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Apuleius
Kurzporträt↑
Als römisch-numidischer Schriftsteller, Redner und Philosoph der Antike gehört Apuleius zu den eigenwilligsten Gestalten der lateinischen Literatur. Geboren wurde er wohl um 124 in Madauros, dem heutigen M'Daourouch im Nordosten Algeriens. Sein Todesjahr liegt wohl nach 170. Seinen bis heute andauernden Ruhm verdankt er vor allem dem lateinischen Roman Metamorphosen, auch bekannt als Der goldene Esel. Dieser Roman wird zur Weltliteratur gezählt. Die darin eingefügte Erzählung von Amor und Psyche hat seit der Renaissance ein breites Publikum fasziniert. Sie lieferte zahllosen Dichtern, Malern, Bildhauern und Komponisten Stoff. Apuleius gilt als jüngster Vertreter der sogenannten Silbernen Latinität. Neben dem Roman schrieb er auch Gedichte, Reden und Abhandlungen über vor allem philosophische Themen. Ein großer Teil davon ist jedoch verloren.
Biografie↑
Über das Leben des Apuleius ist nur wenig gesichert. Abgesehen von einer einzigen Inschrift stehen als Quellen allein seine eigenen Werke zur Verfügung. Schon das Geburtsjahr ist nicht eindeutig überliefert. Üblicherweise wird es um 124 angesetzt. Die genaue Angabe ist in der Forschung umstritten, denn die antiken Quellen lassen Spielraum zwischen etwa 123 und 125. Auch der oft genannte Vorname Lucius ist nicht stichhaltig belegt. Gesichert ist nur sein Gentilname Apuleius.
Er stammte aus einer angesehenen, wohlhabenden Familie römischer Bürger. Seine Heimatstadt war Madauros in der römischen Provinz Africa proconsularis. Sich selbst bezeichnete er als „Halbnumider und Halbgaetuler". Sein Vater war dort Duumvir, also Angehöriger der zweiköpfigen Stadtregierung. Beim Tod des Vaters erbte Apuleius zusammen mit seinem Bruder ein Vermögen von zwei Millionen Sesterzen.
Seinen ersten Unterricht erhielt Apuleius wohl in Madauros. Danach wurde er in Karthago in der Rhetorik ausgebildet, dem kulturellen Zentrum des römischen Nordafrika. Schon damals entschied er sich für den Mittelplatonismus als seine philosophische Richtung. Zum Studium der Philosophie ging er anschließend nach Athen. Dort vervollkommnete er seine Bildung, besonders in Dichtkunst, Rhetorik, Geometrie und Musik. Zu seinen dortigen Lehrern gehörte möglicherweise Lukios Kalbenos Tauros, der prominenteste Platoniker Athens jener Zeit. Apuleius war auch offen für den Neupythagoreismus, der sich damals oft mit dem Platonismus vermischte. Während seines Aufenthalts in Griechenland ließ er sich in mehrere Mysterienkulte einführen. Sein lebhaftes Interesse an religiösem Geheimwissen brachte ihm später den Ruf ein, ein Magier zu sein.
Nach dem Abschluss seiner Ausbildung unternahm er ausgedehnte Reisen. Sie führten ihn unter anderem nach Samos und Phrygien. Zeitweise hielt er sich in Rom auf, wo er möglicherweise als Anwalt tätig war. Zu seiner rhetorischen Tätigkeit gehörten auch Vorträge über philosophische und religiöse Themen. Damit reihte er sich in jene Bewegung ein, die man mit dem vagen Begriff „Zweite Sophistik" bezeichnet. Deren Vertreter waren Rhetoriklehrer, die zugleich öffentlich auftraten, eine wirkungsvolle Redekunst nach klassischen Vorbildern pflegten und zum Teil auch Schriftsteller waren. Die Verbindung von Philosophie und Redekunst entsprach dem Zeitgeist. Für einen Platoniker war sie aber begründungsbedürftig, da Platon die Rhetorik scharf kritisiert hatte.
Seine letzte Lebensphase verbrachte Apuleius wieder in Nordafrika. In Oea, dem heutigen Tripolis, heiratete er die reiche, etwas ältere Witwe Aemilia Pudentilla. Dazu hatte ihn deren Sohn Pontianus überredet. Mit ihm war er seit der Studienzeit befreundet, und er fürchtete um das Familienvermögen. Der Bruder von Pudentillas verstorbenem erstem Ehemann missbilligte die Heirat wegen der erbrechtlichen Folgen. Im Namen des jüngeren Sohnes Pudens erhob er Anklage: Apuleius habe die Ehe durch magische Beeinflussung herbeigeführt. Wohl 158 oder 159 fand der Prozess in Sabratha statt, mit dem Prokonsul Claudius Maximus als Richter. Apuleius verteidigte sich wirkungsvoll und wurde freigesprochen.
Später ließ er sich in Karthago nieder, wo er ein Priesteramt übernahm. Wahrscheinlich wurde er leitender Priester im Kaiserkult der Provinz. In den sechziger Jahren ist er dort noch bezeugt, dann verliert sich seine Spur. Ort und Zeitpunkt seines Todes sind unbekannt. Das Todesjahr wird mit „wohl nach 170" angegeben. Zwei seiner philosophischen Werke widmete er seinem „Sohn" Faustinus. Ob damit ein leiblicher Sohn oder ein Schüler gemeint ist, bleibt unklar.
Literarische Merkmale↑
Kennzeichnend für Apuleius ist eine kunstvolle, anspielungsreiche Sprache. Ihre Bewertung scheidet seit jeher die Geister. Schon die Zeitgenossen und die Nachwelt stritten darüber. Der humanistische Herausgeber Giovanni Andrea Bussi lobte den Reichtum und die Anmut seiner Sprache, und Filippo Beroaldo der Ältere verstand ihn als stilistisches Vorbild. Der Humanist Lorenzo Valla urteilte 1442 dagegen vernichtend: Wer den Stil des Apuleius nachahme, der scheine tierische Laute von sich zu geben. Die strengen Ciceronianer lehnten ihn überhaupt ab und betrachteten seine Schreibweise als Symptom des Kulturverfalls.
Der Roman Metamorphosen gilt wegen seiner Vielschichtigkeit als eines der anspruchsvollsten Werke der Klassischen Philologie. Seine raffinierte Erzähltechnik und die geschickte Verhüllung der eigentlichen Absichten des Autors haben in der Forschung eine Fülle konkurrierender Deutungen hervorgebracht. Über den Roman hinaus arbeitete Apuleius in ganz verschiedenen Formen. Er verfasste Gedichte, hielt Reden und schrieb Abhandlungen über vor allem philosophische Themen. Diese Verbindung von wirkungsvoller Redekunst, philosophischer Gelehrsamkeit und erzählerischer Kunst macht das Eigentümliche seines Schreibens aus.
Rezeption↑
Apuleius genoss hohes Ansehen. Seine Heimatstadt Madauros errichtete ihm eine Statue und nannte ihn in der Inschrift den „Schmuck" der Stadt. In Karthago und anderen afrikanischen Städten wurden ihm schon zu seinen Lebzeiten Standbilder gesetzt. Zugleich blieb er der Nachwelt als Zauberer und Wundertäter in Erinnerung, obwohl er sich im Prozess erfolgreich gegen den Magie-Vorwurf verteidigt hatte. In der Spätantike wurde er auf Medaillons abgebildet, eine Ehrung, die nur wenigen Philosophen und Schriftstellern zuteilwurde. Der Kaiser Septimius Severus hingegen rechnete den Roman zur Trivialliteratur. Er warf seinem Rivalen Clodius Albinus vor, nur ein eifriger Leser der Metamorphosen zu sein.
Großes Gewicht hatte Apuleius für die christlichen Autoren der Spätantike. Der Kirchenvater Augustinus setzte sich in De civitate dei eingehend mit dessen Dämonenlehre auseinander. Er hielt Apuleius für eine bedeutende philosophische Autorität und zitierte keinen anderen heidnischen Autor so häufig. Im späten 5. oder 6. Jahrhundert deutete Fulgentius die Erzählung von Amor und Psyche christlich um und begründete damit ihre allegorische Auslegung.
Im Mittelalter war Apuleius vor allem als Philosoph bekannt, während Roman und Reden nur wenig verbreitet waren. Die älteste erhaltene Handschrift der Metamorphosen entstand im 11. Jahrhundert im Kloster Montecassino. Johannes von Salisbury bewunderte sowohl seine Philosophie als auch die Schönheit seines Stils und übernahm in seinem Policraticus ganze Kapitel. Seine Logikschrift Peri hermeneias wirkte über Cassiodor und Isidor von Sevilla bis in das scholastische Lehrgut hinein.
Eine breite Wirkung entfaltete der Roman in der Frühen Neuzeit. Giovanni Boccaccio verschaffte sich früh Zugang zu einer Abschrift und nahm Geschichten daraus in sein Decamerone auf. Auch Petrarca besaß eine Handschrift, die er mit Hunderten von Randbemerkungen versah. 1469 erschien in Rom die erste gedruckte Ausgabe. Das Motiv des in einen Esel verwandelten Menschen wurde im 16. Jahrhundert vielfach aufgegriffen, etwa in Niccolò Machiavellis unvollendetem Gedicht L'asino. Für die Gattung des Schelmenromans hatten die Metamorphosen wohl Vorbildcharakter, doch ist dieser Einfluss im Einzelnen umstritten. Übersetzungen erschienen in mehreren Sprachen, darunter 1538 die erste deutsche von Johann Sieder, reich illustriert mit 78 Holzschnitten. Besonders die Erzählung von Amor und Psyche hat seit der Renaissance immer wieder Dichter, Maler, Bildhauer und Komponisten angeregt.
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