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Porträt Torquato Tasso
Torquato Tasso
1544 – 1595
– Autorenporträt –

Torquato Tasso

1544 – 1595 · 51 Jahre

Italienischer Dichter der Renaissance und Gegenreformation, dessen Versepos über die Belagerung Jerusalems im Ersten Kreuzzug ihn berühmt machte, während ihn schwere Verfolgungsängste sieben Jahre lang in eine Anstalt brachten.

Kurzporträt

Zu den bedeutenden Dichtern der italienischen Renaissance zählt Torquato Tasso. Er wurde 1544 in Sorrent geboren und starb 1595 in Rom. Seinen Ruhm begründete vor allem das Versepos La Gerusalemme liberata (Das befreite Jerusalem). Darin schildert er ein erfundenes Gefecht zwischen Christen und Muslimen. Es spielt während der Belagerung Jerusalems am Ende des Ersten Kreuzzuges. Tasso lebte und arbeitete in der Zeit der Gegenreformation, vor allem am Hof von Ferrara. Bekannt ist er auch wegen seiner Paranoia. Unter ihr litt er einen großen Teil seines Lebens, und zeitweise brachte sie ihn in eine Anstalt.


Biografie

Geboren wurde Torquato Tasso am 11. März 1544 in Sorrent. Sein Vater Bernardo Tasso war ein Graf aus dem Hause Tasso von Bergamo. Er arbeitete als Sekretär im Dienst Ferrante Sanseverinos, des Fürsten von Salerno. Aus demselben Geschlecht leitet sich auch die Linie derer von Thurn und Taxis ab. Die Mutter, Porzia dei Rossi, stammte aus einer noblen neapolitanischen Familie. Torquato kam zur Welt, während sein Vater im Krieg zwischen Karl V. und Franz I. abwesend war. Von seinen Geschwistern lernte er nur die ältere Schwester Cornelia näher kennen.

Nach der Rückkehr des Vaters zog die Familie 1545 nach Salerno. Als Sanseverino geächtet wurde, blieb Bernardo ihm treu und nahm diplomatische Aufgaben in Ferrara und Paris an. Die Mutter ging mit Torquato nach Neapel. Dort besuchte der Junge eine von Jesuiten geführte Schule. Er lernte rasch Latein, Griechisch und Rhetorik und erregte schon mit acht Jahren Aufsehen. 1554 durfte der zehnjährige Torquato zu seinem Vater ziehen, der im Palast des Kardinals Ippolito II. d’Este wohnte. Die Mutter blieb in Neapel und starb wenige Monate später unter ungeklärten Umständen. Bernardo war überzeugt, ihre Brüder hätten sie wegen der Mitgift vergiftet. Diesen Schmerz verarbeitete Tasso später in der Kanzone Al Metauro. Im Zuge eines Erbstreits wurde auch der zwölfjährige Torquato zum Rebellen erklärt, wie zuvor sein Vater.

Es folgten Aufenthalte in Bergamo und am Hof von Urbino. Dort wurde Tasso zum Studiengefährten des Erbprinzen Francesco Maria II. della Rovere. 1560 begann er in Padua ein Jurastudium, wandte sich aber bald der Philosophie und der Sprachkunst zu. In diesen Jahren vollendete er das erzählende Gedicht Rinaldo, das 1562 erschien. In Bologna stand er unter dem Verdacht, Schmähschriften verfasst zu haben, und es kam zu einem Gerichtsprozess. Danach kehrte er nach Padua zurück. Ob er sein Studium jemals abschloss, ist nicht bekannt. In Padua entstanden seine ersten lyrischen Stücke. Einige davon widmete er der Hofdame Lucrezia Bendidio, die vielfach als seine erste Liebe bezeichnet wird.

Um 1565 trat Tasso in Ferrara als Hofdichter in die Dienste des Kardinals Luigi d’Este. Dort arbeitete er weiter an seinem Kreuzzugsepos und stellte 1566 die ersten sechs Gesänge fertig. 1569 starb sein Vater in seinem Beisein. Eine Reise führte ihn 1570/71 nach Paris, wo er nach eigener Angabe den Dichter Ronsard kennenlernte. Ab 1572 stand Tasso im Dienst Herzog Alfonsos II., ab 1576 offiziell als Hofhistoriograph. In wenigen Monaten verfasste er das Pastoraldrama Aminta, das er vermutlich vor dem Hof von Ferrara präsentierte. 1574 wurde er zudem zum Professor für Geometrie in Ferrara ernannt.

Ab 1575 konkretisierte Tasso seine Pläne für La Gerusalemme liberata. Er schickte erste Gesänge an Scipione Gonzaga, der eine Gruppe von Gelehrten zur Begutachtung zusammenrief. Diese kritisierte Handlung, Titel, einzelne Episoden und den moralischen Grundton. Tassos Antwortbriefe wurden später ohne seine Zustimmung in den Lettere poetiche gedruckt. Sie lassen große Furcht vor der Inquisition erkennen. In dieser Zeit fühlte er sich am Hof zunehmend unwohl. Er beklagte, man unterschlage seine Briefe und durchwühle seine Papiere.

Ab etwa 1575 verschärften sich seine Schwierigkeiten. Tasso löste eine Schlägerei aus und klagte über Belästigungen und Diebstähle der Dienerschaft. Es kam das Gerücht auf, er sei geisteskrank. Ob er tatsächlich an einer Geisteskrankheit litt, ist in der Forschung umstritten. Frühe Biographen wie Pierantonio Serassi sahen ihn als Opfer einer höfischen Verschwörung. Der Literaturwissenschaftler Angelo Solerti ging dagegen von akuter Paranoia aus. Mehrfach ließ Tasso seine Rechtgläubigkeit durch den Inquisitor prüfen. 1577 floh er, als Bauer verkleidet, zu seiner Schwester nach Sorrent und reiste später über Neapel nach Rom. Nach kurzer Rückkehr nach Ferrara wurde er dort 1579 als „tobender Irrer“ ins Arcispedale Sant’Anna eingewiesen. Da diese Einlieferung eher politische als medizinische Gründe hatte, spricht man meist von einer Gefangenschaft. Sie währte mehrere Jahre, blieb literarisch aber produktiv: Tasso schrieb Auftragswerke, philosophische Dialoge und Gedichte. Unterdessen verhalf ihm ein unautorisierter Druck einer gekürzten Fassung des Epos zu internationaler Bekanntheit.

1586 durfte Vincenzo Gonzaga, der Prinz von Mantua, Tasso zu sich holen. Dort vollendete er die Tragödie Il Re Torrismondo. In den folgenden Jahren reiste er ruhelos zwischen Mantua, Neapel, Rom und Florenz. 1593 widmete er Gerusalemme conquistata, eine überarbeitete Fassung seines Epos. In sie nahm er nun viele zuvor übergangene Ratschläge seiner Dichterkollegen auf. Anfang April 1595 zog sich der erkrankte Tasso in das Kloster Sant’ Onofrio in Rom zurück. Dort starb er am 25. April 1595 mit knapp 51 Jahren.


Literarische Merkmale

Geprägt ist Tassos Werk von der Spannung zwischen dichterischer Erfindung und den Ansprüchen seiner Zeit. Sein Hauptwerk La Gerusalemme liberata verbindet einen historischen Stoff mit frei erfundener Handlung – dieser Stoff ist das Ende des Ersten Kreuzzuges und die Belagerung Jerusalems. Schon die Begutachtung durch die von Scipione Gonzaga einberufene Gelehrtengruppe zeigt, wie sehr Tasso um Handlung, Wortwahl und vor allem den moralischen Grundton seines Textes rang. Die Furcht vor der Inquisition durchzieht seine begleitenden Briefe.

Tasso bewegte sich über mehrere Gattungen hinweg. Neben dem großen Versepos schrieb er erzählende Gedichte wie den Rinaldo, lyrische Stücke, das Pastoraldrama Aminta und die Tragödie Il Re Torrismondo. Hinzu kommen philosophische Dialoge wie De l’amore und Cattaneo sowie der Discorso sopra la gelosia. Bezeichnend für seinen Umgang mit dem eigenen Werk ist die späte Überarbeitung zum Gerusalemme conquistata. In ihr berücksichtigte er nun jene Ratschläge, die er zuvor zurückgewiesen hatte. Darin zeigt sich ein Hang zur Selbstkritik und zur immer neuen Prüfung des einmal Geschriebenen.


Rezeption

Schon zu Lebzeiten verbreitete sich Tassos Ruhm über Italien hinaus. Ein unautorisierter, von Celio Malespini veranlasster Druck einer gekürzten Fassung seines Kreuzzugsepos verhalf ihm zu internationaler Bekanntheit. Zahlreiche weitere Ausgaben folgten, ohne dass Tasso selbst großen Einfluss darauf nehmen konnte. Seine Stellung als Autor war jedoch nicht unangefochten. Als Lionardo Salviati, ein Mitglied der Accademia della Crusca, seine Leistung kritisierte, antwortete Tasso 1585 mit einer Apologie.

Die Frage nach Tassos Geisteszustand prägte auch die spätere Beschäftigung mit ihm. Frühe Biographen wie Pierantonio Serassi deuteten ihn als Opfer höfischer Intrigen. Der Literaturwissenschaftler Angelo Solerti sah in ihm dagegen einen an Paranoia Erkrankten. Laut August Buck endete mit Tassos Tod die Epoche der Renaissance.

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