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Autoreneintrag · H. G. Wells
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Porträt H. G. Wells
H. G. Wells
1866 – 1946
– Autorenporträt –

H. G. Wells

1866 – 1946 · 79 Jahre

Englischer Erzähler und Wegbereiter der Science-Fiction, der mit „Die Zeitmaschine" und „Der Krieg der Welten" weltberühmt wurde und zugleich für eine bessere Gesellschaft stritt.

Kurzporträt

Herbert George Wells, meist als H. G. Wells abgekürzt, war ein englischer Schriftsteller. Er zählt zu den Pionieren der Science-Fiction-Literatur. Geboren wurde er 1866 in Bromley, das heute zu London gehört. Er war naturwissenschaftlich geschult und zugleich als Historiker, Journalist und Soziologe tätig. Seine größten Erfolge feierte er mit den Romanen Die Zeitmaschine und Der Krieg der Welten, die er selbst „scientific romances" nannte. Daneben schrieb er zahlreiche realistische Romane sowie Sachbücher. Einige davon erreichten Millionenauflagen. In Deutschland ist er vor allem für seine Science-Fiction bekannt. Im englischen Sprachraum leben auch seine realistischen Romane fort.


Biografie

Geboren wurde Wells am 21. September 1866 im Londoner Vorort Bromley. Sein Vater Joseph unterhielt eine kleine Eisenwarenhandlung und war ein berufsmäßiger Cricketspieler. Seine Mutter hatte vor der Ehe als Hauswirtschafterin gearbeitet. Die Familie lebte in bescheidenen Verhältnissen. Vom Vater übernahm der „Bertie" gerufene Junge einen ausgeprägten Hang zum Lesen. Diesem ging er im Literarischen Institut und der Leihbücherei von Bromley nach. 1877 geriet die Familie in große finanzielle Schwierigkeiten, nachdem eine Verletzung den Vater dauerhaft lähmte. Die Mutter nahm eine Stellung als Wirtschafterin in Uppark in Sussex an. Besuchte Wells sie dort, konnte er stundenlang in der Bibliothek des Herrenhauses lesen. Seine tief religiöse Mutter prägte ihn in diesen Jahren stark und hielt streng auf die Grenzen zwischen den Klassen.

Zunächst trat Wells als Lehrling in eine Tuchhandlung in Windsor ein, musste sie aber nach einem Monat verlassen. Es folgten kurze Anstellungen als Hilfslehrer in Somerset und als Apothekergehilfe in Midhurst. Danach versuchte er es ein zweites Mal im Tuchhandel, nun in Southsea. Nach zwei Jahren gab er auch diese Tätigkeit auf. Die Erfahrungen jener Zeit nährten seine spätere Kritik an der Verteilung des Wohlstands. Mit sechzehn Jahren erhielt er eine Stelle als Hilfslehrer im Progymnasium in Midhurst. 1884 gewann er ein Stipendium an der Normal School of Science in South Kensington, die später in Royal College of Science umbenannt wurde. Drei Jahre lang studierte er dort Physik, Chemie, Geologie, Astronomie und Biologie. Die Biologie hörte er bei Thomas Henry Huxley, einem Verfechter der darwinschen Evolutionstheorie. Diese Jahre formten Wells' weltanschauliche Überzeugungen. Über George Bernard Shaw kam er 1887 in Kontakt mit der Fabian Society und engagierte sich später in der Labour Party. Über diesen Aktivitäten verpasste er sein Abschlussexamen. 1890 bestand er mit Auszeichnung seine Prüfung in Zoologie an der Londoner Universität.

Im Sommer 1893 zwang ihn eine schwere Lungenblutung zu einer langen Pause. Von da an durfte er nur noch sitzend arbeiten. Er begann, Kurzgeschichten, Essays und Buchbesprechungen für Zeitschriften zu schreiben. 1893 erschien sein erstes bedeutendes Werk, das Sachbuch Text-Book of Biology. 1895 folgten ein Band Kurzgeschichten sowie die Romane Die Zeitmaschine und The Wonderful Visit. Die Zeitmaschine war eine Umarbeitung der früheren Erzählung The Chronic Argonauts. Sie begründete seinen Ruf als kraftvoller und fantasiereicher Schriftsteller. Im selben Jahr heiratete er Amy Catherine Robbins, eine frühere Schülerin. Seine erste Ehe von 1891 mit seiner Cousine Isabel war zuvor gelöst worden. Aus der zweiten Ehe gingen zwei Söhne hervor. Wells unterhielt mehrere weitere Beziehungen, unter anderem mit der Journalistin Rebecca West, mit der er einen Sohn hatte, und von 1910 bis 1913 mit Elizabeth von Arnim.

In den folgenden Jahren erschien seine Reihe großer wissenschaftlicher Romane. Dazu zählten Die Insel des Dr. Moreau (1896), Der Unsichtbare (1897), Der Krieg der Welten (1898) und Die ersten Menschen auf dem Mond (1901). Daneben schrieb er realistische Romane wie Love and Mr Lewisham (1901). Um die Jahrhundertwende besserte sich seine Gesundheit, und Wells reiste häufig auf das europäische Festland. 1900 baute er sich in Sandgate bei Folkestone ein Haus. Dort lebte er fast ein Jahrzehnt und schrieb einige seiner bekanntesten Werke, darunter Kipps und A Modern Utopia (beide 1905) sowie Tono-Bungay (1909). 1903 trat er formell der Fabian Society bei, verließ sie aber bereits 1906 wieder und schloss sich der Independent Labour Party an. Wie viele liberale und sozialistische Intellektuelle seiner Zeit war Wells ein Anhänger der Eugenik. 1906 reiste er erstmals in die Vereinigten Staaten.

Mit The New Machiavelli (1911) wandte er sich dem Ideen- und Problemroman zu. In diesem wurde die Handlung der gesellschaftlichen Botschaft untergeordnet. In Befreite Welt (1914) nahm er die Entwicklung der Atombombe vorweg. Angeregt wurde er dabei von einem Buch des Chemikers Frederick Soddy über das Radium. Wells unterstützte den Ersten Weltkrieg und nannte ihn den „Krieg zur Beendigung aller Kriege". 1918 leitete er kurze Zeit die Propaganda gegen Deutschland im Crewe House. Sein bedeutendstes während des Krieges entstandenes Werk war Mr. Britling Sees It Through (1916). Nach dem Krieg besuchte er 1920 Sowjetrussland und nahm 1921 an der Washingtoner Konferenz teil. Zunehmend widmete er sich der Verbreitung seiner Ideen, vor allem dem Gedanken eines Weltstaates. Diesen verfocht er etwa in The Outline of History (1920) und The Open Conspiracy (1928). 1933 veröffentlichte er den pessimistischen Zukunftsroman The Shape of Things to Come. 1934 erschien seine Autobiografie Experiment in Autobiography.

1939 löste er mit The Rights of Man eine Diskussion um die Menschenrechte aus. Auf seiner letzten USA-Reise 1940 traf er Orson Welles. Dieser hatte 1938 seinen Krieg der Welten zu einem aufsehenerregenden Hörspiel adaptiert. Der Zweite Weltkrieg und die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki 1945 bestätigten ihm seine Überzeugung, die Menschheit habe die Herrschaft über die von ihr entfesselten Kräfte verloren. Sein letztes Werk, Mind at the End of Its Tether (1945), gab dieser Verzweiflung Ausdruck. Seit den 1930er-Jahren lebte er mit Mura Budberg zusammen, die ihn pflegte. Nach längerem Leiden an Diabetes starb er am 13. August 1946 in seinem Londoner Heim. Sein Leichnam wurde kremiert und die Asche im Meer verstreut.


Literarische Merkmale

Seine frühen Romane Die Zeitmaschine, Der Unsichtbare und Der Krieg der Welten bezeichnete Wells selbst als „scientific romances". In ihnen entwarf er eine Reihe von Themen, die heute als klassisch für die Science-Fiction gelten. Die Zeitmaschine wird als Pionierwerk der modernen Science-Fiction angesehen. Häufig wird behauptet, Wells sei von Jules Verne beeinflusst worden. Das betrifft jedoch eher den allgemeinen Hang zu Science-Fiction-Themen als direkte literarische Übernahmen. Genaue Belege dafür gibt es nicht.

Neben den fantastischen Stoffen schrieb Wells auch sozial-realistische Romane wie Tono-Bungay und Kipps. Sein erklärtes Ziel war es, die Gesellschaft zu verbessern. Diese Absicht prägte sein Werk durchgängig. In utopischen Romanen wie In the Days of the Comet und The Shape of Things to Come brachte er seine Vorstellungen einer besseren Ordnung zum Ausdruck. Zugleich war er pessimistisch und fürchtete künftige militärische Konflikte mit verheerenden Folgen. In diesem Sinne sind Dystopien wie Wenn der Schläfer erwacht und Die Insel des Dr. Moreau zu verstehen. Letztere beleuchtet zudem die Debatte um angeborene und erworbene Verhaltensweisen.

Im späteren Werk trat die Erzählung zunehmend hinter die Botschaft zurück. Im Ideen- und Problemroman, den Wells ab 1911 entwickelte, ordnete er die Handlung der soziologischen und ideologischen Aussage unter. Wells verstand sich als Sozialist und stand der Russischen Revolution sowie dem Programm Lenins zunächst positiv gegenüber. Später distanzierte er sich jedoch von der sowjetischen Politik.


Rezeption

Wirkung über die Literatur hinaus entfaltete vor allem Der Krieg der Welten. Das von Orson Welles inszenierte Hörspiel von 1938 führte in den USA zu einigen Verwirrungen, weil Zuhörer die fiktive Reportage für eine reale Dokumentation hielten. Diese Episode wird oft als „Massenpanik" überliefert.

Bis heute ist Wells nicht nur als Autor, sondern auch als Figur in der populären Kultur präsent. Im Film Flucht in die Zukunft, der auf einem Roman von Karl Alexander beruht, reist Wells mit einer selbst erfundenen Zeitmaschine ins Jahr 1979, um Jack the Ripper zu stellen. In der US-Serie Superman – Die Abenteuer von Lois & Clark tritt er in vier Folgen als Zeitreisender auf. In der Serie Warehouse 13 wird er als Frau dargestellt, deren Bruder angeblich die Bücher schrieb. Auch in der britischen Serie Doctor Who erscheint ein junger H. G. Wells. Ebenso taucht er in der Serie Legends of Tomorrow auf, in der er als geretteter Junge erscheint.

Sein Nachwirken zeigt sich auch im Gedächtnis der Wissenschaft. Nach ihm sind ein Mondkrater und ein Marskrater benannt. Seit 1943 war Wells Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Letters.

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