Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Black Boy
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Cover Black Boy
Black Boy
1945
– Werkseintrag –

Black Boy

1945 · Autobiografie

Ein schwarzer Junge wächst im Süden der USA zwischen Hunger, Schlägen und strenger Frömmigkeit auf und findet seine einzige Zuflucht in Büchern, die seine Familie für Teufelswerk hält.

Überblick↑

Mit Black Boy legte der amerikanische Schriftsteller Richard Wright 1945 die Geschichte seiner eigenen Kindheit und Jugend vor. Das Buch erschien im Verlag Harper & Brothers und wurde rasch zu einem großen Verkaufserfolg. Es schildert das Aufwachsen eines schwarzen Jungen im Süden der Vereinigten Staaten, in einer Welt aus Armut, Hunger, Rassentrennung und Gewalt. In den USA zählt das Werk bis heute zu den häufig gelesenen Schulbüchern. Eine deutsche Übersetzung von Rudolf Frank kam 1947 in Zürich heraus, damals unter dem Titel Ich Negerjunge. Die Geschichte einer Kindheit und Jugend; spätere Ausgaben trugen den Untertitel Bericht einer Kindheit und Jugend.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Ein Junge wächst in Jackson und in Arkansas auf, in den Südstaaten der Vereinigten Staaten. Der Rassismus dieser Gegend bestimmt seinen Alltag ebenso wie das schwierige Leben in der eigenen Familie. Früh lernt er, dass Gewalt hier als ganz selbstverständliches Mittel der Verständigung gilt. Der Vater verlässt die Familie wegen einer anderen Frau, und die Mutter erkrankt schwer.

Als die Mutter ihre beiden Söhne nicht mehr versorgen kann, kommt der Junge zur Großmutter. Sie ist streng gläubige Sieben-Tages-Adventistin, und ihr Enkel, der mit der Religion nichts anfangen kann, eckt bei ihr an. Auch mit Tante und Onkel gibt es Streit. Seine einzige Zuflucht vor Hunger, Schlägen und Einsamkeit ist das Lesen billiger Romanheftchen, doch erfundene Geschichten gelten den Verwandten als Teufelswerk. Verbündet fühlt er sich in dieser Zeit allein mit seiner kranken Mutter.

Gegen den ständigen Hunger hilft er sich mit Arbeit und mit kleinen Gaunereien. Zugleich beginnt er zu schreiben. Und er fasst einen Plan: fort aus dem Süden, in den Norden.

Die Handlung im Detail↑

Richard Wright erzählt sein eigenes Aufwachsen in Jackson und in Arkansas. Die Jahre sind geprägt vom Rassismus des amerikanischen Südens und von den Verhältnissen in der Familie. In dieser Umgebung lernt der Junge Gewalt als ein vollkommen akzeptiertes Mittel der Verständigung kennen. Der Vater verlässt die Familie wegen einer anderen Frau. Die Mutter erleidet einen Schlaganfall. Wright beschreibt sich selbst als einen Ausgestoßenen.

Weil die Mutter ihn und seinen Bruder nicht mehr versorgen kann, kommt er zur Großmutter. Diese ist gläubige Sieben-Tages-Adventistin, und der Enkel gerät mit ihr in Konflikt, weil ihm der Bezug zu ihrer Religion fehlt. Auch mit Tante und Onkel kommt es zum Streit. Sie stoßen sich an seinem Unglauben und ebenso an seiner einzigen Fluchtmöglichkeit vor Gewalt, Hunger und menschlicher Isolation: dem Lesen billiger Romanheftchen. Erfundene Geschichten gelten der Verwandtschaft als Teufelswerk. Seine einzige Verbündete in dieser Zeit ist die kranke Mutter.

Den allgegenwärtigen Hunger bekämpft er mit Arbeit und mit kriminellen Aktivitäten. Zugleich beginnt er zu schreiben, und es gelingt ihm, in der örtlichen schwarzen Zeitung eine Erzählung unterzubringen.

Nach dem Ende der Schulzeit beginnt seine Flucht in den Norden. Zunächst macht er in Memphis Zwischenstation. Dort lernt er die Welt der Literatur kennen, dann setzt er seine Flucht fort. In Chicago angekommen, bringt er als ländlich geprägter Mensch etwas vom Geist des Südens mit.

Ein zweiter Teil des Buches blieb in der Originalausgabe zunächst weg, auf Wunsch der Buchgemeinschaft Book of the Month Club. Er schildert Wrights Erfahrungen mit der Kommunistischen Partei der USA und erschien erst 1977 nach dem Tod des Autors unter dem Titel American Hunger.

Stil↑

Erzählt wird die eigene Kindheit und Jugend in der Ich-Form, als Bericht eines Heranwachsenden über sich selbst. Wright verbindet dabei die Genauigkeit des Rückblicks mit den Mitteln des Romans, weshalb das Buch zugleich als Autobiografie und als autobiografischer Roman gilt. Die Kapitelfolge richtet sich nach den Stationen des Lebenswegs: Jackson und Arkansas, dann Memphis, schließlich Chicago. Wright benennt Hunger, Schläge und Demütigung ohne Beschönigung und macht so das alltägliche Ausmaß der Gewalt sichtbar.

Rezeption↑

Der Erfolg des Buches stellte sich sofort ein. Vom Verlag Harper & Brothers wurden 195.000 Exemplare der Originalausgabe verkauft, die Ausgabe der Buchgemeinschaft Book of the Month Club kam auf 351.000 verkaufte Exemplare. Besprechungen erschienen unter anderem in der New York Times, im deutschen Sprachraum schrieb Hans-Jürgen Heise 1979 in der Zeit über das Werk.

In den Vereinigten Staaten gehört Black Boy zu den häufig gelesenen Schulbüchern. Auch die Literaturwissenschaft nahm sich des Werks an; Harold Bloom gab 2006 einen Sammelband dazu heraus. 1995 diente das Buch als Vorlage für die amerikanische Fernsehdokumentation Richard Wright – Black Boy über den Autor. Im deutschen Sprachraum blieb der Text über Jahrzehnte in mehreren Übersetzungen greifbar, unter anderem in der Fassung von Kurt H. Hansen.

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