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Porträt Gottfried Keller
Gottfried Keller
1819 – 1890
– Autorenporträt –

Gottfried Keller

1819 – 1890 · 70 Jahre

Schweizer Dichter und Erster Staatsschreiber des Kantons Zürich – mit dem „Grünen Heinrich" und den „Leuten von Seldwyla" einer der prägenden Erzähler des bürgerlichen Realismus.

Kurzporträt

Gottfried Keller (1819–1890) war ein Schweizer Dichter, Maler und Politiker. Sein Werk prägte laut der Wikipedia den Kanon des bürgerlichen Realismus mit. Zusammen mit Jeremias Gotthelf und Conrad Ferdinand Meyer zählt er zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schweizer Autoren des 19. Jahrhunderts. Bekannt wurde er vor allem durch den autobiografisch grundierten Roman Der grüne Heinrich und die Novellensammlung Die Leute von Seldwyla. Aus dieser stammen die Erzählungen Romeo und Julia auf dem Dorfe und Kleider machen Leute. Daneben hinterließ er Lyrik, die zahlreiche Komponisten zur Vertonung anregte. Von 1861 bis 1876 war Keller zudem Erster Staatsschreiber des Kantons Zürich.


Biografie

Am 19. Juli 1819 kam Gottfried Keller in Zürich zur Welt. Er war das zweite Kind des Drechslermeisters Johann Rudolf Keller und seiner Frau Elisabeth, geborene Scheuchzer. Beide Eltern stammten aus Glattfelden im Zürcher Unterland. Die Familie der Mutter war weitläufig mit dem Zürcher Patriziergeschlecht Scheuchzer verwandt, das im 17. Jahrhundert den Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer hervorgebracht hatte. Der Vater war ein politisch wacher Handwerker, Parteigänger der liberalen Bewegung und Schiller-Verehrer. Er war am Vorstand einer Schule beteiligt, in der ärmere Kinder nach der Methode Pestalozzis unterrichtet wurden. Er starb 1824 dreiunddreißigjährig an Lungentuberkulose. Die Witwe lebte fortan unter sehr eingeschränkten Verhältnissen mit Gottfried und seiner Schwester Regula vom Ertrag des elterlichen Hauses „Zur Sichel".

Keller besuchte zunächst eine Armenschule, dann das „Landknabeninstitut" und ab 1833 die neugegründete kantonale Industrieschule. An dieser unterrichtete unter anderem der spätere Geologe und Politiker Julius Fröbel. Im Juli 1834, kaum fünfzehnjährig, wurde er aus dieser Schule ausgeschlossen. Er hatte an einem Schüleraufmarsch teilgenommen, und die wahren Rädelsführer schoben die Schuld auf ihn. Damit war der weiterführende Bildungsweg versperrt.

Vor die Berufswahl gestellt, entschied er sich gegen den Rat seiner Mutter für die Landschaftsmalerei. Sein erster Zürcher Lehrer war ein Pfuscher, der den Lehrling sich selbst überließ. Erst der Aquarellist Rudolf Meyer brachte ihm 1837 künstlerisches Sehen und Disziplin bei. Wegen einer Erkrankung brach Meyer den Unterricht jedoch schon im folgenden Frühjahr ab. Daneben las Keller umfangreich Jean Paul und Goethe. Er schrieb Tagebücher, erste Erzählversuche, Dramenentwürfe und Gedichte. 1840 reiste er mit einer kleinen Erbschaft an die Königliche Akademie der Künste in München. Dort wurde er aber nie eingeschriebener Schüler, sondern arbeitete im Kreis junger Schweizer Maler. Eine Typhus-Erkrankung, hohe Lebenshaltungskosten und ausbleibende Bildverkäufe zwangen ihn im Herbst 1842, mittellos nach Zürich zurückzukehren.

In den folgenden Jahren wandelte sich der gescheiterte Maler zum Dichter. Unter dem Eindruck der politischen Lyrik des Vormärz entdeckte er sein dichterisches Talent. Zugleich engagierte er sich in der liberalen Bewegung, die 1848 die staatliche Neuordnung der Schweiz vom Staatenbund zum Bundesstaat herbeiführte. Mit einem Reisestipendium der Zürcher Regierung ging er nach Heidelberg, um an der Ruprecht-Karls-Universität Geschichte und Staatswissenschaften zu studieren. Von dort ging er weiter nach Berlin, um sich zum Theaterschriftsteller auszubilden. Statt Dramen entstanden jedoch Romane und Novellen, darunter Der grüne Heinrich und Die Leute von Seldwyla. 1855 kehrte er nach sieben Jahren in Deutschland als anerkannter, aber weiterhin mittelloser Schriftsteller nach Zürich zurück.

1861 berief ihn die Regierung Alfred Eschers zum Ersten Staatsschreiber des Kantons Zürich. Vorausgegangen war die Erzählung Das Fähnlein der sieben Aufrechten, in der er seine „Zufriedenheit mit den vaterländischen Zuständen" ausdrückte, zugleich aber vor mit dem Fortschritt verbundenen Gefahren warnte. Von 1861 bis 1866 vertrat er außerdem seinen Heimatbezirk Bülach im Großen Rat. Das Amt nahm ihn zehn Jahre lang voll in Anspruch. Erst im letzten Drittel seiner Dienstzeit erschienen wieder neue Werke, darunter die Sieben Legenden und der zweite Teil der Leute von Seldwyla. Politisch geriet Keller in eine paradoxe Lage. Anfangs war er Kritiker des Escher-Systems, später wurde er von der erstarkenden Demokratischen Bewegung als dessen Verteidiger angefeindet. An der Verfassungsreform von 1869 wirkte er als zweiter Sekretär des Verfassungsrates mit. Die siegreichen Demokraten tauschten fast alle Räte der altliberalen Garde aus, bestätigten Keller aber überraschend in seinem Amt. Dieses versah er noch weitere sieben Jahre.

1876 legte er das Staatsschreiberamt nieder, um wieder als freier Schriftsteller zu arbeiten. Es entstanden die Züricher Novellen, die endgültige Fassung des Grünen Heinrich, der Novellenzyklus Das Sinngedicht sowie der sozialkritische Roman Martin Salander. Keller blieb unverheiratet. Seine 1866 geschlossene Verlobung mit Luise Scheidegger endete im selben Jahr durch deren Tod am 13. Juli 1866. Er starb am 15. Juli 1890 in Zürich, vier Tage vor seinem einundsiebzigsten Geburtstag.


Literarische Merkmale

Kellers literarisches Werk gilt laut der Wikipedia als bestimmend für den Kanon des bürgerlichen Realismus. Charakteristisch ist die enge Verflechtung von eigenem Erleben und Dichtung. Der Grüne Heinrich ist weitgehend autobiografisch grundiert. Das Elternhaus „Zur Sichel" mitsamt seinen Bewohnern, die abgebrochene Münchner Malerlaufbahn und das früh verstorbene Mädchen, das im Bildnis von Heinrichs Jugendliebe Anna wiederkehrt, sind aus dem eigenen Leben in den Roman übernommen. Keller selbst sprach davon, „die eigentliche Kindheit" seines Helden sei „nicht erfunden", sondern „sogar das Anekdotische darin, so gut wie wahr".

Auch das politische Bewusstsein des Liberalen und späteren Staatsbeamten dringt in die Erzählungen. Am deutlichsten zeigt sich das im Fähnlein der sieben Aufrechten, in dem er seine Zustimmung zur eidgenössischen Ordnung mit der Mahnung vor ihren Gefährdungen verband. Die formale Bandbreite reicht vom großen Bildungsroman über die zyklisch angelegte Novellistik der Leute von Seldwyla und des Sinngedichts bis zum sozialkritischen Spätroman Martin Salander. Zwei Erzählungen aus den Leuten von Seldwyla, Romeo und Julia auf dem Dorfe und Kleider machen Leute, gelten als Meisterwerke der deutschsprachigen Erzählkunst. Seine Lyrik wiederum regte eine Vielzahl von Komponisten zu Vertonungen an.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten galt Keller laut der Wikipedia als einer der bedeutendsten Vertreter der Epoche des bürgerlichen Realismus. Zusammen mit Jeremias Gotthelf und Conrad Ferdinand Meyer wird er bis heute zu den bedeutendsten deutschsprachigen Schweizer Autoren des 19. Jahrhunderts gerechnet. Auch in die Musikgeschichte hat sein Werk hineingewirkt. Zahlreiche Komponisten griffen seine Gedichte zur Vertonung auf.

Die Deutsche Biographie sucht den Schlüssel zu Kellers Werk in seiner Lebensgeschichte. Sie deutet den frühen Tod des Vaters 1824 und die Relegation aus der Industrieschule 1834 als prägende Brüche. Auf den schulischen Ausschluss folgte ein Gefühl „lebendigen Begrabenseins", das in sozialer Vereinzelung und intellektueller Isolation mündete. Daraus erwuchs schließlich der Wunsch, Maler zu werden – laut NDB eine „Scheinlösung". Die Münchner Jahre 1840 bis 1842 erscheinen dort als makabre Burleske: Bilder, die beschädigt, unauffindbar oder unverkäuflich blieben, wachsende Schulden, ein gerichtlicher Steckbrief, schließlich die Heimkehr als „verkrachte Existenz". Erst aus diesem Scheitern, so der NDB-Artikel, sei der Dichter erwachsen.

In den großen biografischen Nachschlagewerken ist Keller fest verankert. Ihn behandeln ein ausführlicher Artikel von Jürgen Rothenberg in der NDB (Band 11, 1977) und ein Beitrag von Albert Gessler in der ADB (Band 51, 1906). Auch das Historische Lexikon der Schweiz, das Kunstlexikon SIKART und das Theaterlexikon der Schweiz führen ihn als Eintrag.

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