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Die Zeitmaschine
1895
– Werkseintrag –

Die Zeitmaschine

1895 · Roman

Ein Erfinder reist mit einer selbstgebauten Maschine bis in das Jahr 802.701 und findet die Menschheit dort in zwei fremde Wesen gespalten.

Überblick↑

Der Roman Die Zeitmaschine von H. G. Wells erschien 1895 und gehört zu den Klassikern der Science-Fiction-Literatur. Er schildert die Reise eines Erfinders, der mit einer selbstgebauten Maschine in die ferne Zukunft aufbricht. Zugrunde liegt der Gedanke, dass die Zeit eine vierte Dimension sei, durch die man sich ebenso bewegen könne wie durch den Raum. Das Werk gilt als eine der frühesten literarischen Schilderungen einer Zeitreise, die mit einer Maschine unternommen wird, und verbindet das technische Abenteuer mit einer düsteren Vorausschau auf die Zukunft der Menschheit.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht ein Erfinder, der im Roman durchweg nur „der Zeitreisende“ genannt wird. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat er ein Gerät gebaut, mit dem er sich in der Zeit vorwärts und rückwärts bewegen kann. Einem Kreis skeptischer Freunde erklärt er sein Prinzip: Die Zeit sei eine vierte Raumdimension, durch die man reisen könne wie durch die drei bekannten.

Seine erste Fahrt führt ihn weit in die Zukunft, in das Jahr 802.701. Dort findet er die Erde von zwei ganz verschiedenen Arten von Lebewesen bewohnt, die sich beide aus dem Menschen entwickelt haben. Über der Erde leben die zarten, kindlichen Eloi, die scheinbar sorglos und glücklich in einer paradiesischen Landschaft dahinleben, ohne je zu arbeiten. Rätselhaft bleibt zunächst, wer sie ernährt und kleidet – und woher ihre namenlose Furcht vor der Dunkelheit rührt. Unter der Erde hausen die lichtscheuen, affenartig wirkenden Morlocks. Aus diesen Beobachtungen entwickelt sich ein Bild der fernen Zukunft, das den Zeitreisenden immer tiefer beunruhigt.

Die Handlung im Detail↑

Der Zeitreisende, der im Roman keinen Namen trägt, hat sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts eine Maschine gebaut, mit deren Hilfe er sich in der vierten Dimension, der Zeit, bewegen kann. Einem Kreis skeptischer Freunde erklärt er das Prinzip sehr anschaulich: Die Zeit sei eine vierte Raumdimension, und wie man sich durch den Raum bewege, so könne die Maschine sich durch die Zeit vorwärts und rückwärts bewegen.

Bei seiner ersten Reise erreicht er das Jahr 802.701. Dort ist die Welt von zwei gegensätzlichen Arten von Lebewesen bewohnt, die beide von den Menschen abstammen. Im Lauf von Jahrtausenden haben sich aus den beiden äußersten Gesellschaftsklassen des viktorianischen Englands zwei getrennte Menschenrassen entwickelt: die oberirdischen Eloi und die unterirdischen Morlocks.

Die Eloi leben scheinbar sorgenfrei und glücklich, aber völlig unreflektiert und verweichlicht in einer paradiesischen Umgebung. Sie sehen den heutigen Menschen ähnlich und wirken alle recht jung. Dem Zeitreisenden ist zunächst unbegreiflich, wer sie ernährt und kleidet, da sie offensichtlich nie zu arbeiten brauchen. Zugleich fällt ihm ihre namenlose Angst vor der Dunkelheit auf, besonders vor den mondlosen Nächten.

Die Morlocks erscheinen ihm als hässliche, affenartige, lichtscheue Wesen, die in unterirdischen Höhlen leben. Bei seinen Nachforschungen entdeckt er, dass sie dort riesige Maschinen betreiben und auf diese Weise das Leben der oberirdischen Eloi überhaupt erst ermöglichen. Anfangs meint er, die Morlocks seien die Sklaven der Eloi – so wie einst die Arbeiterklasse ausgebeutet wurde, um den Wohlstand der oberen Schichten zu sichern. Allmählich aber erkennt er, dass sich das Verhältnis umgekehrt hat: Die Morlocks halten sich die Eloi wie Bauern das Vieh. Sie sorgen für deren leibliches Wohl, weil sie die Eloi als Nahrung brauchen. In den dunklen Nächten holen sie sich oben ihre Mahlzeiten – darin liegt der Grund für die Furcht der Eloi vor der Dunkelheit.

Vom Jahr 802.701 aus reist der Zeitreisende noch weit darüber hinaus. Rund 30 Millionen Jahre in der Zukunft erblickt er im ewigen Zwielicht der stillstehenden Erde einen gewaltigen roten Feuerball, der einst die Sonne war. Er sieht krabbenartige Geschöpfe und, viele tausend Jahre später, ballförmige, hüpfende Wesen. Dabei erkennt er, dass die Menschheit inzwischen ausgestorben ist.

Nach der Rückkehr in die Gegenwart glauben ihm seine Freunde die Geschichte nicht. Er beschließt daher, ein weiteres Mal aufzubrechen, diesmal besser ausgerüstet – unter anderem mit einer Kamera, um seine Entdeckungen festzuhalten. Von dieser zweiten Reise kehrt er nicht mehr zurück.

Stil↑

Die Geschichte ist als Rahmenerzählung angelegt: Der Zeitreisende berichtet einem Kreis skeptischer Freunde von seinen Erlebnissen, und aus dieser Erzählsituation heraus entfaltet sich die eigentliche Handlung. Dass die Hauptfigur namenlos bleibt und nur nach ihrer Tätigkeit benannt wird, verleiht ihr etwas Allgemeingültiges. Auffällig ist, wie klar und anschaulich der Roman selbst die schwierige Grundidee vermittelt – die Vorstellung der Zeit als vierte Dimension wird so verständlich dargelegt, dass sie auch heute noch nachvollziehbar bleibt. Hinter dem Abenteuer steht zudem eine gesellschaftskritische Deutung: In der Spaltung der Zukunftsmenschheit in Eloi und Morlocks spiegelt sich die Kluft zwischen den Klassen des viktorianischen Englands, zu Ende gedacht und ins Bild gesetzt.

Rezeption↑

Als Klassiker der Science-Fiction hat der Roman weit über seine Entstehungszeit hinaus gewirkt. Er zählt zu den frühen Werken, die eine Reise in die Zukunft mit Hilfe einer Maschine geschildert haben, und gilt als ein Schlüsselwerk für die Entstehung des Steampunk. Der Stoff wurde mehrfach für Kino und Fernsehen bearbeitet, unter anderem 1960 in der Verfilmung von George Pal und 2002 in der Fassung von Simon Wells. Daneben entstanden weitere Filme, ein Fernsehfilm sowie Hörspielbearbeitungen, die den Erfinder und seine Reise in die ferne Zukunft immer wieder neu ins Bild gesetzt haben.

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