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Das Lexikon der klassischen Literatur
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Porträt Prosper Mérimée
Prosper Mérimée
1803 – 1870
– Autorenporträt –

Prosper Mérimée

1803 – 1870 · 66 Jahre

Französischer Erzähler des 19. Jahrhunderts und Meister der knappen Novelle – sein „Carmen" wurde durch Bizets Oper weltberühmt.

Kurzporträt

Prosper Mérimée war ein französischer Schriftsteller des 19. Jahrhunderts. Bekannt wurde er vor allem als Meister der knappen, kunstvoll gebauten Erzählung. Geboren wurde er 1803 in Paris. Er schuf eine Reihe von gut zwei Dutzend Erzählungen, die ihn zu einem Klassiker dieser Gattung machten. Dazu gehört Carmen, die spätere Vorlage für die berühmte Oper von Georges Bizet. Neben seinem literarischen Werk war Mérimée jahrzehntelang oberster Denkmalschützer Frankreichs. Unter Napoléon III. war er zudem Mitglied des Senats. In seinen letzten Lebensjahren machte er sich als Vermittler der russischen Literatur in Frankreich verdient und übersetzte Werke Puschkins und Turgenjews. Er starb 1870 in Cannes.


Biografie

Geboren wurde Prosper Mérimée am 28. September 1803 in Paris. Seine Eltern waren gutbürgerlich, geistig interessiert und stark der englischen Kultur zugewandt. Er besuchte das Lycée Napoléon, das nach 1815 den Namen Henri-IV. trug. Anschließend absolvierte er ein Studium der Rechtswissenschaften. Schon früh betätigte er sich jedoch auch als Autor mit ersten dramatischen und erzählerischen Versuchen. Dazu kam eine Übertragung der Poems of Ossian, jener damals vielgelesenen Gesänge eines angeblich altkeltischen Barden. James Macpherson wollte sie um 1770 ins Englische übertragen haben.

Früh fand Mérimée Zutritt zu den Pariser Künstler- und Literatenkreisen. Bereits 1822 lernte er Stendhal kennen, mit dem ihn eine dauerhafte Freundschaft verband. In den folgenden Jahren traf er die meisten Romantiker, darunter Victor Hugo. Bei der berühmten Theaterschlacht um Hugos Stück Hernani applaudierte er dem Dichter. 1825 und 1826 bereiste er England, 1830 Spanien. Dort lernte er die Familie der späteren Gattin Napoléons III. kennen – eine Bekanntschaft, die ihm später von Nutzen sein sollte.

Sein erstes gedrucktes Werk erschien 1825 unter dem Titel Théâtre de Clara Gazul. Es war eine Sammlung von Stücken, die angeblich von einer spanischen Schauspielerin dieses Namens verfasst waren. In ihnen wurden die klassischen drei Einheiten missachtet. 1827 folgte La Guzla, eine Sammlung angeblicher Übertragungen illyrischer Volkslieder. Damit nahm Mérimée an der romantischen Mode der Liedersammlung teil. 1828 versuchte er sich nochmals als Dramatiker und veröffentlichte die unaufgeführt gebliebenen Stücke La Jacquerie und La Famille Carvajal.

Danach war er praktisch nur noch Erzähler. Er begann mit einem historischen Roman im Stil Walter Scotts. Die zur Zeit der Religionskriege spielende Chronique du règne de Charles IX (1829) war nur mäßig erfolgreich. Dauerhaften Ruhm erlangte er dann mit einer Serie von gut 25 Erzählungen. Diese erschienen zunächst rasch, später nur noch in lockerer Folge. Zu den bekanntesten gehören Mateo Falcone und Tamango (beide 1829), Le Vase étrusque (1830), La Vénus d'Ille (1837), Colomba (1840) und Carmen (1845), das Georges Bizet 1874 zu seiner Oper umarbeitete.

Nach der Julirevolution von 1830 blieb Mérimée immer weniger Zeit zum Schreiben. Er hatte sich dem Regime des „Bürgerkönigs" Louis-Philippe I. angeschlossen. 1834 erhielt er das Amt des obersten französischen Denkmalschützers – zuvor hatte er einige höhere Posten in verschiedenen Ministerien bekleidet und war zum Ritter der Ehrenlegion ernannt worden. Dieses Amt ließ ihn viel unterwegs sein, auch im Ausland, und nahm ihn zunehmend in Anspruch. Aus seinen Reisen gewann er den Stoff für mehrere längere Reiseberichte, etwa Notes d'un voyage dans le midi de la France (1835) oder Notes d'un voyage en Corse (1840).

1843 wurde er Mitglied der Académie des Inscriptions et Belles-Lettres. 1844 wurde er mit knapper Mehrheit in die Académie française gewählt. Seine literarische Karriere war zu diesem Zeitpunkt im Grunde schon beendet. Die Februarrevolution 1848 überstand er unbeschadet in seinem Amt. Nach dem Aufstieg von Charles-Louis-Napoléon Bonaparte profitierte er von seiner alten Bekanntschaft mit dessen spanischer Gattin. 1852 wurde er zum Offizier der Ehrenlegion befördert. 1853 wurde er zum Mitglied des Senats ernannt, nachdem Bonaparte sich zum Kaiser Napoléon III. hatte ausrufen lassen. Sein Verkehr am kaiserlichen Hof trug ihm die Missgunst vieler Literatenkollegen und die Feindschaft alter Romantiker-Freunde ein. Das galt besonders für Victor Hugo, der inzwischen oppositioneller Republikaner geworden war.

Ab 1856 war Mérimée durch sein Asthma gesundheitlich eingeschränkt. 1860 quittierte er nach 26 Jahren sein Amt als Denkmalschützer. Einer möglichen Ernennung zum Bildungsminister wich er 1863 aus. In seinen letzten Jahren machte er sich als Vermittler der zeitgenössischen russischen Literatur in Frankreich verdient. Schon 1849 hatte er eine Novelle von Puschkin nachgedichtet. Später übersetzte er, in Zusammenarbeit mit den Autoren selbst, Puschkin (1856) und Turgenjew (1869). Die Absetzung seines Protektors Napoléon am 4. September 1870 überlebte er nur um wenige Wochen. Er starb am 23. September 1870 in Cannes und fand auf dem dortigen Cimetière du Grand Jas seine letzte Ruhestätte.


Literarische Merkmale

Mérimées Schreiben verlagerte sich im Lauf seines Lebens deutlich von der dramatischen Form hin zur Erzählung. Am Anfang standen Versuche als Dramatiker und literarische Mystifikationen: die angeblich von einer spanischen Schauspielerin verfasste Stücksammlung Théâtre de Clara Gazul oder die vorgeblich illyrischen Volkslieder in La Guzla. Danach wurde er praktisch nur noch Erzähler.

Seine frühen Werke ordnen sich der romantischen Ästhetik zu. In den Stücken der Clara Gazul missachtete er bewusst die klassischen drei Einheiten. Mit seinen Liedersammlungen schloss er an die romantische Mode an, wie sie in Deutschland Clemens Brentano und Achim von Arnim mit Des Knaben Wunderhorn begründet hatten. Sein historischer Roman Chronique du règne de Charles IX folgte dem Vorbild Walter Scotts.

Den eigentlichen Ruhm aber begründete Mérimée mit seinen Erzählungen, die ihn zu einem Klassiker dieser Gattung machten. Ihre Stoffe griffen oft Schauplätze aus seinen Reisen und Bekanntschaften auf – Korsika in Colomba, Spanien in Carmen.


Rezeption

Mit seiner Serie von gut 25 Erzählungen wurde Mérimée zu einem Klassiker dieser literarischen Gattung. Besonders weitreichend wirkte Carmen aus dem Jahr 1845. Georges Bizet arbeitete die Erzählung 1875 zu seiner berühmten Oper um. Durch sie ist der Stoff bis heute bekannt.

Mérimées enge Verbindung zum kaiserlichen Hof Napoléons III. trug ihm zu Lebzeiten allerdings auch Anfeindungen ein. Sie kamen vor allem von ehemaligen Weggefährten aus den Reihen der Romantiker.

Über sein eigenes Werk hinaus wirkte Mérimée als Vermittler. In seinen letzten Jahren übersetzte er Puschkin und Turgenjew und machte damit die zeitgenössische russische Literatur in Frankreich bekannt. Die wissenschaftliche Beschäftigung mit seinem Werk hält bis in die jüngere Zeit an. Das belegen zahlreiche Studien zu seiner Sprache, seinen Novellen und insbesondere zur Figur der Carmen.

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