0365 – 0427
Tao Yuanming
Kurzbiografie↑
Zu den bekanntesten Dichtern des alten China zählt Tao Yuanming, der auch unter dem Namen Tao Qian überliefert ist. Er lebte während der Östlichen Jin-Dynastie und wurde als „Meister von den fünf Weiden“ bekannt. Sein Werk ist schmal geblieben: rund hundert Gedichte sowie einige Biographien und Opferreden. Sein großes Thema war der Rückzug aus der Welt der Ämter auf das eigene Land. Die Erzählung Aufzeichnung vom Pfirsichblütenquell und der Gedichtzyklus Beim Wein gehören zu seinen bekanntesten Texten.
Biografie↑
Geboren wurde Tao Yuanming im Jahr 365 als Sohn einer verarmten Offiziersfamilie. Die Angaben zu seinen Lebensdaten gehen allerdings auseinander. Wikidata nennt den 11. Februar 365 als Geburtstag und den 21. November 427 als Todestag, während die Deutsche Nationalbibliothek nur die Jahreszahlen 365 und 427 führt. Daneben gibt es Quellen, die das Geburtsjahr 372 angeben. Als Geburtsort wird Lushan genannt, doch ist auch diese Angabe nicht überall belegt.
Über seine Jugend ist wenig bekannt. Im Jahr 393 übernahm er einen untergeordneten Posten in der Bezirksverwaltung von Pengze. Lange hielt er es dort nicht aus. Die Überheblichkeit einiger ihm vorgesetzter Aristokraten verleidete ihm den Dienst, und bereits zwei Jahre später zog er sich mit dreißig Jahren auf sein Anwesen zurück, um Landwirtschaft zu treiben.
Ganz endgültig war dieser erste Rückzug nicht. Im Jahr 399 trat Tao in die Dienste des Provinzgouverneurs Huan Xuan. Dieser hatte sich vor allem durch hartes Durchgreifen gegen Bauernaufstände einen Namen gemacht. Nicht zuletzt deshalb wechselte Tao bald ins Lager von Huans Gegenspieler Liu Xu, der sich am Ende durchsetzte. Eine Weile arbeitete er für Liu. Dann hatte er genug: Falschheit und Korruption widerten ihn an, und 405 kehrte er endgültig auf sein Landgut zurück.
Dort verbrachte er den Rest seines Lebens. Er umgab sich mit ausgewählten Freunden, unter ihnen Buddhisten und Taoisten, und widmete sich ganz der Literatur.
Eine besondere Vorliebe hatte Tao Yuanming für berauschende Getränke. Während eines kurzen Zwischenspiels im Amt ließ er den Gemeindeacker vollständig mit Schnapsreis bepflanzen. Erst seine Frau brachte ihn dazu, wenigstens ein Sechstel der Fläche dem Speisereis zu überlassen. Sein Urgroßvater Tao Kan, ein hoher kaiserlicher General der Östlichen Jin-Dynastie, hatte sich ausgerechnet durch die strenge Bekämpfung jeglichen Alkoholgenusses in der Truppe hervorgetan.
Gestorben ist Tao Yuanming im Jahr 427. Überliefert ist er unter zahlreichen Namensformen, darunter Tao Qian, Tao Yuanliang, Tao Jingjie und Tao Pengze.
Literarische Merkmale↑
Sein Werk ist überschaubar: etwa hundert Gedichte, dazu einige Biographien und Opferreden. Das zentrale Thema aber kehrt darin immer wieder, nämlich der Rückzug von der Welt. Vor allem die Heimkehr auf sein Landgut hat Tao Yuanming immer neu besungen. „Der wandernde Vogel sehnt heim sich zum Walde, dem Fisch im Teich bleibt unvergesslich sein See“, heißt es in Zurück zum Landleben. Das Bild ist einfach und sofort verständlich: Jedes Geschöpf zieht es dorthin zurück, wo es hingehört.
Berühmt geworden ist eine Szene aus dem Poem von der Heimkehr. Die Kinder des Dichters empfangen ihren Vater am Ostzaun des Anwesens, und dieser pflückt dort eine Chrysantheme. Die Blume gilt in China als Sinnbild der vornehmen Zurückgezogenheit. Kunst und Literatur haben diese Szene später vielfach aufgegriffen.
Wie ein Märchen erzählt sich die Aufzeichnung vom Pfirsichblütenquell, ursprünglich als Vorwort zu einem Gedicht verfasst. Ein Fischer aus Wuling rudert ein Flüsschen hinauf und gerät in einen Pfirsich-Hain. Er folgt dem Wasserlauf bis zur Quelle und entdeckt am Ende des Hains eine Felsspalte. Durch sie gelangt er in ein fruchtbares Land, wo ihn frohe und hilfsbereite Menschen mit offenen Armen empfangen und reichlich bewirten. Ihre Vorfahren, so erzählen sie, hätten sich schon in den schrecklichen Zeiten des Hauses Qin hierher zurückgezogen. Seither lebten sie abgeschieden, aber in Glück und Frieden. Sie bitten den Fischer, nach seiner Rückkehr niemandem von ihnen zu erzählen. Er verrät das Geheimnis dennoch. Doch weder die Truppen des Provinzgouverneurs noch der ehrenwerte Gelehrte Liu Ziqi finden den Zugang zu dieser Landschaft je wieder.
Ein weiterer Grundton seiner Dichtung ist der Wein. Der zwanzigteilige Gedichtzyklus Beim Wein handelt von Trunkenheit und Nüchternheit, aber ebenso von Ruhm und Rückzug.
Rezeption↑
Bekannt geblieben ist Tao Yuanming vor allem durch seine Bilder vom Rückzug aufs Land. Die Szene mit der Chrysanthemenblüte am Ostzaun aus dem Poem von der Heimkehr wurde in China später vielfach von Kunst und Literatur aufgegriffen. Auch der zwanzigteilige Zyklus Beim Wein hat sich dem Gedächtnis eingeprägt. Sein Beiname „Meister von den fünf Weiden“ ist bis heute geläufig. Im deutschen Sprachraum ist er unter zahlreichen Umschriften seines Namens verzeichnet, unter anderem als T'ao Ch'ien, T'ao Yüan-ming und Tao Qian.
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