1927
Der Schatz der Sierra Madre
Überblick↑
Der Roman Der Schatz der Sierra Madre von B. Traven erschien 1927 bei der Büchergilde Gutenberg. Er erzählt von drei mittellosen US-Amerikanern, die sich in Mexiko auf Goldsuche begeben. Das Buch gehört zu den bekanntesten Werken des Autors und wurde 1948 von John Huston verfilmt. Schauplatz ist Mexiko, von den Ölfeldern bei Tampico bis in die Hochlagen der Sierra Madre.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im mexikanischen Tampico schlägt sich der US-Amerikaner Dobbs als Tagelöhner und Schnorrer durch. Zum Geld hat er kein rechtes Verhältnis, weil er so wenig davon besitzt: ob fünfzehn oder zwanzig Centavos, im Grunde erscheint ihm das gleich. Ein Lotterielos ist für ihn kein Verlust, denn man kann ja ein paar Tage hoffen.
Bei einer kurzen Arbeit an einem Bohrturm lernt Dobbs den Landsmann Curtin kennen. Gemeinsam kommen sie auf den Gedanken, nach Gold zu suchen statt nach Arbeit. In seiner billigen Absteige trifft Dobbs zudem auf den älteren Howard, der in Alaska, British Columbia, Australien, Montana und Colorado nach Gold gegraben hat. Den Gewinn verlor er später bei der Ölsuche. Seine Erfahrung macht ihn für die beiden Jüngeren wertvoll.
Zu dritt bringen sie das Geld für eine Ausrüstung zusammen und fahren mit der Bahn über San Luis nach Durango. Dort studieren sie Karten, und Howard bestimmt die Gegend, in der gesucht werden soll. Hoch im Gebirge richten sie sich schließlich dauerhaft ein, an einer Stelle, die Gold verspricht. Kein geordneter Weg führt dorthin, nur ein Maultierpfad hinab zum Wasser, und bis zur nächsten Eisenbahnstation sind es zehn oder zwölf Tage auf dem Esel.
Was folgt, ist Schinderei: heiße Tage, bitterkalte Nächte, immer dasselbe Essen, immer dieselben Handgriffe. Die drei verwahrlosen, verlernen das Sprechen und reizen einander bis zum Streit. Dann taucht ein vierter Goldsucher auf, der auf seinem Recht besteht, hier zu sein. Und bald kündigt sich aus dem Tal noch ganz anderer Besuch an.
Die Handlung im Detail↑
Der mittellose US-Amerikaner Dobbs lebt in Tampico von Gelegenheitsarbeit und vom Anbetteln fremder Leute. Bei der Errichtung eines Bohrturms trifft er Curtin, und beide beschließen, es mit der Goldsuche zu versuchen: eine Spekulation, nicht gewagter als das Warten auf Arbeit in den Ölfeldern. In seiner Absteige begegnet Dobbs dem alten Howard, der in Alaska, British Columbia, Australien, Montana und Colorado gegraben und sein Geld später in der Ölsuche verloren hat. Howard wird mitgenommen, weil er Erfahrung besitzt.
Die Ausrüstung finanzieren sie gemeinsam. Howard gibt zweihundert US-Dollar, sein letztes Geld. Dobbs stellt fest, dass sein Lotterielos hundert Pesos gewonnen hat. Curtin lässt sich von einem Freund hundert US-Dollar telegrafieren. Mit dem Nachtzug fahren sie nach San Luis, weiter nach Durango, und Howard legt anhand der Karten fest, wo gesucht wird. Viermal finden sie Gold, aber nicht in Mengen, deren Auswaschen sich lohnt. Erst weit oben im Hochgebirge bleiben sie.
Sie schuften wie blöd gewordene Sträflinge, heißt es, hoch in der Sierra Madre. Der Alltag schleift sie ab. Sie verlieren ihre Sprache und verständigen sich nur noch mit unverständlichen Kürzeln. Die Körperpflege geben sie auf und treiben sich bärtig, langhaarig und in Lumpen bergauf und bergab. Ihr Leben nennt der Roman erbarmungswürdiger als das eines Fabrikarbeiters in Detroit. Erst als sie sich einen festen Tag für den Abbruch des Lagers setzen, ändert sich die Stimmung so vollständig, dass sie ihre früheren Streitigkeiten nicht mehr begreifen können.
Kurz vor der Abreise stößt unerwünscht der US-Amerikaner Robert Lacaud zu ihnen. Sein Recht auf Anwesenheit begründet er damit, dass er etwas wisse, was die anderen nicht wissen. Aus rein rationalen Gründen lassen die drei ihn leben, denn es kündigen sich weitere Ankömmlinge an: eine Gruppe von Mestizen. Lacaud erkennt unter ihnen aus der Ferne einen Mann mit goldbronziertem Strohhut: Es ist die Bande eines skrupellosen Zugüberfalls. Die vier brechen das Camp ab und lassen den Platz verlassen aussehen. Als Verteidigungsstellung dient eine tiefe Erdrinne dicht an der Felswand. Sie ist von hinten nicht angreifbar und nicht zu umgehen, mit freiem Blick auf den ausgerodeten Platz. Die Bande will dort ihr Hauptquartier aufschlagen, bis der Zugraub verblasst ist und die Soldaten in entfernteren Distrikten suchen. Curtin wird auf seiner Einzelposition zufällig entdeckt, und es kommt zu einem belagerungsartigen Kampf. Für die Amerikaner droht er schlecht auszugehen, bis sich Soldaten nähern. Die Banditen räumen den Platz, um nicht in eine Falle zu geraten.
Lacaud, ein eigenbrötlerischer Ahasver-Typus, geht wieder seine eigenen Wege, ohne zu sagen, was er sucht. Niemand fragt ihn.
Dobbs, Curtin und Howard reisen mit der geteilten Ausbeute ab, in Felle verpackt. In einem Indianerdorf hält sie eine staatliche Impfkampagne auf, und sie lassen sich impfen. Ein Indianer bittet um Hilfe für seinen Sohn, der bewusstlos aus dem Wasser geborgen wurde. Howard beatmet den beinahe Ertrunkenen und belebt ihn. Zum Dank fordert der Vater: zwei Wochen Gast sein. Howard ist von sechs Männern umringt, entkommen kann niemand. So übergibt er sein Gut den beiden Gefährten, die es quittieren und in Tampico auf seinen Namen in einem Bankschließfach hinterlegen sollen.
Doch Freunde waren die drei nie, nur Geschäftsfreunde aus Nützlichkeitserwägungen. Fällt der Grund weg, endet die Gemeinschaft. Unterwegs wächst der Zorn, Howards Esel treiben und seine Last auf- und abladen zu müssen, während er selbst fehlt. Dobbs schlägt vor, Howards Anteil unter sich aufzuteilen. Curtin verweigert sich. Das Misstrauen bleibt, und Curtin hält es für sicher, dass Dobbs auch ihn opfern würde. Er sieht nur noch einen Ausweg: Dobbs das anzutun, was Dobbs mit ihm vorhat. In dieser Lage liegt die Sicherheit des eigenen Lebens allein in der Vernichtung des anderen. Dobbs schießt den Gefährten nachts im Gehölz nieder und hält ihn für tot. Mit der gesamten Ausbeute zieht er allein nach Durango. Howard, rechnet er, kann nichts machen: Wer eine Mine ohne Erlaubnis der Regierung ausgebeutet hat, geht nicht zur Polizei.
Etwa drei Stunden vor Durango rastet Dobbs und trifft auf drei völlig zerlumpte Mestizen, die ihre Todesverachtung offen zeigen. Dobbs rechnet sich aus, dass er bei einem Überfall nur einen von ihnen erschießen könnte und dem das ohnehin gleichgültig wäre. Ein Steinwurf bringt ihn zu Fall, ein Machetenhieb trifft den Kopf. Die Räuber teilen seine Kleidung unter sich auf, verscharren ihn und ziehen mit den Eseln und dem in Fellen verteilten Goldstaub davon. Bei schlechtem Licht begutachten sie die Beute und halten das Gold für Sand, mit dem man das Verkaufsgewicht der Felle erhöht habe. Erbost schütten sie es aus. Es war so dunkel geworden, dass sie die Natur des Sandes selbst dann nicht erkannt hätten, wenn sie mehr darüber gewusst hätten.
Die Esel wollen sie in einem Indianerdorf verkaufen. Dort erkennt man die Brandzeichen und weiß noch, dass die Tiere vor zehn oder elf Monaten an drei Amerikaner verkauft wurden. Einer von diesen sei nun jenseits der Sierra in einem Dorf und gelte als Doktor. Auch die geraubte Kleidung an den Männern fällt auf. Die Indianer verfolgen die Spuren zurück, graben Dobbs aus und bringen das Diebesgut zu Howard, der inzwischen als Heilkundiger wirkt. Er hatte bereits einen weiteren Einsatz: Ein Köhler fand den schwer verletzten, sich davonschleppenden Curtin.
Einer der Räuber gesteht, den Sand achtlos ausgeschüttet zu haben, irgendwo im Busch, ein Säckchen hier, das andere weiter fort, in der Finsternis, bevor sie nachts weitermarschierten. Einen Bruchteil des Goldes haben sie übersehen, und den nehmen Howard und Curtin für ihre Zukunftspläne an sich. Über das absurde Ende ihrer Goldsuche können die beiden nur lachen. Sie erwägen ein kleines Delikatessengeschäft in Tampico, verwerfen es aber lachend und bleiben fürs Erste: Howard als Medizinmann im Dorf, Curtin als sein Gehilfe.
In den Roman eingebettet sind drei Erzählungen der Goldsucher. Howard erzählt die Geschichte der Grünwassermine in New Mexico und die Geschichte der Doña Catalina Maria de Rodriguez. Robert Lacaud erzählt die Geschichte des Zugüberfalls der Ramirez-Bande und ihrer Strafverfolgung.
Stil↑
Erzählt wird in einer schlichten, derben Sprache, die nahe an der Denkweise der Figuren bleibt. Gedankengänge stehen oft in direkter Rede und in knappen Sätzen, etwa wenn Dobbs sich seine Geldrechnungen zurechtlegt oder sich ausrechnet, was Howard gegen ihn unternehmen könnte. Der Erzähler urteilt kaum, er hält fest: die Hitze am Tag, die Kälte in der Nacht, das ewig gleiche Essen, die öde Eintönigkeit der Arbeit.
Auffällig ist der Blick auf Arbeit. Ihr Leben nennt der Roman erbarmungswürdiger als das eines Fabrikarbeiters in Detroit. Der Verfall der drei Männer zeigt sich an Äußerlichkeiten: Bart, langes Haar, Lumpen und aufgegebene Körperpflege. Auch ihre Sprache schrumpft auf unverständliche Kürzel zusammen.
Die Erzählung läuft nicht geradeaus durch. Dreimal wird sie von Binnengeschichten unterbrochen, die die Goldsucher einander erzählen.
Rezeption↑
John Huston verfilmte den Roman 1948 unter dem Titel The Treasure of the Sierra Madre und schrieb auch das Drehbuch. Die Hauptrollen spielten Humphrey Bogart, Walter Huston und Tim Holt. Die Figur Lacaud heißt im Film James Cody.
Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →