421
The Peach Blossom Spring
Überblick↑
Die Erzählung The Peach Blossom Spring (chinesisch 桃花源記, Táohuā Yuán Jì, wörtlich „Quelle der Pfirsichblüten“) schrieb Tao Yuanming im Jahr 421 n. Chr. Sie berichtet, wie ein Fischer durch Zufall auf ein verborgenes, glückliches Land stößt, dessen Bewohner seit Jahrhunderten im Einklang mit der Natur leben und nichts von der Außenwelt wissen. Der Text gehört zu den bekanntesten Prosastücken der klassischen chinesischen Literatur. Sein Name ist bis heute eine feste Wendung für einen Ort voller Schönheit und Ruhe, gelegentlich auch für einen Wunschtraum, der sich nicht erfüllen lässt.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Die Handlung spielt in der Taiyuan-Zeit der Jin-Dynastie. Ein Fischer aus Wuling fährt einen Fluss hinauf und gerät in einen Wald, der ganz aus blühenden Pfirsichbäumen besteht. Selbst der Boden ist mit Blütenblättern bedeckt. Am oberen Ende des Wassers findet er eine Grotte. Der Eingang ist zunächst eng, doch er zwängt sich hindurch, und der Gang führt ihn schließlich in ein Dorf mit Menschen jeden Alters und mit Tieren.
Die Bewohner sind über den Fremden erstaunt, nehmen ihn aber freundlich auf. Sie erzählen ihm, dass ihre Vorfahren während der Unruhen der Qin-Zeit hierher geflohen sind. Seither hat niemand den Ort verlassen oder Kontakt nach außen gehabt. Von allen späteren Herrschern und Umbrüchen haben sie nie gehört; sie versorgen sich selbst und sind zufrieden. Der Fischer bleibt über eine Woche als Gast. Beim Abschied gibt man ihm einen Rat mit auf den Weg.
Die Handlung im Detail↑
Der Text entstand in einer Zeit politischer Unsicherheit und nationaler Zerrissenheit, und in eben dieser Zeit ist er auch angesiedelt: in der Taiyuan-Ära der Jin-Dynastie. Ein Fischer aus Wuling fährt ziellos auf einem Fluss und gelangt in einen Wald, der ausschließlich aus blühenden Pfirsichbäumen besteht. Der Boden ist über und über mit Blütenblättern bedeckt. Wo das Wasser endet, liegt der Ursprung in einer Grotte. Der Durchgang ist anfangs schmal, doch der Fischer schiebt sich hindurch und steht am Ende vor einem Dorf.
Die Menschen dort sind überrascht, ihn zu sehen, begegnen ihm jedoch mit Güte. Sie berichten, dass ihre Vorfahren in den Wirren der Qin-Dynastie hierher geflohen sind. Seitdem hat niemand das Tal verlassen, und Nachrichten von draußen sind nie eingetroffen. Von den Herrschaftswechseln der Jahrhunderte wissen sie nichts. Sie leben glücklich und versorgen sich selbst. Der Fischer wird gastfreundlich bewirtet und bleibt mehr als eine Woche.
Beim Aufbruch sagt man ihm, es habe keinen Sinn, der Welt von diesem Ort zu erzählen. Der Fischer aber bringt auf dem Rückweg Zeichen an, um sich den Weg zu merken, und berichtet später doch von dem Zufluchtsort. Andere machen sich auf die Suche. Sie versuchen es immer wieder, doch das Tal ist nicht mehr zu finden.
Stil↑
Erzählt wird in knapper, nüchterner Prosa, die eher an einen Bericht als an ein Märchen erinnert. Schon der chinesische Titel trägt das Wort für „Aufzeichnung“. Genaue Angaben zu Zeit und Ort, die Taiyuan-Ära und die Herkunft des Fischers aus Wuling, geben dem Wunderbaren einen sachlichen Rahmen. Das Erstaunliche wird ohne Ausschmückung mitgeteilt.
Die Bilder sind einfach und einprägsam: der Wald aus lauter blühenden Pfirsichbäumen, der mit Blütenblättern bedeckte Boden, der enge Spalt in der Grotte, durch den der Fischer sich zwängen muss. Der schmale Durchgang trennt die vertraute Welt von der verborgenen. Die Erzählung ist kurz gehalten und verzichtet auf ausgeführte Figurenzeichnung; alles ist auf die eine Begegnung hin angelegt.
Rezeption↑
Nachgewirkt hat der Text vor allem als Bild. Der Tang-zeitliche Dichter Li Bai spielte in seinem Gedicht A Gift to Wang Lun (贈汪倫) um 750 auf die Pfirsichblütenquelle an. Aus der Erzählung ging außerdem die feste Vier-Zeichen-Wendung shìwài táoyuán (世外桃源) hervor, wörtlich „die Pfirsichquelle außerhalb dieser Welt“. Sie bezeichnet einen abgelegenen, unerwartet herrlichen Ort, meist eine unberührte Landschaft von großer Schönheit.
Zahlreiche spätere Gedichte, Musikstücke und Bilder greifen den Stoff auf. In manchen Gedichten werden die Dorfbewohner zu xian, zu Unsterblichen. In Taiwan entstand das moderne Theaterstück Secret Love for the Peach Blossom Spring, das später auch verfilmt wurde. Im Kreis Taoyuan in der Provinz Hunan erinnert ein Nationalpark, das Taohuayuan-Gebiet, an die Erzählung. Ins Englische übertragen wurde der Text unter anderem von Rick Davis und David Steelman sowie von Cyril Birch.
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