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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Cry, the Beloved Country
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Cry, the Beloved Country
1948
– Werkseintrag –

Cry, the Beloved Country

1948 · Roman

Ein schwarzer Dorfpfarrer reist in das fremde, laute Johannesburg, um seine Schwester und seinen verschollenen Sohn zu suchen – und findet eine Nachricht, die auch das Leben eines weißen Farmers aus seiner Heimat verändert.

Überblick↑

Der Roman Cry, the Beloved Country von Alan Paton erschien 1948 in Südafrika. Er spielt in der Zeit unmittelbar vor der Einführung der Apartheid. Im Mittelpunkt stehen zwei Väter: ein schwarzer Dorfpfarrer und ein weißer Farmer, die beide mit der Nachricht von einem Mord umgehen müssen. Der amerikanische Verleger Bennett Cerf erklärte im Erscheinungsjahr vor der Versammlung der amerikanischen Buchhändler, es seien seit Jahresbeginn nur drei lesenswerte Romane erschienen, und nannte neben Cry, the Beloved Country noch The Ides of March und The Naked and the Dead. Das Buch zählt bis heute zu den bekanntesten Werken der südafrikanischen Literatur.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im abgelegenen Dorf Ndotsheni, in der Nähe des tatsächlich existierenden Ortes Ixopo, erhält der christliche Pfarrer Stephen Kumalo, ein Zulu, einen Brief aus Johannesburg. Der Absender ist der Geistliche Theophilus Msimangu. Er bittet Kumalo, in die Stadt zu kommen, weil dessen Schwester Gertrude krank sei.

Kumalo macht sich auf die weite Reise. Er will nicht nur der Schwester helfen, sondern auch seinen Sohn Absalom suchen. Absalom war einst nach Johannesburg gefahren, um Gertrude zu finden, und kehrte nie zurück. Zum ersten Mal in seinem Leben sieht der Dorfpfarrer die Wunder der modernen Welt.

In der großen Stadt findet Kumalo seine Schwester in verwahrlosten Verhältnissen. Dann beginnt er, gemeinsam mit Msimangu, nach dem Sohn zu suchen. Die Spur führt ihn zu seinem Bruder John, einem Tischler, der sich in die südafrikanische Politik verstrickt hat, und weiter durch die Elendsviertel der Stadt. Was Kumalo über Absalom erfährt, wird sein Leben und das eines weißen Nachbarn in Ixopo für immer verändern.

Die Handlung im Detail↑

Der Pfarrer Stephen Kumalo lebt im erdachten Dorf Ndotsheni beim Ort Ixopo. Ein Brief des Geistlichen Theophilus Msimangu ruft ihn nach Johannesburg: Seine Schwester Gertrude sei krank und brauche Hilfe. Kumalo reist in die Stadt, um ihr beizustehen und zugleich seinen verschollenen Sohn Absalom zu suchen.

In Johannesburg erfährt Kumalo, dass Gertrude sich als Prostituierte durchschlägt, Bier braut und schwer trinkt. Sie erklärt sich bereit, mit ihrem kleinen Sohn ins Dorf zurückzukehren. Beruhigt beginnt Kumalo die Suche nach Absalom. Zuerst sucht er seinen Bruder John auf, einen Tischler, der inzwischen politisch tätig ist. Gemeinsam mit Msimangu verfolgt Kumalo die Spur des Sohnes. Sie erfahren, dass Absalom in einer Erziehungsanstalt war und dass eine junge Frau ein Kind von ihm erwartet.

Kurz darauf erfährt Kumalo, dass sein Sohn wegen Mordes verhaftet worden ist. Das Opfer ist Arthur Jarvis, ein weißer Mann, der bei einem Einbruch getötet wurde. Jarvis war Ingenieur und setzte sich für die Rechte der einheimischen Bevölkerung ein. Er ist der Sohn von James Jarvis, dem Nachbarn Kumalos in Ixopo.

James Jarvis erfährt vom Tod seines Sohnes und kommt mit der Familie nach Johannesburg. Vater und Sohn hatten sich einander entfremdet. Nun lernt der Vater den Sohn erst durch dessen Schriften kennen. Beim Lesen der Aufsätze entschließt sich Jarvis, das Werk seines Sohnes für die schwarze Bevölkerung Südafrikas fortzuführen.

Vor Gericht sagt Absalom, zwei „Freunde“ hätten ihn zum Einbruch gedrängt und ihn dabei begleitet. Später bestreiten sie jede Beteiligung und schieben alle Schuld auf ihn. Absalom wird für den Mord an Arthur Jarvis zum Tode verurteilt. Bevor sein Vater nach Ndotsheni zurückreist, heiratet Absalom das Mädchen, das sein Kind erwartet; sie schließt sich Kumalos Familie an. Kumalo kehrt mit der Schwiegertochter und dem Neffen ins Dorf zurück. Gertrude ist in der Nacht vor der Abreise fortgelaufen.

Zurück in Ixopo sucht Kumalo den Stammeshäuptling auf, um über die notwendigen Veränderungen für das ausgelaugte, unfruchtbare Dorf zu sprechen. Der Besuch bleibt ohne Ergebnis. Hilfe kommt von anderer Seite: James Jarvis nimmt sich der Sache an. Er lässt einen Staudamm bauen und stellt einen einheimischen Landwirtschaftslehrer ein, der neue Anbaumethoden einführt.

Der Roman endet im Morgengrauen des Tages, an dem Absalom hingerichtet wird. Die beiden Väter bleiben erschüttert zurück: Beide haben ihren Sohn verloren.

Stil↑

Aufgebaut ist Cry, the Beloved Country als doppelte Vatergeschichte. Zwei Handlungsfäden laufen parallel und berühren sich durch den Mord: der des schwarzen Dorfpfarrers und der des weißen Farmers. Beide Männer stammen aus derselben Gegend und wissen zunächst wenig voneinander.

Die Erzählung folgt dem Weg des Pfarrers vom Land in die Großstadt und zurück. Dieser Weg gibt dem Buch seine Ordnung: erst das stille Dorf, dann das unübersichtliche Johannesburg, schließlich die Rückkehr. Weil Kumalo die moderne Welt zum ersten Mal sieht, erlebt der Leser die Stadt mit dessen staunenden und erschrockenen Augen.

Eine besondere Rolle spielen die Aufsätze des getöteten Arthur Jarvis. Sie werden im Roman gelesen, nicht erzählt, und bringen so die politische Frage nach dem Verhältnis von Schwarz und Weiß direkt in den Text hinein.

Rezeption↑

Schon im Erscheinungsjahr fand der Roman in den Vereinigten Staaten starke Beachtung. Der Verleger Bennett Cerf nannte ihn vor der Versammlung der amerikanischen Buchhändler als einen von nur drei lesenswerten Romanen des Jahres. Bis heute gilt das Buch als eines der bekanntesten Werke der südafrikanischen Literatur.

Der Stoff wurde mehrfach für andere Bühnen und Medien bearbeitet. Zwei Kinofilme entstanden: 1951 unter der Regie von Zoltan Korda, in Deutschland unter dem Titel Denn sie sollen getröstet werden, und 1995 unter der Regie von Darrell Roodt. Bereits 1949 kam eine musikalische Fassung unter dem Titel Lost in the Stars heraus. Das Textbuch schrieb der amerikanische Autor Maxwell Anderson, die Musik stammt von dem aus Deutschland emigrierten Komponisten Kurt Weill.

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