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MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Autoreneintrag · Alan Paton
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Alan Paton
1903 – 1988
– Autorenporträt –

Alan Paton

1903 – 1988 · 85 Jahre

Südafrikanischer Schriftsteller und Apartheid-Gegner, bekannt durch seinen Roman „Cry, the Beloved Country“.

Kurzbiografie↑

Der südafrikanische Schriftsteller Alan Paton wurde 1903 in Pietermaritzburg geboren und starb 1988. Bekannt wurde er vor allem durch seinen Roman Cry, the Beloved Country, der auf Deutsch unter dem Titel Denn sie sollen getröstet werden erschien. Paton arbeitete zunächst als Lehrer und leitete ab 1935 eine Erziehungsanstalt für junge Straftäter bei Johannesburg. Als Mitbegründer der Liberal Party of South Africa trat er offen gegen die Apartheid auf und zahlte dafür einen Preis: Die Regierung zog 1960 seinen Pass für zehn Jahre ein. Seine Romane und Erzählungen kreisen immer wieder um dasselbe Thema, das ihn auch politisch umtrieb.


Biografie↑

Geboren wurde Alan Stewart Paton am 11. Januar 1903 in Pietermaritzburg. Die Stadt lag damals in der britischen Kolonie Natal, dem heutigen KwaZulu-Natal. Sein Vater war Beamter. Nach dem Besuch des College erwarb Paton an der Universität von Natal den Bachelor of Science und anschließend ein Diplom in Erziehungswissenschaften.

Seine ersten Berufsjahre verbrachte er im Schuldienst. Er unterrichtete an der Ixopo High School und danach am College in Maritzburg. In dieser Zeit lernte er Dorrie Francis Lusted kennen, die er 1928 heiratete. Aus der Ehe gingen zwei Söhne hervor, Jonathan und David. Dorrie Francis starb 1967 an einem Lungenemphysem. Das gemeinsame Leben verarbeitete Paton in dem 1969 erschienenen Buch Kontakion for You Departed. Im selben Jahr heiratete er Anne Hopkins; diese Ehe hielt bis zu seinem Tod.

In den 1930er und 1940er Jahren setzte sich Paton für junge Straftäter ein. Ab 1935 leitete er die Diepkloof-Erziehungsanstalt bei Johannesburg. Dort führte er für damalige Verhältnisse fortschrittliche Neuerungen ein, etwa offene Schlafsäle und offenen Vollzug. Während des Zweiten Weltkriegs meldete er sich freiwillig zum Kriegseinsatz, wurde aber nicht eingezogen.

Nach dem Krieg unternahm Paton auf eigene Kosten eine große Reise. Er wollte die Strafvollzugssysteme anderer Länder kennenlernen und besuchte Skandinavien, England, das europäische Festland, Kanada und die Vereinigten Staaten. In Norwegen begann er mit der Arbeit an Cry, the Beloved Country. Den Roman schloss er noch auf derselben Reise ab, am Heiligabend in San Francisco. Dort begegnete er Aubrey und Marigold Burns. Die beiden lasen das Manuskript gegen und fanden für ihn einen Verleger. Die Veröffentlichung begleitete Maxwell Perkins beim Verlagshaus Scribner, der zuvor durch die Herausgabe von Romanen Ernest Hemingways und Thomas Wolfes bekannt geworden war. Der Roman erschien 1948. Mit den weiteren Romanen der 1950er Jahre wurde Paton ein wohlhabender Schriftsteller.

Im selben Jahr, in dem sein erster Roman herauskam, übernahm die Nasionale Party die Macht in Südafrika. Sie trieb den Ausbau der Apartheid programmatisch voran. Paton gründete 1953 gemeinsam mit Margaret Ballinger, Edgar Brookes und Leo Marquard die Liberal Party of South Africa, die einen Gegenentwurf zu dieser Politik vertrat. 1956 wurde er National Chairman und damit faktisch Parteivorsitzender. 1958 wechselte er auf den Posten des Partei-Präsidenten, um mehr Zeit für das Schreiben zu haben. Sein Nachfolger als Chairman wurde Peter Brown. Präsident blieb Paton bis 1968, als sich die Partei aufgrund neuer Gesetze auflösen musste.

Sein politisches Engagement hatte Folgen. 1960 zog die Regierung seinen Pass ein, und zwar für zehn Jahre. 1964 trat Paton im Rivonia-Prozess auf und plädierte für eine Strafmilderung für Nelson Mandela und die übrigen Angeklagten. Er trug damit dazu bei, dass die Todesstrafe abgewendet wurde. Grundlage seines Wirkens war sein entschiedener christlicher Glaube.

Für Hofmeyr und Apartheid and the Archbishop erhielt er 1964 und 1973 den CNA Literary Award. Seinen Alterssitz wählte er in der Kleinstadt Botha's Hill bei Hillcrest. Er starb am 12. April 1988 an Kehlkopfkrebs. Über den Sterbeort gehen die Angaben auseinander: Wikidata nennt Durban, die Deutsche Nationalbibliothek dagegen Botha's Hill. 1989 wurde der südafrikanische Literaturpreis Alan Paton Award nach ihm benannt, 2006 erhielt er postum den Order of Ikhamanga in Gold.


Literarische Merkmale↑

Bestimmend für Patons Bücher ist ein einziges großes Thema: das Verhältnis der Bevölkerungsgruppen Südafrikas zueinander und das Unrecht der Rassentrennung. Es beschäftigte ihn schon im ersten Roman und ließ ihn nicht mehr los. Der zweite Roman Too Late the Phalarope von 1953, der dritte, Ah, but Your Land is Beautiful von 1981, und die Sammlung Tales From a Troubled Land von 1961 behandeln alle denselben Konflikt. Neben den Romanen und Erzählungen stehen biografische und zeitkritische Bücher wie Hofmeyr und Apartheid and the Archbishop sowie das Erinnerungsbuch an seine erste Frau. Seinem Schreiben lag sein christlicher Glaube zugrunde.


Rezeption↑

Weithin bekannt wurde Paton durch Cry, the Beloved Country. Der Roman wurde zweimal verfilmt, 1951 und 1995. Er lieferte außerdem die Vorlage für das Musical Lost in the Stars, das Maxwell Anderson bearbeitete und für das Kurt Weill die Musik schrieb. Die Romane der 1950er Jahre brachten Paton auch wirtschaftlichen Erfolg. Zweimal wurde er mit dem CNA Literary Award ausgezeichnet, 1964 und 1973. Ein Jahr nach seinem Tod erhielt ein südafrikanischer Literaturpreis seinen Namen, der Alan Paton Award. 2006 wurde ihm postum der Order of Ikhamanga in Gold verliehen. An der University of KwaZulu-Natal erinnern Gedenkvorlesungen an ihn.

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