Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
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Werkseintrag · Wilbur und Charlotte
Eingang · Werke · Wilbur und Charlotte
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Wilbur und Charlotte
1952
– Werkseintrag –

Wilbur und Charlotte

1952 · Märchen

Ein Schwein, das geschlachtet werden soll, und eine Spinne, die Wörter in ihr Netz webt: E. B. Whites Klassiker von 1952 erzählt von einer Freundschaft im Keller einer Scheune.

Überblick↑

Das Kinderbuch Wilbur und Charlotte von Elwyn Brooks White erschien 1952 unter dem Originaltitel Charlotte’s Web im Verlag HarperCollins. Es erzählt von der Freundschaft zwischen dem Schwein Wilbur und der Spinne Charlotte. Die Illustrationen stammen von Garth Williams. Für White war es nach Stuart Little von 1945 der zweite Roman. Mit über 45 Millionen verkauften Exemplaren zählt das Buch zu den meistverkauften Kinderbüchern und gilt als Klassiker.

Die erste deutschsprachige Übersetzung besorgte Grete Rambach. Sie kam 1953 unter dem Titel Schweinchen Wilbur und seine Freunde im Blanvalet Verlag in Berlin heraus. Erst 1976 legte der Diogenes Verlag in Zürich eine neue Übertragung von Anna von Cramer-Klett vor, die seither verwendet wird.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Auf dem Hof von John Arable bringt die Sau einen Wurf Ferkel zur Welt. Eines davon ist kümmerlich und kleiner als die übrigen, und der Bauer will es töten. Seine achtjährige Tochter Fern bittet für das Tier, und der Vater erlaubt ihr, das Ferkel als Haustier zu behalten. Fern nennt es Wilbur.

Nach einigen Wochen wird Wilbur an Ferns Onkel Homer Zuckerman verkauft. Fern besucht ihn auf dem Hof, so oft sie kann, doch das Schwein fühlt sich von Tag zu Tag einsamer. Dann meldet sich die graue Spinne Charlotte und bietet Wilbur ihre Freundschaft an. Bald gehört er zur Tiergemeinschaft im Keller von Zuckermans Scheune, zu der auch die gefräßige Ratte Templeton zählt.

Als Wilbur erfährt, dass er zu Weihnachten geschlachtet und gegessen werden soll, bittet er Charlotte um Hilfe. Die Spinne hat eine Idee: Sie will Worte in ihr Netz weben und Wilbur darin als außergewöhnliches Schwein rühmen, um die Schlachtung zu verhindern.

Die Handlung im Detail↑

Zu Beginn wirft die Sau von John Arable eine Reihe Ferkel. Eines ist besonders klein und schwächlich, weshalb Arable beschließt, es zu töten. Seine achtjährige Tochter Fern bittet ihn, das Tier leben zu lassen, und der Vater gibt nach. Fern darf das Ferkel als Haustier behalten und tauft das lebhafte, abenteuerlustige Schwein Wilbur.

Einige Wochen später wird Wilbur an Ferns Onkel Homer Zuckerman verkauft. Fern besucht ihn dort so oft wie möglich, doch Wilbur wird von Tag zu Tag einsamer. Schließlich hört und sieht er die graue Spinne Charlotte, die ihm ihre Freundschaft anbietet. Wilbur wird Mitglied der Tiergemeinschaft, die den Keller von Zuckermans Scheune bewohnt.

Dann erfährt Wilbur, dass er zu Weihnachten geschlachtet und gegessen werden soll. Er bittet Charlotte um Hilfe. Die Spinne kommt auf den Einfall, Worte in ihr Netz zu weben und Wilbur darin als außergewöhnliches Schwein zu loben, als grandios und strahlend. So hofft sie, die Schlachtung abzuwenden. Mit Unterstützung der gefräßigen Ratte Templeton gelingt der Plan. Wilbur bleibt nicht nur am Leben, er kommt in Charlottes Begleitung auch auf den Jahrmarkt und gewinnt dort einen Preis.

Charlotte jedoch ist am Ende ihrer natürlichen Lebensspanne angelangt. Noch auf dem Jahrmarkt legt sie Eier und stirbt. Aus Dankbarkeit bringt Wilbur den Eiersack zurück auf die Farm. Nach dem Schlüpfen ziehen die meisten von Charlottes Kindern fort, um ihr eigenes Leben zu führen. Nur drei bleiben bei Wilbur: Joy, Aranea und Nellie.

Stil↑

Erzählt wird in der Form des Tiermärchens: Die Tiere auf Zuckermans Farm sprechen miteinander, während die Menschen ihre eigene Welt bewohnen und von diesen Gesprächen nichts ahnen. Aus dieser doppelten Ebene bezieht das Buch seinen Reiz. Was für die Tiere ein bewusst geschmiedeter Rettungsplan ist, erscheint den Menschen als Wunder. Der Ton bleibt dabei schlicht und für Kinder verständlich, ohne dem Tod auszuweichen. Die Bilder von Garth Williams begleiten den Text von der Erstausgabe an und gehören für viele Leser untrennbar zum Buch.

Rezeption↑

Mit über 45 Millionen verkauften Exemplaren gehört Wilbur und Charlotte zu den meistverkauften Kinderbüchern und gilt als Klassiker. Es erhielt mehrere Auszeichnungen.

Auch das Kino griff den Stoff mehrfach auf. Hanna-Barbera brachte 1973 einen Zeichentrickfilm heraus, der im Deutschen Zuckermanns Farm – Wilbur im Glück heißt; Regie führte Iwao Takamoto. Charlotte und Wilbur wurden dort von Debbie Reynolds und Henry Gibson gesprochen. Im Jahr 2003 folgte die Fortsetzung Schweinchen Wilburs großes Abenteuer, die direkt für den Video- und DVD-Markt entstand.

Paramount produzierte 2006 eine Verfilmung mit realen Darstellern und Computeranimation. Hauptdrehort war Victoria in Australien. Der Film Schweinchen Wilbur und seine Freunde startete am 15. Dezember 2006 in den USA, der deutsche Kinostart war am 4. Januar 2007. In beiden Ländern wurde er ohne Altersbeschränkung freigegeben.

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