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Werkseintrag · The Magnificent Ambersons
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Cover The Magnificent Ambersons
The Magnificent Ambersons
1918
– Werkseintrag –

The Magnificent Ambersons

1918 · Roman

Ein verwöhnter Erbe hält sich für unantastbar, während seine Stadt zur Großstadt wächst und der Reichtum seiner Familie leise davonschmilzt.

Überblick↑

Der Roman The Magnificent Ambersons von Booth Tarkington erschien 1918 in den Vereinigten Staaten. Er ist der mittlere Teil einer Trilogie über das Wachstum Amerikas: Vorher erschien The Turmoil (1915), danach The Midlander (1923), der 1927 in National Avenue umbenannt wurde. Das Buch erhielt den Pulitzer-Preis für Belletristik. Erzählt wird der Niedergang einer vornehmen Familie in einer Stadt des amerikanischen Mittelwestens, während ringsum die Industrie aufblüht. Auf Deutsch ist das Werk vor allem durch die Verfilmung von Orson Welles bekannt, die hierzulande unter dem Titel Der Glanz des Hauses Amberson lief.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht die Familie Amberson, um die Jahrhundertwende die reichste und mächtigste Familie ihrer Stadt. Der Schauplatz ist ein stark verfremdetes Indianapolis; für das vornehme Viertel diente Tarkington die Wohnsiedlung Woodruff Place als Vorbild.

George Amberson Minafer, der Enkel des Familienoberhaupts, wird von seiner Mutter Isabel maßlos verwöhnt. Er wächst hochmütig heran, von seinem eigenen Wert und seinem Rang völlig überzeugt und für das Leben anderer Menschen blind. Dann verliebt er sich in Lucy Morgan, eine junge, aber nüchtern denkende Debütantin. Zwischen Georges Mutter und Lucys Vater gibt es allerdings eine lange gemeinsame Vorgeschichte, von der George nichts ahnt.

Während die kleine Stadt zur Großstadt anwächst, blüht die Industrie auf. Ansehen und Vermögen der Ambersons schwinden, die Morgans dagegen kommen dank Lucys weitblickendem Vater zu Wohlstand. Der Roman stellt so zwei Welten gegeneinander: die alten Familien, die von ihrem Namen leben, und die neuen Industriellen, deren Macht daher rührt, dass sie etwas tun.

Die Handlung im Detail↑

Erzählt wird der Aufstieg der Vereinigten Staaten anhand des Abstiegs dreier Generationen der vornehmen Familie Amberson. Der Zeitraum reicht vom Ende des Bürgerkriegs bis in die frühen Jahre des 20. Jahrhunderts, eine Zeit rascher Industrialisierung und tiefgreifender gesellschaftlicher Veränderung in Amerika. Schauplatz ist ein gehobenes Viertel in einer weitgehend erfundenen Fassung von Indianapolis.

Um die Jahrhundertwende sind die Ambersons die wohlhabendste und einflussreichste Familie am Ort. Der junge George Amberson Minafer, Enkel des Patriarchen, wird von seiner Mutter Isabel schrecklich verzogen. Er wird arrogant, ist seines Ranges und seines Wertes vollkommen sicher und nimmt vom Leben anderer Menschen keine Notiz. George verliebt sich in Lucy Morgan, eine junge und zugleich vernünftige Debütantin. Zwischen Isabel und Lucys Vater besteht jedoch eine lange gemeinsame Vergangenheit, von der George nichts weiß.

Der Gegensatz zwischen alter und neuer Welt zieht sich durch das Buch. Die Ambersons beziehen ihre Geltung aus dem Familiennamen, die neuen Reichen dagegen aus ihrer Tatkraft. Ein Freund Georges bringt dessen Haltung auf den Punkt, indem er fragt, ob etwas zu sein nicht doch besser sei, als etwas zu tun.

Aus der Stadt wird eine Großstadt, die Industrie gedeiht. Ansehen und Vermögen der Ambersons schmelzen dahin, während die Morgans dank des vorausschauenden Vaters wohlhabend werden. Isabel, inzwischen Witwe, fasst zunehmend Zuneigung zu Lucys Vater. George durchkreuzt diese Verbindung. Damit zerstört er das Leben, wie er es kannte.

Stil↑

Auffällig ist die Bauform des Romans: Tarkington erzählt keine einzelne Lebensgeschichte, sondern verschränkt den Weg einer Familie mit dem Wachstum einer Stadt. Beide Bewegungen laufen gegenläufig. Je größer und rußiger die Stadt wird, desto kleiner wird die Familie, die sie einst beherrschte. Der Zeitraum von mehreren Jahrzehnten und drei Generationen gibt dem Buch den Zuschnitt einer Gesellschaftschronik.

Sein Thema führt Tarkington über den Gegensatz zweier Denkweisen vor: sein und tun. Van Wyck Brooks lobte die Anlage und Ausführung der Erzählung als bewundernswert. Das Werk gehört zu einer Trilogie, in der alle drei Bücher um dasselbe Thema kreisen, das Wachstum des Landes.

Rezeption↑

Ausgezeichnet wurde der Roman mit dem Pulitzer-Preis, den er 1919 erhielt. Van Wyck Brooks hielt ihn möglicherweise für Tarkingtons besten Roman. Er beschrieb ihn als typische Geschichte einer amerikanischen Familie und einer amerikanischen Stadt: die große Familie, die vor Ort den Ton angab und praktisch über Nacht verschwand, als der Ort sich ausbreitete und zur Großstadt verdunkelte. Nach seinem Urteil bildet das Buch ein bleibendes Kapitel der amerikanischen Sozialgeschichte.

Der Stoff wurde mehrfach bearbeitet. Bereits 1925 entstand der Stummfilm Pampered Youth unter der Regie von David Smith für die Produktionsfirma Vitagraph. Nachdem Warner Bros. die Firma übernommen hatte, wurde der Film von 70 auf 33 Minuten gekürzt und 1927 unter dem Titel Two to One neu herausgebracht. Die ursprüngliche Fassung gilt als verschollen.

Am 29. Oktober 1939 sendete das Campbell Playhouse eine einstündige Hörfunkfassung von Orson Welles. Zur Besetzung gehörten neben Welles selbst unter anderem Walter Huston, Ray Collins, Everett Sloane, Bea Benaderet und Nan Sunderland sowie weitere Mitglieder des Mercury Theatre.

Bekannt wurde vor allem die Verfilmung von 1942, Welles' zweiter Spielfilm, mit Joseph Cotten, Dolores Costello, Anne Baxter, Tim Holt, Agnes Moorehead und Ray Collins; Welles sprach den Erzählertext. Er verlor die Kontrolle über den Schnitt an die Produktionsfirma RKO. Mehr als eine Stunde Material wurde herausgeschnitten und ein versöhnlicheres Ende nachgedreht. Welles' ausführliche Anweisungen zur gewünschten Fassung sind erhalten, das entfernte Filmmaterial wurde vernichtet. Der Komponist Bernard Herrmann ließ seinen Namen aus dem Vorspann streichen, weil auch seine Musik stark beschnitten worden war. Trotzdem zählt der Film bis heute zu den hochgeschätzten Werken des amerikanischen Kinos. 2002 folgte eine Fernsehfassung des Senders A&E unter der Regie von Alfonso Arau, die auf Welles' Drehbuch beruhte; darin spielten unter anderem Madeleine Stowe, Bruce Greenwood, Jonathan Rhys Meyers, Gretchen Mol, Jennifer Tilly, Dina Merrill und James Cromwell.

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