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Porträt Booth Tarkington
Booth Tarkington
1869 – 1946
– Autorenporträt –

Booth Tarkington

1869 – 1946 · 76 Jahre

Booth Tarkington zählte zu Lebzeiten zu den erfolgreichsten Romanschriftstellern Amerikas und gewann zweimal den Pulitzer-Preis – nach seinem Tod wurde er von einer jüngeren, moderneren Schriftstellergeneration überflügelt.

Kurzbiografie↑

Booth Tarkington gehörte zu Lebzeiten zu den bekanntesten und erfolgreichsten Romanschriftstellern der Vereinigten Staaten. Zweimal wurde er mit dem Pulitzer-Preis für Romane ausgezeichnet – für The Magnificent Ambersons und Alice Adams. Große Popularität brachten ihm auch seine Bücher über den Jungen Penrod und den Roman Seventeen ein. Nach seinem Tod geriet der einst hochgeschätzte Autor jedoch in relative Vergessenheit, weil ihn eine jüngere, der literarischen Moderne verpflichtete Generation künstlerisch überflügelte.


Biografie↑

Geboren wurde Newton Booth Tarkington am 29. Juli 1869 in Indianapolis im US-Bundesstaat Indiana. Sein Vater John S. Tarkington war Rechtsanwalt, seine Mutter hieß Elizabeth Booth Tarkington. Seinen Vornamen „Booth“ erhielt er nach seinem Onkel mütterlicherseits, Newton Booth, der elfter Gouverneur von Kalifornien und US-Senator war.

Tarkington besuchte zunächst die Shortridge High School in seiner Heimatstadt und wechselte später an die Philipps Exeter Academy in Exeter im Bundesstaat New Hampshire. Danach begann er ein Studium an der Purdue University und ging zwei Jahre später an die Princeton University. Trotz des wirtschaftlichen Einbruchs jener Jahre konnte sich die Familie diese Ausbildung leisten.

Im Jahr 1902 heiratete er Laurel Fletcher. Aus dieser Ehe ging eine Tochter hervor, Laurel (1906–1923). 1911 ließ sich das Paar scheiden. Im Jahr darauf heiratete Tarkington in zweiter Ehe Susannah K. Robinson.

Ab den 1920er-Jahren begann Tarkington sein Augenlicht zu verlieren und war nach einigen Jahren vollständig erblindet. Seine weiteren Werke diktierte er fortan einer Sekretärin. 1923 ließ er sich wieder in seiner Heimatstadt nieder und blieb dort bis an sein Lebensende. Regelmäßig zog es ihn zu seinem Ferienhaus nach Kennebunkport im Bundesstaat Maine.

Neben dem literarischen Werk engagierte er sich auch außerhalb der Literatur: Er verfasste das Vorwort zu dem Buch New Lands (1923) des Parawissenschaftlers Charles Fort und war 1931 Gründungsmitglied der Fortean Society. 1945 zeichnete ihn die American Academy of Arts and Letters für sein Gesamtwerk mit der William Dean Howells Medaille aus. Booth Tarkington starb am 19. Mai 1946 in Indianapolis und wurde dort auf dem Crown Hill Cemetery bestattet.


Literarische Merkmale↑

Seinen ersten Roman veröffentlichte Tarkington 1899 unter dem Titel The Gentleman from Indiana. Es folgten zahlreiche weitere Werke wie Monsieur Beaucaire (1900), The Two Vanrevels (1902) und The Turmoil (1915), die seinen Bekanntheitsgrad allmählich steigerten.

Große Beliebtheit beim amerikanischen Publikum brachten ihm die drei Bücher Penrod (1914), Penrod and Sam (1916) und Penrod Jashber (1929) ein. Sie schildern das Aufwachsen des etwa elfjährigen Jungen Penrod im Mittleren Westen in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg. Diese Figur zog Vergleiche mit Mark Twains Helden Tom Sawyer und Huckleberry Finn auf sich; für mehrere Jahrzehnte war Penrod in den Vereinigten Staaten ähnlich populär. Ebenfalls großen Anklang fand der Roman Seventeen (1916) über die Liebeswirren eines Siebzehnjährigen.

Den Höhepunkt seiner Laufbahn erreichte Tarkington mit den Romanen The Magnificent Ambersons (1918) und Alice Adams (1921), für die er jeweils den Pulitzer-Preis für Romane erhielt. Er zählt zu nur vier Autoren, die diesen Preis in der Kategorie mehr als einmal gewannen, neben William Faulkner, John Updike und Colson Whitehead. Während The Magnificent Ambersons den schleichenden Untergang einer traditionsbewussten und arroganten Familie im beginnenden Autozeitalter schildert, erzählt Alice Adams von den scheiternden Aufstiegsversuchen einer jungen Frau aus einfachen Verhältnissen. Diese beiden Romane gelten rückblickend als seine künstlerisch ehrgeizigsten Werke.

Beiträge und Kurzgeschichten von ihm erschienen zudem in der Zeitschrift Harper's Magazine und in der Wochenzeitschrift The Saturday Evening Post.


Rezeption↑

Zu Lebzeiten galt Tarkington als einer der angesehensten amerikanischen Romanschriftsteller – sowohl was den Erfolg beim Publikum als auch, zumindest über viele Jahre, bei den Kritikern anging. Gemessen an diesem früheren Rang ist er inzwischen in relative Vergessenheit geraten. Er blieb bis zu seinem Tod zwar ein vielgelesener und geachteter Autor, wurde aber künstlerisch von einer jüngeren Generation überflügelt, die sich der literarischen Moderne verschrieben hatte.

Viele Schriftsteller der nachfolgenden Generation grenzten sich scharf von Tarkington ab, dessen Prosa sie zu harmlos und thematisch begrenzt fanden. Eine Ausnahme bildete John O'Hara. Dennoch führte die Modern Library den Roman The Magnificent Ambersons 1998 noch in ihrer Liste der besten englischsprachigen Romane des Jahrhunderts auf, wenn auch nur auf Platz 100.

In einem Essay von 2019 beschrieb Robert Gottlieb, Tarkingtons Ruf sei im Laufe des 20. Jahrhunderts vom „Kandidaten für den Titel des Great American Novelist zu Amerikas angesehenstem Gebrauchsautor“ verkommen. Als Grund vermutete Gottlieb dessen Antimodernismus und sein „tief verwurzeltes, unstillbares Bedürfnis, sehnsüchtig zurückzublicken, ein Drang, der über Nostalgie hinausgeht“. Aus Sicht späterer Generationen habe Tarkington deshalb wenig Substanzielles geschrieben. So kritisiert er in mehreren Werken wie The Magnificent Ambersons zwar das Auto, jedoch vor allem aus einer eher ästhetischen und ökologischen Perspektive.

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