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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Jean Paul
Jean Paul
1763 – 1825
– Autorenporträt –

Jean Paul

1763 – 1825 · 62 Jahre

Erzähler zwischen Klassik und Romantik, um 1800 als "Lieblingsdichter der Deutschen" gefeiert.

Kurzbiografie↑

Jean Paul, eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, war ein deutscher Schriftsteller und Dichter. Sein Werk steht literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik. Geboren wurde er 1763 in Wunsiedel im Fichtelgebirge, gestorben ist er 1825 in Bayreuth. Er gehörte zu den meistgelesenen Erzählern seiner Zeit. Den französisch klingenden Namen wählte er aus Bewunderung für Jean-Jacques Rousseau. Mit dem Roman Hesperus gelang ihm 1795 der größte literarische Erfolg seit Goethes Werther. Um 1800 wurde er von einem breiten Publikum als "Lieblingsdichter der Deutschen" gefeiert. Den Weimarer Klassikern Goethe und Schiller blieb er dabei stets fremd.


Biografie↑

Johann Paul Friedrich Richter kam 1763 in Wunsiedel zur Welt. Sein Vater war der Lehrer und Organist Johann Christian Christoph Richter, seine Mutter Sophia Rosina, geborene Kuhn. Die Mutter stammte aus einer Tuchmacherfamilie in Hof an der Saale. 1765 wurde der Vater Pastor im hoflandschaftlichen Joditz. 1776 erhielt er eine bessere Pfarrstelle in Schwarzenbach an der Saale. Die Atmosphäre des protestantischen Landpfarrhauses prägte Jean Pauls Kindheit. Mit den Ideen der Aufklärung machte ihn nicht so sehr der konservative Vater bekannt. Dazu trugen vielmehr ein verehrter Lehrer und der Pfarrer des Nachbarortes Rehau, Erhard Friedrich Vogel, bei. Schon mit fünfzehn Jahren hatte sich der Junge autodidaktisch ein umfangreiches Bücherwissen angeeignet. Dieses Wissen sammelte er in Exzerptheften.

1779 wechselte er an das Gymnasium Albertinum in Hof. Dort schloss er Freundschaft mit Johann Bernhard Hermann. Dieser sollte später zum Vorbild vieler seiner Romanfiguren werden, etwa des Leibgebers im Siebenkäs. Wenige Monate später starb sein Vater, und die Familie geriet in schwere materielle Not. Im Mai 1781 immatrikulierte sich Jean Paul an der Universität Leipzig für Theologie. Das Studium betrieb er aber lustlos und begann stattdessen, sich als Schriftsteller zu verstehen. Er schrieb Satiren im Stil Jonathan Swifts und Christian Ludwig Liscows. Diese erschienen 1783 gesammelt als Grönländische Prozesse. Weitere Erfolge blieben aus. 1784 musste er vor seinen Gläubigern aus Leipzig fliehen und kehrte als gescheiterte Existenz zu seiner Mutter nach Hof zurück. Die Stadt taucht im späteren Siebenkäs als "Kuhschnappel" verspottet wieder auf.

Die Jahre nach der Rückkehr waren von Armut und Verlusten überschattet. 1786 starb der Freund Johann Adam Lorenz von Oerthel, 1789 beging sein Bruder Heinrich Suizid, 1790 starb der enge Jugendfreund Johann Bernhard Hermann. Von 1787 bis 1789 arbeitete Jean Paul als Hofmeister auf dem Rittergut der Familie Oerthel in Töpen. Die andauernde Krise hatte auch seelische Folgen und gipfelte in der Todesvision vom 15. November 1790. Aus dieser Auseinandersetzung mit Tod und Atheismus entstand der Aufsatz Des toten Shakespeares Klage. Diesen arbeitete er später im Siebenkäs zur berühmten Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei um.

Der literarische Durchbruch kam 1793 mit dem Roman Die unsichtbare Loge. Jean Paul hatte das Manuskript an Karl Philipp Moritz geschickt. Dieser soll begeistert ausgerufen haben: "Ach nein, das ist noch über Goethe, das ist was ganz Neues!" In diesem Buch verwendete er erstmals das Pseudonym Jean Paul; zuvor hatte er als J. P. F. Hasus geschrieben. Der Roman blieb Fragment, weil er sich schon dem nächsten Werk zuwandte. Hesperus oder 45 Hundposttage erschien 1795 und machte ihn schlagartig berühmt. Herder, Wieland und Gleim äußerten sich enthusiastisch. Goethe und Schiller dagegen fanden an dem Buch keinen Gefallen.

1796 besuchte Jean Paul auf Einladung Charlotte von Kalbs zum ersten Mal Weimar. Im literarischen Zentrum der Zeit wurde er respektvoll, aber kühl aufgenommen. Es folgten Siebenkäs (1796/97), Das Leben des Quintus Fixlein (1796), Der Jubelsenior (1797) und Das Kampaner Tal (1797). 1798 zog er selbst nach Weimar. Die erotischen Verwicklungen häuften sich. Eine Verlobung mit der Hildburghauser Hofdame Karoline von Feuchtersleben löste er nach langem Hin und Her wieder, auch Charlotte von Kalb umging er. 1800 lernte er in Berlin Karoline Mayer kennen, die Tochter eines Geheimen Obertribunalsrats, und heiratete sie ein Jahr später. Im selben Jahr lernte er die preußische Königin Luise kennen, die zu seinen begeisterten Leserinnen zählte. Im Oktober 1800 siedelte er ganz nach Berlin über. Dort pflegte er Umgang mit den Brüdern Schlegel, Tieck, Schleiermacher und Fichte.

Mit den nächsten großen Romanen Titan (1800–1803) und Flegeljahre (1804/1805) konnte er den früheren Enthusiasmus der Leser nicht mehr wecken. Heute gelten diese Bücher als seine wichtigsten. 1804 zog er nach Stationen in Meiningen und Coburg nach Bayreuth, wo er bis zu seinem Tod blieb. Drei Kinder kamen zur Welt: Emma (1802), Max (1803) und in Bayreuth Odilie (1804). In Bayreuth lebte Jean Paul zurückgezogen, unterbrochen nur von Reisen. So besuchte er in Bamberg E. T. A. Hoffmann und reiste nach Heidelberg, wo ihm 1817 auf Vorschlag Hegels nach einem Punschgelage der Ehrendoktortitel verliehen wurde. Seine politischen Stellungnahmen fanden besonders bei patriotisch gesinnten Studenten Widerhall. Er wurde zu einer Leitfigur der deutschen Burschenschaften. Bei Besuchen in Heidelberg und Stuttgart 1819 wurde er zum "Lieblingsdichter der Deutschen" erhoben. Zu seinen engsten Vertrauten in Bayreuth gehörten der jüdische Kaufmann Emanuel Samuel und der Fabrikant Georg Christian Otto, ein Schulfreund.

Spätere Werke wie Levana oder Erziehlehre (1807) und Dr. Katzenbergers Badereise (1809) erreichten nicht mehr die Wirkung des Hesperus. 1813 begann er den letzten großen Roman Der Komet. Doch der Tod seines Sohnes Max im Jahr 1821 traf ihn so schwer, dass er das Buch aufgab; es blieb Fragment. 1820 ernannte ihn die Bayerische Akademie der Wissenschaften zu ihrem auswärtigen Mitglied. 1823 erkrankte Jean Paul am grauen Star und erblindete allmählich. 1825 kam eine Brustwassersucht hinzu, an der er am 14. November in Bayreuth starb. Er wurde im Grab seines Sohnes Max auf dem Stadtfriedhof beigesetzt.


Literarische Merkmale↑

Jean Paul schöpfte seine Schreibweise früh aus französischen und englischen Vorbildern. Während seiner Leipziger Jahre las er Helvétius, Rousseau, Voltaire, Pope, Swift, Young und Sterne. Daraus entwickelte er, wie die Deutsche Biographie hervorhebt, das Stilprinzip des "Witzes". Diese Schreibweise sucht das Absonderliche, Entlegene und Lächerliche auf und verbindet es nach Willkür und momentaner Gemütsverfassung miteinander. Hinzu kam die "Laune" als verwandte Geistesbeschaffenheit. Diese auktoriale, durch Witz und Laune geprägte Manier bestimmt schon die frühen Satiren Grönländische Prozesse (1783) und die Auswahl aus des Teufels Papieren (1789).

Sein Werk steht literaturgeschichtlich zwischen Klassik und Romantik und lässt sich keiner der beiden Richtungen ganz zuordnen. Charakteristisch sind die gegensätzlichen Figurenpaare, die er aus eigener Erfahrung speiste. Laut der Deutschen Biographie spiegelten die Schulfreunde Oerthel, Hermann und Otto drei Seiten seines eigenen Wesens: die empfindsame Neigung, den sarkastisch-skeptischen Antipoden und die ruhige bürgerliche Verlässlichkeit. Diese Doppelung kehrt im Brüderpaar Walt und Vult der Flegeljahre wieder. Ebenso zeigt sie sich in der Figur des Leibgebers im Siebenkäs, für die der Freund Johann Bernhard Hermann das Vorbild abgab.

Wiederkehrendes Thema seiner Prosa ist die Auseinandersetzung mit Tod und Glaubensverlust. Die Todesvision vom November 1790 schlug sich in dem Aufsatz Des toten Shakespeares Klage nieder. Dieser ging später als Rede des toten Christus vom Weltgebäude herab, daß kein Gott sei in den Siebenkäs ein. Daneben pflegte Jean Paul die Idylle des bürgerlichen und ländlichen Lebens, wie sie ihn in der Kindheit im Pfarrhaus geprägt hatte. In seiner unvollendeten Selberlebensbeschreibung hat er diese Kindheit verklärend geschildert. Den eigenen Tonfall fand er also in der Mischung aus satirischem Witz, empfindsamer Innerlichkeit und einer Neigung zu kühnen metaphysischen Bildern.


Rezeption↑

Der Hesperus von 1795 wurde laut Wikipedia zum größten literarischen Erfolg seit Goethes Werther. Er machte Jean Paul schlagartig zu einem der bekanntesten Autoren seiner Zeit. Herder, Wieland und Gleim äußerten sich enthusiastisch über das Buch. Goethe und Schiller dagegen fanden an dem Roman keinen Gefallen. Auch persönlich blieb das Verhältnis zu den Weimarer Klassikern bei Jean Pauls Besuch 1796 respektvoll, aber distanziert.

Um 1800 stand er auf dem Höhepunkt seines Ruhmes. Die preußische Königin Luise hatte ihn am "Kleinen Musenhof" ihrer Schwester Charlotte in Hildburghausen kennengelernt und zählte sich zu seinen begeisterten Leserinnen. In Berlin schloss er Freundschaften mit den Brüdern August Wilhelm und Friedrich Schlegel, mit Tieck, Schleiermacher und Fichte. Mit den späteren Romanen Titan und Flegeljahre, die heute als seine wichtigsten Werke gelten, ließ das Echo der Leser allerdings nach.

Trotzdem blieb seine öffentliche Wirkung groß. Seine politischen Stellungnahmen, etwa in Cottas "Morgenblatt", fanden besonders bei patriotisch gesinnten Studenten lebhaften Widerhall. Jean Paul wurde zu einer Leitfigur der deutschen Burschenschaften. Bei seinen Besuchen in Heidelberg 1817 und Stuttgart 1819 wurde er als "Lieblingsdichter der Deutschen" gefeiert. 1817 verlieh ihm die Universität Heidelberg auf Vorschlag Hegels den Ehrendoktortitel. 1820 ernannte ihn die Bayerische Akademie der Wissenschaften zum auswärtigen Mitglied. Späte Bücher wie Levana oder Erziehlehre und Dr. Katzenbergers Badereise erreichten dieses Niveau der Anteilnahme nicht mehr.

Sein Nachleben in den großen biographischen Lexika ist breit gesichert. Die Allgemeine Deutsche Biographie widmete ihm 1889 einen von Franz Muncker verfassten Artikel, die Neue Deutsche Biographie 1974 einen Beitrag von Adalbert Elschenbroich. Der ursprüngliche Grabstein, eine Pyramide aus schwarzem Marmor, wurde 1860 durch einen Granit-Findling aus dem Fichtelgebirge ersetzt. Die alte Pyramide steht heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.

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