblich an dem von der RAI produzierten Dokumentarfilm Un'ora con Ezra Pound mit. In diesem Film drückte der kommunistische Regisseur seine Bewunderung aus und las Pounds Gedichte in italienischer Übersetzung. Insgesamt wurde Ezra Pound zehnmal für den Literaturnobelpreis nominiert.

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