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Porträt Guillaume Apollinaire
Guillaume Apollinaire
1880 – 1918
– Autorenporträt –

Guillaume Apollinaire

1880 – 1918 · 38 Jahre

Französischer Dichter der Pariser Avantgarde, der in seiner Sammlung „Alcools" die Interpunktion strich und die Begriffe Kubismus, Orphismus und Surrealismus mitprägte.

Kurzporträt

Zu den bedeutendsten französischen Dichtern des frühen 20. Jahrhunderts zählt Guillaume Apollinaire. Er wurde 1880 in Rom geboren, als Sohn einer Mutter polnisch-italienischer Herkunft. Seinen Taufnamen Guglielmus Apollinaris Albertus Kostrowitzky trug er in der Kindheit. Vor allem seine Lyrik machte ihn berühmt, allen voran die Gedichtsammlung Alcools. In ihr tilgte er die Interpunktion vollständig. Als Kunstkritiker stand er im Zentrum der Pariser Avantgarde. Er half, Begriffe wie Kubismus, Orphismus und Surrealismus zu prägen. Sein Leben war von Geldnot, journalistischer Arbeit und einem Kriegseinsatz im Ersten Weltkrieg gezeichnet. Er starb 1918 in Paris an der Spanischen Grippe.


Biografie

Geboren wurde Apollinaire am 26. August 1880 in Rom. Laut Taufurkunde hieß er Guglielmus Apollinaris Albertus Kostrowitzky. Sein Großvater war ein emigrierter polnischer Kleinadliger mit russischer Staatsangehörigkeit. Er war in Rom in den Dienst des Vatikans getreten und hatte eine Italienerin geheiratet. Seine Mutter, Angelica Kostrowicka, war über Jahre die Geliebte eines ehemaligen Offiziers des aufgelösten Königreichs Neapel, Francesco Flugi d'Aspermont. Dieser gilt als Vater Apollinaires und seines jüngeren Bruders Roberto. Dessen Familie stammte aus St. Moritz und gehörte zu den alten Geschlechtern des Oberengadins.

Seine Kindheit verlebte Apollinaire italienischsprachig in Rom. Die Gymnasialzeit verbrachte er dann französischsprachig, zunächst in Monaco. Dorthin war die Mutter 1887 umgezogen, nachdem Flugi d'Aspermont das Verhältnis 1885 auf Druck seiner Familie beendet hatte. 1895 wechselte er, damals als Guillaume de Kostrowitzky, auf ein Gymnasium in Cannes, 1897 auf eines in Nizza. Als Gymnasiast lernte er Latein, Griechisch und Deutsch. Das baccalauréat legte er jedoch nicht ab. Anfang 1899 zog die Mutter mit den beiden Söhnen nach Paris. Den Sommer verbrachte die Familie im belgischen Stavelot, wo erste Gedichte und Erzählversuche entstanden.

Zurück in Paris lebte er schlecht als recht von kleinen Jobs, unter anderem als Ghostwriter eines arrivierten Literaten. 1901 reiste er mit der englischen Kollegin Annie Playden ins Rheinland, wo er ein Jahr als Französischlehrer arbeitete. Diese Zeit inspirierte ihn zu melancholischen Gedichten, die später teilweise in Alcools eingingen. Reisen nach Deutschland, Prag und Wien schlugen sich in Gedichten und Reise-Impressionen für Pariser Zeitungen nieder. Anfang 1902 wählte er für seine erste gedruckte Erzählung, L'Hérésiarque, das Pseudonym „Guillaume Apollinaire". Diesen Namen benutzte er fortan ständig. Seit 1902 arbeitete er als kleiner Bankangestellter. Daneben schrieb er Gedichte, Erzählungen und Literaturkritiken und freundete sich mit Literaten an, insbesondere mit Alfred Jarry.

1904 erschien die märchenhaft-surrealistische Erzählung L'Enchanteur pourrissant. 1909 kam sie als Buch mit Holzschnitten von André Derain heraus. 1905 lernte er Pablo Picasso und Max Jacob kennen und wuchs in die Rolle eines Kunstkritikers hinein. Gelegentlich schrieb er auch pornografische Texte wie Les onze mille verges und Les exploits d'un jeune Don Juan (beide 1907). Mit der Malerin Marie Laurencin verband ihn ab 1907 eine stürmische Beziehung, bis sie ihn 1912 verließ. 1910 veröffentlichte er unter dem Titel L'Hérésiarque & Cie. einen Sammelband mit 23 meist kurzen, oft düster-fantastischen Erzählungen. Das Buch wurde erfolglos für den Prix Goncourt nominiert. Ab 1911 nahm er an der Puteaux-Gruppe teil, die sich bis 1914 traf, um über Kunst zu sprechen.

Im Sommer 1911 geriet Apollinaire in eine missliche Lage. Nach dem Diebstahl der Mona Lisa aus dem Louvre kam er in den Umkreis der Verdächtigen. Ein Bekannter namens Géry Pieret hatte bei ihm gewohnt und zuvor Skulpturen aus dem Museum entwendet. Am 7. September 1911 wurde er verhaftet, weil Pieret zeitweise bei ihm gewohnt hatte und er des Besitzes gestohlener Museumsstücke verdächtig war. Nach etwa einer Woche Haft entließ ihn die Polizei mangels Beweisen. Der Prozess wurde im Januar 1912 eingestellt. Mit dem eigentlichen Mona-Lisa-Diebstahl hatte er nichts zu tun.

1912 stellte er aus seinen besten lyrischen Texten einen Band zusammen, der zunächst Eau-de-vie heißen sollte. Auf den fertigen Druckfahnen änderte er den Titel in Alcools und tilgte die gesamte Interpunktion. Bei seinem Erscheinen im April 1913 wurde das Bändchen von der offiziösen Kritik negativ bewertet. Kurz zuvor hatte er die Sammlung von Kunstartikeln Les peintres cubistes herausgebracht und darin den Begriff Orphismus geprägt. Zu seinen Erzählungen dieser Jahre zählen Le Poète assassiné und Les trois Don Juan. Um 1914 begann er mit Bildgedichten, die er später Calligrammes nannte.

Bei Kriegsausbruch 1914 meldete sich Apollinaire freiwillig, wurde aber zunächst als Ausländer abgelehnt. Im Dezember beantragte er seine Einbürgerung samt Namensänderung, die sein Pseudonym zum offiziellen Namen machte. Im Frühsommer 1915 kam er an die Front, zunächst zur Artillerie, später ganz nach vorn. Im März 1916, wenige Tage nach Vollzug der Einbürgerung, verletzte ihn ein Granatsplitter an der Schläfe. Er musste mehrfach operiert werden und erhielt eine Tapferkeitsmedaille. Während des Genesungsurlaubs beendete er begonnene Werke wie Calligrammes und Le Poète assassiné. Außerdem schrieb er das Stück Les mamelles de Tirésias, das im Juni 1917 aufgeführt wurde. Im Frühjahr 1917 verfasste er den Roman La Femme assise und tat später Dienst in der Zensurabteilung des Kriegsministeriums. Aus dieser Zeit stammt das Manifest L'esprit nouveau et les poètes. Im Mai 1918 heiratete er Jacqueline Kolb. Wenige Monate später erlag er der Spanischen Grippe und wurde auf dem Friedhof Père-Lachaise beigesetzt. In seinem Nachlass fanden sich zahlreiche Gedichte und Prosa-Fragmente, die in den folgenden Jahren gedruckt wurden.


Literarische Merkmale

Vielseitigkeit kennzeichnet das Schaffen Apollinaires, der zugleich Dichter, Erzähler und Kunstkritiker war. In seiner Lyrik wagte er einen radikalen Schritt. Für die Sammlung Alcools tilgte er auf den schon fertigen Druckfahnen die gesamte Interpunktion. Das war damals nicht völlig neu, sollte aber erst in den 1920er Jahren Schule machen. Viele seiner Verse aus den Lehrjahren tragen einen melancholischen Grundton.

In seinen Erzählungen schrieb er oft düster-fantastische, manchmal märchenhafte Texte. Deren Art erinnert an Autoren wie E. T. A. Hoffmann, Gérard de Nerval, Edgar Allan Poe und Barbey d'Aurevilly. Daneben verfasste er auch pornografische Auftragsarbeiten.

Bekannt wurde Apollinaire zudem für seine Bildgedichte, in denen die Anordnung der Wörter eine Figur ergibt. Er nannte sie zunächst „Ideogramme" und später Calligrammes. Diesen Begriff hatte zuerst der Schriftsteller Edmond Haraucourt verwendet. Als Kunstkritiker prägte er mit seinen Schriften die Begriffe Kubismus und Orphismus mit. Den Begriff Surrealismus führte er ebenfalls ein.


Rezeption

Zunächst stieß Apollinaires wichtigstes Werk auf Ablehnung. Die offiziöse Kritik bewertete Alcools bei seinem Erscheinen 1913 negativ. Der Dichter hatte sich davon einen Durchbruch erhofft. Er reagierte mit aggressiven Formulierungen in literatur- und kunsttheoretischen Artikeln. Die Gegenangriffe trieben ihn sogar zu unrealisiert gebliebenen Duellforderungen.

Den eigentlichen Erfolg des Bändchens erlebte Apollinaire nicht mehr. Er zeigte sich später unter anderem in der Vertonung einzelner Texte durch Komponisten wie Arthur Honegger, Léo Ferré, Bohuslav Martinů, Francis Poulenc und Dmitri Schostakowitsch. Auch sein Theaterstück Les mamelles de Tirésias verarbeitete Poulenc später zu einer Oper, die 1947 ihre Premiere hatte.

Schon zu Lebzeiten gewann Apollinaire während seines Genesungsurlaubs an Ansehen. Er hielt Vorträge über zeitgenössische Lyrik und konnte feststellen, dass er im Pariser Literaturbetrieb inzwischen etwas galt. Nach seinem Tod fanden sich in seinem Nachlass zahlreiche Gedichte und Prosa-Fragmente. Sie wurden in den folgenden Jahren gedruckt und festigten seine Position in der Literaturgeschichte.

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