1879 – 1942
Zsigmond Móricz
Kurzbiografie↑
Zu den ungarischen Schriftstellern des frühen 20. Jahrhunderts, die das Leben der armen Landbevölkerung in den Mittelpunkt ihres Werks stellten, gehört Zsigmond Móricz. Geboren 1879, wuchs er als Kind eines armen Kleinbauern auf und lernte die Not des Dorfes von klein auf kennen. Mit der Erzählung Sieben Kreuzer, 1908 in der Zeitschrift Nyugat erschienen, trat er in die literarische Welt ein und zeigte das Leben der Landarbeiter mit einem Realismus, der für die damalige ungarische Literatur neu war. In den folgenden Jahrzehnten veröffentlichte er zahlreiche Romane und Erzählungen und wurde ein anerkannter Autor seines Landes. Er starb 1942 in Budapest.
Biografie↑
Geboren wurde Zsigmond Móricz am 29. Juni 1879 als erstes von neun Kindern. Sein Vater war ein armer Kleinbauer, seine Mutter eine Pastorentochter aus der reformierten Kirche. Als Geburtsort nennen die Quellen unterschiedliche Namen: Nach Wikidata kam er im Dorf Tiszacsécse zur Welt, die Deutsche Biographie führt den Ort als Csécse.
Schon als Kind lernte Móricz die Armut auf dem Lande kennen. Sein Vater konnte ihm nur unter größten Opfern eine gute Schulbildung sichern. Als Schüler kam er in das Kollegium von Debrecen. Später begann er als Student mehrere Studien, darunter Theologie und Rechtswissenschaft, die er jedoch nicht abschloss. Schließlich arbeitete er als Journalist in Budapest.
Im Auftrag der Kisfaludy-Gesellschaft sammelte er drei Sommer lang Volkslieder im Komitat Szatmár. Dabei hatte er Gelegenheit, das Leben auf dem ungarischen Dorf und besonders die Verhältnisse der armen Landbevölkerung zu studieren. Die 1908 in der Zeitschrift Nyugat abgedruckte Erzählung Sieben Kreuzer ermöglichte ihm den Eintritt in die literarische Welt seiner Zeit. Der Realismus, mit dem er hier das Leben der armen Landarbeiter darstellte, war für die damalige ungarische Literatur etwas Neues, denn diese kannte bis dahin nur ein idealisiertes Bild des Bauern.
Im Ersten Weltkrieg wurde Móricz Kriegsberichterstatter. Mit zunehmend kritischer Haltung zum Krieg schrieb er über die Frontsoldaten und ihre Sehnsucht nach Frieden. In der Revolution von 1918 und der 1919 folgenden Räterepublik sah er Fortschritte und erwartete eine Bodenreform, die den armen Bauern Land geben sollte; über die entstehenden Produktionsgenossenschaften verfasste er Berichte. Im Zuge der Konterrevolution wurde er für einige Zeit ins Gefängnis geworfen.
In den zwanziger und dreißiger Jahren veröffentlichte er als anerkannter Schriftsteller eine Reihe von Romanen und viele Erzählungen. Daneben bearbeitete er vergessene alte ungarische Literatur und gab sie neu heraus. Er bereiste das Land und sammelte weiter Volkslieder. 1939 übernahm er als Herausgeber die literarische Zeitschrift Kelet Népe (Volk des Ostens), die sich besonders mit der Literatur der Bauern beschäftigte. Zu seinen ins Deutsche übersetzten Werken zählen der Bauernroman Gold im Kote, die Romane Hinter Gottes Rücken und Die Fackel, die historische Romantrilogie Siebenbürgen sowie Löwe im Käfig. Zsigmond Móricz starb am 4. September 1942 in Budapest.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für das Schreiben von Móricz ist ein Realismus, der sich dem Leben der armen Landbevölkerung zuwendet. In der Erzählung Sieben Kreuzer stellte er das Dasein der Landarbeiter ohne Beschönigung dar. Das war für die ungarische Literatur seiner Zeit etwas Neues, denn diese kannte bis dahin nur ein idealisiertes Bild des Bauern. Seine Stoffe fand er im ungarischen Dorf, dessen Verhältnisse er als Sammler von Volksliedern aus eigener Anschauung kannte. Auch die Not der Frontsoldaten und ihre Sehnsucht nach Frieden gehörten zu seinen Gegenständen.
Rezeption↑
Bereits zu Lebzeiten galt Móricz in den zwanziger und dreißiger Jahren als anerkannter Schriftsteller seines Landes. Seine Werke wurden über viele Jahrzehnte hinweg ins Deutsche übersetzt, von frühen Ausgaben wie Gold im Kote in den zwanziger Jahren bis zu einer Neuübersetzung von Der glückliche Mensch, die 2023 erschien. Auch das ungarische Kino griff seine Stoffe wiederholt auf; Verfilmungen entstanden von den späten vierziger Jahren bis in die Gegenwart, darunter zwei Fassungen des Romans Rokonok, die zweite davon 2006 unter der Regie von István Szabó.
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