1908
The Man Who Was Thursday
Überblick↑
Der Roman Der Mann, der Donnerstag war von G. K. Chesterton erschien 1908 beim Verlag J. W. Arrowsmith im Vereinigten Königreich. Er trägt den Untertitel „Ein Alptraum“. Beschrieben wird das Buch als metaphysischer Thriller: eine spannungsreiche Verfolgungsgeschichte um Geheimpolizisten und eine anarchistische Verschwörung, die zugleich als rätselhaftes Gedankenspiel über Gesetz, Auflehnung und Glauben angelegt ist. Der Schauplatz ist London.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im viktorianischen London wird Gabriel Syme bei Scotland Yard für ein geheimes Polizeikorps angeworben, das gegen Anarchisten vorgehen soll. Auf einem Fest im Vorort Saffron Park trifft er den anarchistischen Dichter Lucian Gregory. Die beiden streiten über das Wesen der Dichtung: Gregory sieht in der Auflehnung ihren Kern, Syme dagegen im Gesetz. Er provoziert Gregory mit der Behauptung, das poetischste aller menschlichen Werke sei der Fahrplan der Londoner Untergrundbahn.
Gereizt führt Gregory ihn zu einem geheimen anarchistischen Treffpunkt unter der Erde und offenbart, dass er in Wahrheit ein einflussreiches Mitglied der Bewegung ist. Der Zentralrat besteht aus sieben Männern, von denen jeder als Deckname einen Wochentag trägt. Der Posten des „Donnerstag“ soll neu besetzt werden. Auf verschlungenen Wegen gelangt Syme in dieses Amt und wird als Abgesandter zum obersten Rat geschickt, an dessen Spitze der rätselhafte „Sonntag“ steht.
Die Handlung im Detail↑
Der Roman spielt im viktorianischen London. Gabriel Syme wird bei Scotland Yard für eine geheime Truppe angeworben, die Anarchisten bekämpft. Bei einem Fest in Saffron Park begegnet er dem Dichter Lucian Gregory. Ihr Wortgefecht über die Dichtung – Auflehnung gegen Gesetz, der Fahrplan der Untergrundbahn als höchste Poesie – reizt Gregory so sehr, dass er Syme unter dem Schwur der Verschwiegenheit zu einem unterirdischen Versammlungsort mitnimmt. Dort zeigt sich, dass Gregorys öffentliches Bekenntnis zum Anarchismus nur Tarnung ist: In Wahrheit gehört er der örtlichen Gruppe des europäischen Anarchistenrates an.
Der Zentralrat besteht aus sieben Männern, jeder mit dem Decknamen eines Wochentags. Die örtliche Gruppe soll gerade den neuen „Donnerstag“ wählen, und Gregory rechnet fest mit dem Sieg. Kurz zuvor gesteht ihm Syme unter dem Siegel der Verschwiegenheit, dass er ein Geheimpolizist ist. Um die Anarchisten harmlos erscheinen zu lassen, redet Gregory nun so kraftlos, dass die Gruppe ihn für zu lau hält. Syme dagegen hält eine mitreißende anarchistische Rede, verwirft alles, was Gregory gesagt hat, und gewinnt die Wahl. Sogleich wird er als Abgesandter der Gruppe zum obersten Rat entsandt.
Bei seinen Bemühungen, den Rat zu vereiteln, entdeckt Syme nach und nach, dass fünf der sechs übrigen Mitglieder ebenfalls verdeckte Ermittler sind. Jeder von ihnen wurde auf ebenso geheimnisvolle Weise angeworben und darauf angesetzt, den Rat zu bekämpfen. So merken sie schließlich, dass sie gegeneinander gekämpft haben und gar nicht gegen echte Anarchisten. Dahinter steckt der Plan ihres Vorsitzenden, des „Sonntag“.
In einem traumhaft-verwirrenden Schluss enthüllt Sonntag, dass er nicht nur der Anführer des Anarchistenrates ist, sondern auch derjenige, der die Ermittler einst zur Polizei geholt hat. Gregory kehrt zurück und wirft den Männern vor, als Herrschende hätten sie nie so gelitten wie ihre Untergebenen, weshalb ihre Macht unrechtmäßig sei. Syme weist den Vorwurf sogleich zurück und verweist auf die Schrecken, die Sonntag über die übrigen Ratsmitglieder gebracht hat.
Der Traum endet, als Sonntag gefragt wird, ob er je gelitten habe. Seine letzten Worte – „Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke?“ – sind die Frage, die Jesus im Markusevangelium an zwei seiner Jünger richtet. Sie soll zeigen, dass die Jünger sich zu Unrecht nach seiner Herrlichkeit sehnen, weil sie das Leiden nicht ertragen könnten. Syme erwacht und findet sich in Saffron Park wieder, in freundschaftlichem Gespräch mit Gregory. An Sonntags Gesicht hat er keine Erinnerung mehr, wohl aber ein tiefes Hochgefühl. Die beiden gelangen zu einem Haus, in dessen Garten Gregorys Schwester arbeitet.
Stil↑
Bereits der Untertitel „Ein Alptraum“ gibt den Ton vor: Was wie ein handfester Kriminal- und Verschwörungsroman beginnt, gleitet mehr und mehr ins Traumhafte und Rätselhafte hinüber. Chesterton verknüpft die Spannung der Verfolgungsjagd mit einem hintergründigen Gedankenspiel, in dem die Handlung immer wieder ins Sinnbildliche kippt. Der Schluss löst sich vollends ins Surreale auf und mündet in eine Frage aus dem Markusevangelium, die dem Ganzen eine religiöse Deutung öffnet.
Ein durchgehendes Ordnungsmuster gibt der Kunstgriff mit den Wochentagen: Die sieben Ratsmitglieder verbergen sich hinter den Namen der Tage. Auch der Streit über Auflehnung und Gesetz, mit dem das Werk einsetzt, klingt als Thema bis zum Ende nach. Vorangestellt ist ein Widmungsgedicht an Edmund Clerihew Bentley, das an die gemeinsame Jugend der beiden erinnert und an die Herausforderungen, die die Zeit für ihren frühen Glauben bedeutete.
Rezeption↑
Beschrieben wird das Buch als metaphysischer Thriller, der die Züge einer Abenteuergeschichte mit denen einer geistlichen Allegorie verbindet. Diese Mischung aus Spannung und philosophisch-religiösem Hintersinn prägt seinen besonderen Charakter und zählt es zu den bekannteren Werken Chestertons.
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