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Werkseintrag · Der Schaum der Tage
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Der Schaum der Tage
1947
– Werkseintrag –

Der Schaum der Tage

1947 · Roman

Eine junge Liebe in einer verzauberten Welt, in der Dinge und Pflanzen mitfühlen – doch in der eine Blume, die in der Lunge wächst, alles zu zerstören droht.

Überblick↑

Der Roman Der Schaum der Tage von Boris Vian, im französischen Original L'Écume des jours, erschien 1947. Er erzählt von einer Liebe, die in einer fantastischen und absurden Welt an einer Krankheit zerbricht. In dieser Welt spiegeln Tiere, Pflanzen und selbst leblose Dinge menschliche Gefühle wider. Zur Zeit seiner Veröffentlichung blieb das Buch erfolglos, hat inzwischen aber Kultstatus erreicht. In der Liste der 100 Bücher des Jahrhunderts der Zeitung Le Monde steht es auf Platz zehn.

Inhalt (ohne Spoiler)↑

Im Mittelpunkt steht Colin, ein wohlhabender junger Pariser, der ein sorgloses Leben führt. Zur Seite stehen ihm sein Koch Nicolas und sein Freund Chick, ein Ingenieur, der trotz seines Berufs arm ist. Was Colin bei allem Luxus fehlt, ist eine Freundin. Als Chick die liebenswerte Alise kennenlernt, beneidet Colin ihn zunächst. Doch bald verliebt er sich selbst Hals über Kopf in die schöne Chloé, die denselben Namen trägt wie seine Lieblingsaufnahme von Duke Ellington.

Aus großer Freude und Großzügigkeit schenkt Colin seinen Freunden Chick und Alise ein Viertel seines Vermögens, damit auch sie heiraten können. Alle erwarten das große Glück. Doch die junge Ehe wird auf eine schwere Probe gestellt, als Chloé krank wird. Zugleich entfremdet sich Chick immer mehr von Alise, weil er von den Schriften des Philosophen Jean-Sol Partre besessen ist. Der Roman spielt in einer surrealen Welt, in der die Umgebung die Gefühle der Figuren aufnimmt.

Die Handlung im Detail↑

Zu Beginn zeigt der Roman Colin, einen wohlhabenden 22-jährigen Pariser Bohémien, wie er sein seidiges Haar mit einem Bernsteinkamm kämmt. Neben seinem Reichtum verfügt er über einen dandyhaften Koch namens Nicolas und über den Freund Chick, der zwar Ingenieur, aber dennoch arm ist. Was Colin trotz seines luxuriösen Lebensstils fehlt, ist eine Freundin. So beneidet er zunächst Chick, der eines Tages die liebenswerte Alise kennenlernt.

Auf einer Cocktailparty verliebt sich Colin Hals über Kopf in die berauschend schöne Chloé. Sie trägt denselben Namen wie seine Lieblingsaufnahme von Duke Ellington. Fast umgehend heiratet er sie in einer prunkvollen Zeremonie. Verliebt und großzügig schenkt er seinen Freunden Chick und Alise ein Viertel seines Vermögens, damit auch sie heiraten können. Man erwartet das große Glück.

Doch auf den Flitterwochen wird Chloé krank: In ihrer Lunge wächst eine Wasserlilie. Diese schmerzhafte Erkrankung lässt sich nur durch Blumen lindern, und rasch ruiniert sich Colin bei dem Versuch, seine Geliebte zu retten. Chick unterdessen, fasziniert vom Philosophen Jean-Sol Partre, gibt sein gesamtes Geld für die Literatur seines Idols aus. Alise will ihn und ihre Beziehung retten, indem sie Partre bittet, keine Bücher mehr zu veröffentlichen. Als dieser sich weigert, tötet sie ihn und beginnt einen Rachezug gegen die Buchhändler. Trotz aller Bemühungen Colins stirbt Chloé schließlich, und die Welt versinkt in Dunkelheit.

Stil↑

Bestimmend für das Werk ist eine surreale, fantasievolle und absurde Bildsprache. Vian erschafft eine Welt, in der Tiere, Pflanzen und leblose Gegenstände menschliche Gefühle widerspiegeln. So verwandelt sich die Umgebung mit dem Schicksal der Figuren: Wo das Glück wächst, ist die Welt hell und leuchtend, wo die Krankheit fortschreitet, verdüstert und verengt sie sich. Auch die Krankheit selbst wird zum poetischen Bild, wenn in Chloés Lunge eine Wasserlilie wächst.

Der Roman verbindet leichte, spielerische Erfindung mit einer traurigen Grundstimmung. In die fantastische Handlung mischt Vian ironische Anspielungen auf seine Zeit, etwa wenn der Philosoph Jean-Sol Partre auftritt – eine verfremdete Anspielung auf Jean-Paul Sartre.

Rezeption↑

Zur Zeit seiner Veröffentlichung blieb der Roman erfolglos, obwohl sich bekannte Autoren wie Jean-Paul Sartre und Raymond Queneau für ihn einsetzten. 1946 wurde er für einen Literaturpreis eingereicht, dort jedoch abgelehnt. Auszüge erschienen zunächst in Sartres Zeitschrift Les Temps Modernes, bevor das Buch 1947 vollständig herauskam.

Inzwischen hat das Werk Kultstatus erreicht. In der Liste der 100 Bücher des Jahrhunderts der Zeitung Le Monde steht es auf Platz zehn. Der Stoff wurde mehrfach für die Leinwand bearbeitet: 1968 in Frankreich unter der Regie von Charles Belmont, 2001 in Japan als Kuroe und 2013 durch Michel Gondry mit Audrey Tautou und Romain Duris. Der russische Komponist Edisson Denissow schuf ab 1981 aus der Vorlage eine Oper, die 1986 in Paris uraufgeführt wurde. Auch das Theater griff den Stoff auf, so in einer dramatisierten Fassung am Düsseldorfer Schauspielhaus. Ins Deutsche wurde der Roman mehrfach übertragen, unter anderem von Antje Pehnt und in einer Neuübersetzung von Frank Heibert.

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