1935
Laura in der Prärie
Überblick↑
Der Kinderroman Laura in der Prärie erschien 1935 unter dem Originaltitel Little House on the Prairie bei Harper & Brothers. Er stammt von der amerikanischen Schriftstellerin Laura Ingalls Wilder und ist der zweite Band der Reihe Unsere kleine Farm. Die Illustrationen schuf Garth Williams. Auf Deutsch kam das Buch 1980 bei Ueberreuter heraus, übersetzt von Ernst Köller. Erzählt wird vom Leben einer Siedlerfamilie im Indianerterritorium von Kansas. Das Werk zählt zu den Kinderbuch-Klassikern aus der Pionierzeit Nordamerikas.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht die Familie Ingalls, die Wisconsin verlässt und mit dem Planwagen nach Kansas zieht. Der Vater hat gehört, die Regierung wolle das Gebiet bald für weiße Siedler öffnen. Mitten im Indianerterritorium errichtet er ein Blockhaus mit Stall. Erzählt wird aus der Sicht der fünfjährigen Laura.
Der Alltag der Familie füllt das Buch: Der Vater jagt, baut nach und nach Möbel, einen Brunnen, einen Ofen und einen Kamin. Die Mutter kocht aus mitgebrachten Vorräten und erlegtem Wild. Im Sommer sammeln Laura und die Mutter Brombeeren. Als der Vater den Hirten einer vorbeiziehenden Rinderherde hilft, bekommt er zum Dank eine Kuh mit Kalb. Ist die Arbeit getan, greift er zur Geige und spielt für die Seinen und für befreundete Nachbarn.
Doch die Prärie ist gefährlich. Krankheit, ein Feuer im Gras, Kälte und Stürme bedrohen die Familie. Dazu kommen die Begegnungen mit den Osage-Indianern, auf deren Land die Siedler leben. Die Mutter und die Mädchen begegnen ihnen mit Angst und Misstrauen, der Vater sucht ein freundschaftliches Auskommen. Als sich mehrere Stämme zur gemeinsamen Büffeljagd in der Nähe versammeln, spitzt sich die Lage zu.
Die Handlung im Detail↑
Zu Beginn bricht die Familie Ingalls aus Wisconsin auf: Vater Charles, Mutter Caroline, die Schwestern Mary und Laura, das Baby Carrie, der Hund Jack und die beiden Pferde Pet und Patty. Das Ziel ist Montgomery County in Kansas. Der Vater hat gehört, die Regierung plane, das Gebiet bald für weiße Siedler zu öffnen. Mitten im Indianerterritorium baut er ein Blockhaus samt Stall.
Es folgt die Schilderung des Siedleralltags. Der Vater geht auf die Jagd und bringt Fleisch nach Hause. Stück für Stück erweitert er die Einrichtung der Hütte, gräbt einen Brunnen und baut für die Mutter einen Ofen mit Kamin. Die Mutter bereitet das Essen aus Vorräten und Wild. Im Sommer sammeln Laura und die Mutter Brombeeren. Der Vater hilft den Hirten einer durchziehenden Rinderherde und erhält dafür eine Kuh und ihr Kalb, so dass es fortan täglich Milch gibt. Abends spielt er Geige, für die Familie und für benachbarte Siedler, mit denen sich Freundschaften ergeben haben.
Immer wieder gerät die Familie in Not. Alle erkranken an Malaria und entgehen nur knapp dem Tod. Ein Präriebrand bedroht das neue Zuhause. Der Winter bringt Kälte und Stürme. Und immer häufiger treffen die Ingalls auf die hier ansässigen Osage-Indianer. Mutter und Töchter fürchten sie, der Vater versucht, sich mit ihnen freundschaftlich zu arrangieren. Die Lage wird ernst, als sich mehrere Indianerstämme in der Nähe des Blockhauses zur gemeinsamen Büffeljagd versammeln. Die Mehrheit will die weißen Siedler töten. Ein Osage-Häuptling, ein berühmter Krieger, zu dem der Vater in der Vergangenheit ein gutes Verhältnis hatte, wendet die Feindseligkeiten ab.
Im Frühjahr scheint der Neuanfang zu gelingen. Der Vater besorgt in der nächstgelegenen Stadt Saatgut und einen Pflug, pflügt mit den Pferden das Land und beginnt mit dem Anbau von Gemüse und Getreide. Dann kommt die Nachricht, dass die Regierung das Gebiet zum Indianerreservat bestimmt hat. US-Soldaten sollen die weißen Siedler vertreiben. Alle Mühe der Familie war umsonst. Der Vater beschließt, mit den Seinen wegzuziehen, bevor sie zum Verlassen des Gebiets gezwungen werden.
Stil↑
Erzählt wird aus der Perspektive der fünfjährigen Laura, und zwar in schlichter, einfacher Sprache. Das Buch umfasst 26 Kapitel und reicht vom Aufbruch im ersten bis zur Abreise im letzten. Cynthia Breslin Beres hebt hervor, dass sich die Erfahrungen der amerikanischen Pioniere gerade durch Lauras einfache Worte erschließen: die Härte und Ungewissheit des Lebens an der Zivilisationsgrenze, das Abenteuer, die Isolation, die Ängste und das Glück. Sie weist zugleich darauf hin, dass zwischen den Zeilen viel zu lesen sei, weil das kindliche Erzählen den heutigen Leser unbefangen mit den überholten Geschlechterrollen und der rassistischen Bigotterie jener Zeit konfrontiert.
Nach der Beschreibung von Virginia L. Wolf liegt der Schwerpunkt der Kapitel auf dem Land: auf der Prärie, wie sie von den Siedlern erlebt wurde. Wilder webe ein Bild voller Freude und Gelassenheit, das Schmerz und Verlust zwar anerkenne, in dem aber die Werte der Familie Ingalls über die Widrigkeiten triumphieren, nämlich Fürsorge und Frieden.
Rezeption↑
Das Buch hat sich als Kinderbuch-Klassiker gehalten und wird bis heute gelesen. In einer Umfrage des School Library Journal erreichte es 2012 Platz 27 unter den 100 beliebtesten Kinderbüchern für das Lesealter von sieben bis zehn Jahren. Im April 2015 wählte die BBC den Roman unter die elf besten Kinderbücher aller Zeiten.
Die Darstellung der Osage-Indianer wird dabei durchaus kritisch gesehen. Kaylee Davis schreibt in ihrer Rezension: „Leser, die sich ‚Political Correctness‘ wünschen, werden die Einstellung der Siedler gegenüber den Osage-Indianern – obwohl historisch korrekt wiedergegeben – problematisch finden. Aber diese fesselnde Pioniergeschichte und bezaubernde Familiensaga ist eben auch eine Lehrstunde in amerikanischer Geschichte. […] Wilder wurde 90 Jahre alt, aber für Millionen von Lesern wird sie immer die kleine Laura bleiben."
Der Stoff wurde mehrfach verfilmt. 1976 entstand unter der Regie von Michael Landon der Fernsehfilm Unsere kleine Farm: Verletzt in der Wildnis. 1975 folgte die japanische Zeichentrickserie Laura the Prairie Girl unter der Regie von Mio Ezaki. 2005 kam ein weiterer Fernsehfilm unter dem Titel Unsere kleine Farm heraus, bei dem David L. Cunningham Regie führte.
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