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Autoreneintrag · Barthold Heinrich Brockes
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Porträt Barthold Heinrich Brockes
Barthold Heinrich Brockes
1680 – 1747
– Autorenporträt –

Barthold Heinrich Brockes

1680 – 1747 · 66 Jahre

Hamburger Senator und Dichter der frühen Aufklärung – sein „Irdisches Vergnügen in Gott“ entdeckte die Natur in ihrer sinnlichen Fülle und wurde zum Vorbild der deutschen Naturlyrik von Haller bis Klopstock.

Kurzbiografie↑

Barthold Heinrich Brockes wurde am 22. September 1680 in Hamburg geboren und starb dort am 16. Januar 1747. Er war ein deutscher Schriftsteller der frühen Aufklärung. Sein Hauptwerk ist die Gedichtsammlung Irdisches Vergnügen in Gott, die in mehreren Teilen erschien. Darin wird die Natur in ihrer Schönheit und ihrem Nutzen als Vermittlerin zwischen Mensch und Gott betrachtet. Brockes war zugleich Jurist, Hamburger Senator und Übersetzer aus dem Italienischen und Französischen. Laut der Deutschen Biographie wurde er an der Wende vom Barock zum 18. Jahrhundert zum Entdecker der Natur in ihrer gegenständlichen Fülle. Damit wurde er zum Vorbild der späteren Naturlyrik von Haller bis Klopstock.


Biografie↑

Brockes wuchs in seiner Vaterstadt auf. Sein Vater war der Hamburger Kaufmann Bernhard Brockes, seine Mutter Margarete, eine geborene Elmhoff aus Wismar. Der Vater starb bereits 1694, als der Sohn vierzehn Jahre alt war. Die Mutter zog sich als Witwe stark zurück. Sie ließ ihm, so die Allgemeine Deutsche Biographie, mehr Freiheit, als seiner Vorbereitung auf das Studium dienlich gewesen sei.

Erst im Alter von zwanzig Jahren bezog Brockes 1700 die kurz zuvor gegründete Universität Halle, um die Rechte zu studieren. Die Absicht, als Anwalt zu arbeiten, hatte er dabei nie. 1702 ging er für ein halbes Jahr an das Kammergericht in Wetzlar. Danach wollte er sein Studium in Genf fortsetzen. Der Spanische Erbfolgekrieg zwang ihn jedoch zu einem weiten Umweg über Nürnberg, Venedig, Rom und Genua. Von Genf reiste er 1704 über Lausanne nach Paris. Im selben Jahr promovierte er in Leiden zum Lizentiaten der Rechte und kehrte nach Hamburg zurück. Die Allgemeine Deutsche Biographie hält fest, dass er auf diesen Reisen seine bereits in der Schule erworbene Übung im Zeichnen und in der Musik vertiefte. Auch seine Neigung zu vornehmem Umgang pflegte er.

Brockes war wirtschaftlich unabhängig. So lebte er nach seiner Rückkehr fast sechzehn Jahre ohne Amt seinen literarischen und musischen Neigungen. Mehrfach versuchte er erfolglos, eine wohlhabende Erbin zu heiraten. 1709 starb seine Mutter. Erst 1714 heiratete er in Hamburg Anna Ilsabe Lehmann, die Tochter des Kaufmanns Johann Lehmann. Die Ehe galt als sehr glücklich und brachte zwölf Kinder hervor, von denen sechs Söhne und sechs Töchter genannt werden. Zwei seiner Söhne, Barthold und Erich Nikolaus, wurden 1753 geadelt. Anna Ilsabe starb 1736.

1712 wurde in Brockes' Haus das Passionsoratorium Der für die Sünden der Welt gemarterte und sterbende Jesus aufgeführt, mit der Musik von Reinhard Keiser. 1715 gründete er mit einigen Freunden die „Teutschübende Gesellschaft“, nach dem Vorbild der barocken Sprachgesellschaften. Dort trug er eigene Gedichte, philologische Abhandlungen und Teile seiner Übersetzung von Giambattista Marinos La strage degl'Innocenti vor. Die Übersetzung erschien als Verteutschter Bethlehemitischer Kindermord. Die Gesellschaft bestand laut der Deutschen Biographie fast drei Jahre. 1724 gründete er gemeinsam mit Johann Albert Fabricius, Michael Richey und anderen die „Patriotische Gesellschaft“. Diese gab nach englischem Vorbild die moralische Wochenschrift „Der Patriot“ heraus.

Am 13. August 1720 wurde Brockes unverhofft in den Rat der Stadt Hamburg gewählt. 1721 erschien der erste Teil seines Irdischen Vergnügens in Gott, der ihn rasch auch über Hamburg hinaus berühmt machte. Im selben Jahr reiste er als Gesandter des Rates zu Kaiser Karl VI. nach Wien. 1724 reiste er zum dänischen König nach Glückstadt und zu König Friedrich Wilhelm I. nach Berlin. 1730 ernannte ihn Fürst Günther zu Schwarzburg zum Kaiserlichen Pfalzgrafen und Poeta laureatus. Im selben Jahr wurde er Landprätor. Von 1735 bis 1741 wirkte er als Amtmann in Ritzebüttel. Dort trug eine von ihm angelegte Holzung als „Brockeswalde“ noch lange seinen Namen. Nach seiner Rückkehr nach Hamburg übernahm er 1741 das Amt des Landherrn des Hamburger Berges.

Von 1727 bis 1746 erschienen sieben weitere Teile des Irdischen Vergnügens in Gott. Ein neunter Teil wurde 1748 postum aus dem Nachlass veröffentlicht. Brockes blieb laut der Allgemeinen Deutschen Biographie bis zuletzt unermüdlich tätig. Er schien rüstig, als ihn nach dreitägiger Krankheit am 16. Januar 1747 in Hamburg der Tod ereilte.


Literarische Merkmale↑

Brockes' literarische Eigenart liegt im genauen Hinsehen. Die Deutsche Biographie beschreibt ihn an der Wende vom Barock zum 18. Jahrhundert als den Entdecker der Natur in ihrer gegenständlichen Fülle und Schönheit. In fast impressionistischen Bildern schildere er das Farbenspiel der Tages- und Jahreszeiten, mit einer bis dahin ungekannten Intensität und Frische der sinnlichen Wahrnehmung. Damit wurde er, so die NDB, zum Vorbild der Naturlyrik von Haller bis Klopstock.

Zugleich bleibt seine Naturbetrachtung an einen klaren gedanklichen Rahmen gebunden. Das „ichhafte Aufgehen in der Natur“, die lyrische Ergriffenheit des Herzens, fehle ihm noch. Vielmehr münde, wie die Deutsche Biographie formuliert, die Andacht des Schauens immer in den Begriffsrationalismus eines physikotheologischen Gottesbeweises, der schon mit dem Nachweis wirtschaftlichen Nutzens erbracht sei. Natur ist bei Brockes also nicht Stimmungsraum, sondern Beleg göttlicher Ordnung. Das genaue Beschreiben einer Blume, eines Insekts oder eines Sonnenaufgangs dient dazu, Schönheit und Nutzen als zwei Seiten derselben Schöpfung zu zeigen.

Die Allgemeine Deutsche Biographie spricht von einer „malenden und moralisirenden“ Poesie, die für Brockes eine Art Gottesdienst geworden sei. Auch das passt zu seinem Werdegang. Erste Versuche entstanden aus Übersetzungen aus dem Italienischen und Französischen, aus Gelegenheitsdichtung wie dem Hochzeitsgedicht für seinen Freund Vegesack von 1708 und aus den Vorträgen in der „Teutschübenden Gesellschaft“. Aus dieser Schule des aufmerksamen Übersetzens und gegenseitigen Kritisierens erklärt sich der sorgfältige, gegenständlich exakte Ton seiner späteren Gedichte.

Mit der Zeit allerdings, urteilt die Deutsche Biographie, wandeln die sieben Folgebände des Irdischen Vergnügens in Gott das gleiche Thema mit wachsender Trockenheit und Pedanterie ab. Das ist ein offener Hinweis darauf, dass Brockes' Verfahren in der Wiederholung seine ursprüngliche Frische verlor.


Rezeption↑

Schon der erste Teil des Irdischen Vergnügens in Gott von 1721 machte Brockes laut der Deutschen Biographie auch außerhalb Hamburgs rasch berühmt. Die NDB sieht in ihm das Vorbild der Naturlyrik von Albrecht von Haller bis Friedrich Gottlieb Klopstock. Sein genaues, sinnenfrohes Beschreiben der Natur wirkte als Anstoß für eine ganze Generation deutscher Dichter im 18. Jahrhundert.

In Hamburg selbst war Brockes zu Lebzeiten anerkannt als Senator, Gesandter und Mitbegründer wichtiger literarischer Vereine. Die „Teutschübende Gesellschaft“ von 1715 nimmt nach Darstellung der Allgemeinen Deutschen Biographie eine Mittelstellung zwischen den barocken Sprachgesellschaften und späteren Zusammenschlüssen wie den Bremer Beiträgern und dem Göttinger Hainbund ein. Die „Patriotische Gesellschaft“ wurde 1724 mit Johann Albert Fabricius und Michael Richey gegründet. Sie und ihre Wochenschrift „Der Patriot“ bezogen das Vorbild moralischer englischer Wochenschriften nach Norddeutschland. Auch außerhalb der Literatur ehrte man ihn: 1730 wurde er von Fürst Günther zu Schwarzburg zum Kaiserlichen Pfalzgrafen und Poeta laureatus ernannt.

Sein Passionsoratorium Der für die Sünden der Welt gemarterte und sterbende Jesus wurde schon 1712 mit der Musik Reinhard Keisers im Hause Brockes aufgeführt. Es fand auch in der Musikgeschichte Nachhall. Die Deutsche Biographie verzeichnet Verknüpfungen zu Johann Sebastian Bach und Georg Philipp Telemann.

Die spätere Forschung hat Brockes ausführlich aufgearbeitet. Die Deutsche Biographie nennt unter anderem Studien von Otto Janssen zur Naturempfindung (1907), von Friedrich von Manikowski zur Welt- und Lebensanschauung im Irdischen Vergnügen in Gott (1914), Friedrich Gundolfs Untersuchung zu einem Gelegenheitsgedicht (1931) und Harold W. Pfunds amerikanische Stilstudien (1935). Eine Auswahl seiner Gedichte erschien 1887 in Kürschners „Deutscher National-Litteratur“, eine weitere unter dem Titel Der Schöpfungsgarten 1917. 1947 brachte Willy Krogmann die Auswahl Spuren der Gottheit heraus, in der auch das Gemälde Dominicus van der Smissens aus der Hamburger Kunsthalle abgebildet ist.

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