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Porträt Matthias Claudius
Matthias Claudius
1740 – 1815
– Autorenporträt –

Matthias Claudius

1740 – 1815 · 74 Jahre

Der "Wandsbecker Bote" – Dichter eines volkstümlich-frommen Tons, dessen Lieder zum festen Bestand der deutschen Lyrik gehören.

Kurzporträt

Matthias Claudius wurde am 15. August 1740 in Reinfeld in Holstein geboren und starb am 21. Januar 1815 in Hamburg. Er war ein deutscher Dichter und Journalist. Bekannt wurde er als Lyriker mit volksliedhafter, intensiv empfundener Verskunst. Das verdankte er vor allem der von ihm redigierten Zeitung "Der Wandsbecker Bothe". Sie hat ihm bis heute den Beinamen "der Wandsbecker Bote" eingetragen. Unter dem Pseudonym Asmus gab er seine gesammelten Schriften in Eigenregie heraus. Dabei prägte er einen volkstümlichen, oft schalkhaft-naiven Ton, der seine persönlichste Ausdrucksform wurde. Einzelne seiner Lieder zählen zum festen Bestand der deutschen Lyrik, einige sind zu Volksliedern geworden.


Biografie

Matthias Claudius kam als viertes Kind des Pastors Matthias Claudius und seiner Frau Maria, geborene Lorck, in einem Pfarrhaus in Reinfeld in Holstein zur Welt. Die Vorfahren seines Vaters waren über hundert Jahre Pastoren in Süderlügum. Der ursprüngliche Familienname "Clausen" wurde latinisiert zu "Claudius". Über die mütterliche Familie war Claudius mit Theodor Storm und Johannes Brahms verwandt. Zu seinem Vater behielt er bis zuletzt ein herzliches und dankbares Verhältnis. Schon als Elfjähriger erlebte er den Tod mehrerer Geschwister. Schwester Lucia Magdalena, Bruder Lorenz und Halbbruder Friedrich Karl starben 1751 innerhalb weniger Wochen. Diese frühe Vertrautheit mit dem Sterben spiegelt sich darin, dass er den Tod später "Freund Hain" nannte und ihm sogar seine Bücher widmete.

Bis zur Konfirmation wurde Claudius vom Vater unterrichtet. Anschließend besuchte er gemeinsam mit seinem nur ein Jahr älteren Bruder Josias die Lateinschule in Plön. Im April 1759 immatrikulierten sich beide Brüder an der Universität Jena zum Studium der Theologie. Unter seinen Lehrern war Johann Georg Walch, der Herausgeber der Schriften Martin Luthers. Die Fachtheologie lag Claudius jedoch nicht, und den gesundheitlichen Anforderungen an einen Pfarrer fühlte er sich nicht gewachsen. Er wechselte zu Rechts- und Kameralwissenschaft. In Jena wurde er Mitglied der Deutschen Gesellschaft, die sich um deutschsprachige Literatur bemühte. Besonders bewunderte er Heinrich Wilhelm von Gerstenberg. Eine Pockenerkrankung überstand er. Sein Bruder Josias, der ihn gepflegt hatte, starb 1760 daran. Die erste veröffentlichte Schrift von Claudius war die Traueransprache, die er für Josias hielt. Sein Erstlingswerk Tändeleyen und Erzählungen erschien 1763 und erlebte trotz kritischer Aufnahme eine zweite Auflage. Ein Studienabschluss ist nicht gesichert. Möglich ist, dass er den Juris Utriusque Baccalaureus erwarb.

1764/65 reiste Claudius als Sekretär des Grafen Ulrich Adolph von Holstein nach Kopenhagen. Dort lernte er Friedrich Gottlieb Klopstock kennen, der seine weitere literarische Entwicklung prägte. Anschließend lebte er drei Jahre wieder in Reinfeld. Von 1768 bis 1770 arbeitete er als Redakteur der von Viktor Ludwig Klopstock herausgegebenen "Hamburgischen-Adreß-Comtoir-Nachrichten" in Hamburg. Dort trat er Lessing und Basedow nahe, lernte Herder kennen und freundete sich mit dem Übersetzer und Verleger J. Bode an. Im Januar 1771 zog er nach Wandsbeck und übernahm die Redaktion der Tageszeitung "Der Wandsbecker Bothe", die viermal pro Woche erschien. Drei der vier Druckseiten waren dem politischen Geschehen gewidmet, eine den "gelehrten Sachen". Diesen Teil gestaltete Claudius auf ganz eigene Art mit Gedichten und einem fiktiven Briefwechsel des Asmus mit seinem Vetter Andres. Als Autoren konnte er Klopstock, Johann Heinrich Voß, Gleim und Johann Georg Jacobi gewinnen. Die Zeitung wurde in ganz Deutschland bekannt, blieb aber finanziell erfolglos und erschien nur bis 1775.

Am 15. März 1772 heiratete Claudius in Wandsbeck die siebzehnjährige Anna Rebekka Behn, Tochter des örtlichen Zimmermanns und Gastwirts. Das Paar bekam zwölf Kinder. Das erstgeborene starb kurz nach der Geburt. Im Mittelpunkt seines Lebens standen die Kinder, mit denen er zahllose Feste feierte. 1774 wurde er in die Hamburger Freimaurerloge Zu den drei Rosen aufgenommen. Ab 1777 war er drei Jahre Redner der Andreasloge Fidelis. Durch Vermittlung Herders ging Claudius 1776 als Obercommissarius zur Oberlandkommission nach Darmstadt. Anfang 1777 übernahm er zusätzlich die Redaktion der "Hessen-Darmstädtischen privilegirten Land-Zeitung". Mit den hierarchischen Verhältnissen der Residenzstadt konnte er sich nicht arrangieren, erkrankte schwer und kehrte bereits nach einem Jahr mit seiner Familie nach Wandsbeck zurück. In Darmstadt hatte er die Söhne Friedrich Heinrich Jacobis als Zöglinge aufgenommen, die mit ihm nach Wandsbek zogen.

Obwohl die Zeitung nicht mehr erschien, publizierte Claudius weiterhin unter dem Namen "Der Wandsbecker Bothe". Seine Werke gab er ab 1775 in unregelmäßiger Folge unter dem Titel Asmus omnia sua secum portans heraus. Ab dem vierten Band 1783 überwogen religiöse Themen, und seine ablehnende Haltung gegenüber der Aufklärung trat immer stärker hervor. Damit stand er dem konservativen Emkendorfer Kreis nahe und führte einen mehrjährigen Streit mit August Adolph von Hennings. Seine finanzielle Lage war stets prekär. Ab 1785 erhielt er einen Ehrensold des dänischen Kronprinzen Friedrich. Dieser verschaffte ihm 1788 auch ein Revisorenamt bei der Schleswig-Holsteinischen Speciesbank im damals zu Dänemark gehörenden Altona. Dieses Auskommen beschnitt seine literarische Arbeit nicht, denn er musste nur viermal jährlich zur Prüfung der Quartalsabschlüsse erscheinen. Zwischen 1800 und 1811 übersetzte er Schriften von François Fénelon. Infolge der Kriegsereignisse um Hamburg in der Franzosenzeit floh Claudius 1813 über Westensee nach Kiel und Lübeck. Seine letzten Lebensmonate verbrachte er, inzwischen schwerkrank, im Haus seines Schwiegersohns Friedrich Christoph Perthes am Hamburger Jungfernstieg. Dort starb er am 21. Januar 1815 im Alter von 74 Jahren. Bestattet wurde er auf dem Friedhof an der Wandsbeker Christuskirche. Dort fand später auch seine Frau Rebekka ihre Ruhe, die ihn um siebzehn Jahre überlebte.


Literarische Merkmale

Claudius wurde in Vers und Prosa zum Anwalt der Natur, der Menschenliebe, Gerechtigkeit und Duldsamkeit, des Glaubens und des Friedens. Die ewigen Fragen wie die des Tages behandelte er, wie die Neue Deutsche Biographie festhält, in einer volkstümlichen, humorvollen, oft absichtlich naiven Sprache. Diese wurde zu seiner persönlichsten Ausdrucksform. Charakteristisch ist das scheinbar willkürliche Nebeneinander von Ernst und Scherz, Gedichten und Rezensionen, Traktaten und Epigrammen. So prägte es seine ab Ostern 1775 erscheinende Sammlung Asmus omnia sua secum portans – nach Urteil der NDB anspruchslose Dokumente einer vollkommenen Identität von Mensch und Schriftsteller.

Seine Anfänge waren nach dem Vorbild Heinrich Wilhelm von Gerstenbergs noch anakreontisch geprägt. Die eigentliche, originelle Schriftstellerei beginnt laut der Allgemeinen Deutschen Biographie erst fünf Jahre später mit seinem Eintreten in den Hamburger Kreis. Zu umfangreicheren eigenen poetischen Schöpfungen fehlte ihm die Kraft. Doch verfügte er über ein sicheres Urteil über zeitgenössische Dichtung. Mit schalkhaftem Humor brachte er seine aphoristischen Urteile in einer anfangs etwas forcierten, allmählich aber immer natürlicher werdenden volkstümlichen Sprache vor. Dabei streute er kleine lyrische Stücke ein, die Herder als "einzelne fliegende Blätter und fast nur Reihen ohne Gelehrsamkeit und fast ohne Inhalt, aber für gewisse Silbersaiten des Herzens" beschrieb. Die ADB nennt einzelne dieser Lieder Perlen im Schatz der deutschen Lyrik. Sie räumt jedoch ein, dass fast allen, mit Ausnahme des Abendlieds, formale Mängel anhaften.

Seit der Rückkehr aus Darmstadt sah Claudius sein Geschäft als "Bote" fast ausschließlich darin, "durch Ernst und Scherz, durch Gut und Schlecht, Schwach und Stark und auf allerlei Weise an das Bessere und Unsichtbare zu erinnern". Mit kindlichem Glauben erfasste er das Evangelium und vertrat ein lebendiges Herzenschristentum. Hinter dem ursprünglichen Volkston, urteilt die NDB, verberge sich eine hohe und bewusste Kunst.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten errang "Der Wandsbecker Bothe" eine besondere Stellung in der literarischen Welt. Dazu trugen die Beiträge der besten Autoren aus den Kreisen der Stürmer und Dränger und des Göttinger Hainbundes bei, vor allem aber die Arbeiten des Redakteurs selbst. Claudius wurde berühmt, sein Haus zum Ziel vieler Besucher von nah und fern. Mit der stärker hervortretenden konservativen und christlichen Gesinnung erntete er jedoch auch Widerstand. Die Xenien griffen ihn an, Rationalisten distanzierten sich, und alte Freunde fielen von ihm ab. Geister wie Hamann, Friedrich Heinrich Jacobi, Graf Friedrich Leopold zu Stolberg, Johann Georg Schlosser und dessen Schwiegersohn Georg Heinrich Ludwig Nicolovius verstanden ihn weiterhin. Den Weg zu ihm fanden auch Johannes von Müller, Friedrich Schlegel, Philipp Otto Runge, Barthold Georg Niebuhr und andere Romantiker. Herder nannte ihn nach seinem Tod "der reinste Mensch, den ich gekannt habe".

Die literaturgeschichtliche Würdigung knüpft daran an. Die Neue Deutsche Biographie urteilt, hinter dem ursprünglichen Volkston seiner Schriften verberge sich eine hohe und bewusste Kunst. Viele seiner Gedichte gehörten zum ewigen Schatz deutscher Poesie, einige seien zu Volksliedern geworden. Sein Werk wirkte bis weit ins 20. Jahrhundert weiter. Eine zweibändige Werkausgabe besorgte Carl Redlich 1907, eine dreibändige Berthold Adler 1924, eine einbändige Urban Roedl 1954. Daneben erschienen zahlreiche Auswahlausgaben. Auch die Familie blieb literarisch sichtbar. Sein Urenkel Hermann Claudius wurde Dichter, sein Urgroßneffe Wilhelm Claudius Landschafts- und Porträtmaler und Professor an der Dresdner Kunstakademie. Über die Tochter Caroline, die den Verlagsbuchhändler Friedrich Perthes heiratete, war Claudius zudem im hamburgischen Verlagswesen verankert.

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