1889 – 1963
Jean Cocteau
Kurzbiografie↑
Als Dichter, Dramatiker, Maler und Filmregisseur zählt Jean Cocteau (1889–1963) zu den vielseitigsten Künstlern der französischen Moderne. Er arbeitete in nahezu allen Gattungen – von der Lyrik über den Roman und das Theater bis zum Film. Trotz dieser Vielseitigkeit verstand er sich zeitlebens in erster Linie als Dichter und nannte sein gesamtes Werk schlicht Poesie. Zu seinen bekanntesten Arbeiten gehören der Roman Les Enfants terribles und der Film La Belle et la Bête. 1955 wurde er in die Académie Française aufgenommen und damit endgültig als kulturelle Autorität anerkannt.
Biografie↑
Geboren wurde Jean Maurice Eugène Clément Cocteau am 5. Juli 1889 in Maisons-Laffitte bei Paris. Er hatte eine ältere Schwester, Marthe, und einen älteren Bruder, Paul. Sein Vater war Rechtsanwalt und nahm sich das Leben, als Cocteau zehn Jahre alt war. Cocteau besuchte das Lycée Condorcet. Seine Mutter unternahm mit ihm ausgedehnte Reisen, und schon früh zeigte sich seine dichterische Begabung.
Mit siebzehn Jahren veröffentlichte er erste Gedichte. 1909 erschienen seine Gedichtbände La Lampe d’Aladin und Le Prince frivole, die ihn bekannt machten. Wertvolle Anregungen gaben ihm literarische Freundschaften, die er unter anderem mit Edmond Rostand, Marcel Proust, Catulle Mendès und André Gide schloss. Nebenher versuchte er sich am Ballett und lernte Igor Strawinsky kennen. Seinen ersten Roman, Le Potomak, verfasste er 1913.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs meldete sich Cocteau freiwillig, wurde jedoch als frontuntauglich befunden. Daraufhin organisierte er mit privaten Fahrzeugen Verwundetentransporte. Wegen illegaler Betätigung wurde er verhaftet, später aber rehabilitiert. 1917 schrieb er das Libretto für das kubistische Ballett Parade. Das Bühnenbild und die Kostüme schuf Pablo Picasso, die Musik stammte von Erik Satie, die Choreografie von Léonide Massine; getanzt wurde von der Truppe der Ballets Rußes. Es folgten Theaterstücke wie Orphée (1926) und La Machine infernale (1932) sowie weitere Gedichtbände und Romane.
Cocteau galt als Universalkünstler und wurde zum „Maître de Plaisir“ von Paris. Er schrieb Lyrik, Aphorismen, Kurzgeschichten, Novellen, Romane, Dramen und Drehbücher. Daneben betätigte er sich als Maler und Zeichner. Unter dem Eindruck von Picasso und der Surrealisten übernahm er zeitgenössische Stilarten. Anfang der 1930er Jahre drehte er seinen ersten Spielfilm, Le Sang d’un poète. Dieser stieß beim Publikum zunächst auf Ablehnung, doch später folgten Filme, die Filmgeschichte schrieben.
Cocteau war mit dem Schauspieler Jean Marais befreundet, dem er zahlreiche Rollen auf den Leib schrieb und als dessen Entdecker er gilt. Von den 1920er Jahren bis an sein Lebensende war er zudem eng mit dem deutschen Bildhauer Arno Breker befreundet. Auch während der deutschen Besatzung Frankreichs bekannte er sich öffentlich zu dieser Freundschaft. Im Mai 1942 nahm er an der Eröffnung einer Breker-Werkschau im Musée de l’Orangerie teil und veröffentlichte dazu das Huldigungsgedicht Salut à Breker. Damit provozierte er französische Freunde, die der Zusammenarbeit mit Deutschland kritisch gegenüberstanden. Seiner Nähe zu Breker und zur deutschen Botschaft stand eine distanzierte Haltung zum Vichy-Regime gegenüber, das Schriften und Stücke Cocteaus zensierte und in der unbesetzten Zone verbot. Der rechtsextreme Kritiker Alain Laubreux verfasste einen politisch motivierten Verriss über das im April 1941 uraufgeführte Stück La Machine à écrire. Nach einer persönlichen Beleidigung wurde Laubreux von Jean Marais zusammengeschlagen.
1947 kaufte Cocteau ein großes Landhaus in Milly-la-Forêt. Seine Kostüme und Bühnenbilder entwarf er oft selbst. Aufsehen erregten seine Decken- und Wandgemälde, etwa in der Kirche Notre Dame de France in London (1956) und im Trauungssaal des Rathauses von Menton (1958). 1949 veranstaltete er in Biarritz das Festival du film maudit. 1954 wurde er Mitglied der Akademie der Künste in Frankreich und Belgien, 1955 folgte die Aufnahme in die Académie Française. 1957 wählte man ihn als auswärtiges Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters. Am 30. Juni 1960 wurde er in Forges-les-Eaux zum französischen Dichterfürsten gewählt.
Cocteau war viele Jahre drogenabhängig und musste nach einer Opiumvergiftung behandelt werden. Er unterhielt Liebesbeziehungen zu Männern und Frauen und veröffentlichte mehrere Werke, in denen er die Homophobie scharf kritisierte. Am 11. Oktober 1963 starb er in seinem Landhaus in Milly-la-Forêt, ein halbes Jahr nach einem Herzinfarkt und einen Tag nach dem Tod seiner Freundin Édith Piaf. Für sie hatte er 1940 den erfolgreichen Einakter Le Bel Indifférent geschrieben. Vielfach wurde kolportiert, sein Herz habe versagt, als er die Nachricht von Piafs Tod erhielt. Sein Tagebuch Le Passé défini erschien nach seinem Willen erst posthum, zu seinem 100. Geburtstag im Jahr 1989.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Cocteau ist der ständige Wechsel zwischen den Künsten. Er schrieb Gedichte, Aphorismen, Kurzgeschichten, Novellen, Romane, Dramen und Drehbücher und arbeitete zugleich als Maler, Zeichner und Filmregisseur. Trotz dieser Vielfalt bestand er darauf, in erster Linie ein Dichter zu sein, und fasste sein gesamtes Schaffen unter dem Begriff Poesie zusammen.
Prägend war der Einfluss der bildenden Kunst. Unter dem Eindruck von Picasso und der Surrealisten übernahm Cocteau zeitgenössische Stilarten und suchte den Austausch mit anderen Künstlern. Für seine Bühnen- und Filmarbeiten entwarf er Kostüme und Bühnenbilder oft selbst. Auch als Filmregisseur beschritt er neue Wege: Sein erster Spielfilm, Le Sang d’un poète, stieß beim Publikum zunächst auf Ablehnung.
Rezeption↑
Schon zu Lebzeiten galt Cocteau als kulturelle Autorität. 1954 wurde er in die Akademien der Künste in Frankreich und Belgien aufgenommen, 1955 in die Académie Française. Als Surrealist wirkte er auf andere Künstler, unter ihnen eine Gruppe befreundeter Komponisten in Montparnasse, die sich Les Six nannte. Nicht alle Urteile fielen wohlwollend aus: André Breton bezeichnete ihn als „notorischen ‚falschen Dichter‘, einen Versmacher, der alles, was er berührt, ‚entwertet‘ statt ‚aufwertet‘“.
Sein Nachwirken zeigt sich bis heute in Museen und Ausstellungen. 1964 wurden Arbeiten Cocteaus auf der documenta III in Kassel gezeigt. In Menton, wo er sich seit 1955 regelmäßig aufhielt, besteht seit 1966 ein Musée Jean Cocteau; ein zweites, aus einer Schenkung des Sammlers Séverin Wunderman hervorgegangenes Haus kam 2011 hinzu. Beide Museen stellen zusammen etwa 2.000 Werke aus. Das Landhaus in Milly-la-Forêt kann seit 2010 als Maison Jean Cocteau besichtigt werden. Überliefert ist auch ein vielzitiertes Bonmot: „Gute Erziehung besteht darin, zu verbergen, wie sehr man sich selbst schätzt und wie wenig die anderen.“
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