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Werkseintrag · Die Abenteuer des Huckleberry Finn
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Cover Die Abenteuer des Huckleberry Finn
Die Abenteuer des Huckleberry Finn
1884
– Werkseintrag –

Die Abenteuer des Huckleberry Finn

1884 · Roman

Ein ausgestoßener Junge und ein entlaufener Sklave treiben gemeinsam auf einem Floß den Mississippi hinab – und auf dieser Flucht beginnt Huck, alles in Frage zu stellen, was man ihm beigebracht hat.

Überblick

Mit den Abenteuern eines Jungen am Mississippi schuf Mark Twain einen Roman, der als Schlüsselwerk der US-amerikanischen Literatur gilt. Die Abenteuer des Huckleberry Finn erschien 1884 in Großbritannien und Kanada. In den Vereinigten Staaten kam das Buch Anfang 1885 heraus. Es war Twains erfolgreichster Roman. Die erste deutsche Übersetzung legte Henny Koch 1890 vor. Sie trug den Titel Huckleberry Finns Abenteuer und Fahrten. Erzählt wird die Geschichte von Huck Finn selbst. Twain ahmt die Sicht und die Sprache eines Jungen nach. Dieser Junge ist seiner Zeit und seiner Umwelt verhaftet, stellt ihre Regeln zugleich aber in Frage.

Inhalt (ohne Spoiler)

Am Ufer des Mississippi, in der erfundenen Stadt St. Petersburg, lebt der junge Huckleberry Finn. Zwei wohlmeinende Frauen versuchen, ihn zu „zivilisieren". Doch Huck findet das geordnete Leben zu eng. Sein gewalttätiger, trunksüchtiger Vater taucht wieder auf und hat es auf Hucks Geld abgesehen. Er entführt den Jungen in eine einsame Hütte am Fluss. Huck gelingt die Flucht. Klug täuscht er sogar seine eigene Ermordung vor, damit niemand nach ihm sucht. Dann setzt er sich mit einem Boot auf den Mississippi ab.

Auf einer unbewohnten Insel trifft er unerwartet auf Jim, einen Sklaven. Jim ist seiner Besitzerin davongelaufen, weil sie ihn verkaufen will. So beginnt eine lange gemeinsame Flucht stromabwärts. Auf einem Floß treiben die beiden den Fluss hinunter, immer in Gefahr, entdeckt zu werden. In ihren Gesprächen lernt Huck Jims Leben kennen. Er beginnt, seine eigenen Ansichten über die Sklaverei zu überdenken. Auf ihrer Reise begegnen sie freundlichen wie zwielichtigen Menschen. Sie geraten in Stürme, Gewalt und allerlei Betrügereien. Der Roman lebt von dieser Folge bunter Stationen am großen Strom.

Die Handlung im Detail

Der Roman beginnt in Missouri am Ufer des Mississippi, in der fiktiven Stadt St. Petersburg, die dem Ort Hannibal nachempfunden ist, wo Mark Twain aufwuchs. Die Handlung spielt irgendwann zwischen 1835 und 1845. Huck und sein Freund Tom Sawyer sind durch frühere Abenteuer zu je 6000 Dollar gekommen. Huck steht unter der Vormundschaft der Witwe Douglas, die ihn zusammen mit ihrer Schwester Miss Watson erziehen will. Eines Nachts hilft Tom Sawyer dem Freund aus dem Haus, und die Jungen gründen eine Bande, die abenteuerliche Streiche und Verbrechen plant. Dann taucht Hucks Vater auf, ein chronischer Trinker, der seinen Sohn verprügelt und ihm sein Geld abnehmen will. Der Vater entführt Huck in eine Hütte auf einer einsamen Insel und sperrt ihn ein. Huck entkommt schließlich und täuscht zugleich seine eigene Ermordung vor, damit der Vater die Verfolgung aufgibt. Mit einem Boot fährt er den Fluss hinab.

Auf der unbewohnten Jackson's Island trifft Huck unerwartet auf Jim, den Sklaven der Miss Watson. Jim ist geflohen, weil seine Besitzerin ihn für 800 Dollar nach New Orleans verkaufen will. Jim will über die Stadt Cairo nach Ohio, in einen freien Staat, um später seine Familie freizukaufen. Zunächst überlegt Huck, ob er die Flucht melden soll, doch in ihren langen Gesprächen gewinnt er Verständnis für Jim und ändert allmählich seine Ansichten über die Sklaverei. Die beiden überstehen einen Sturm in einer Höhle, finden ein Floß und benutzen es für die große Reise. In einem schwimmenden Haus, das sie ausplündern, entdeckt Jim einen Toten, dem in den Rücken geschossen wurde; er verwehrt Huck den Blick auf das Gesicht.

Um Neuigkeiten zu erfahren, verkleidet sich Huck als Mädchen und stellt sich unter dem Namen Sarah Williams bei einer neu zugezogenen Frau, Judith Loftus, vor. Er erfährt, dass eine Belohnung von 300 Dollar auf Jim ausgesetzt ist, dem man vorwirft, Huck ermordet zu haben. Huck verrät sich durch Ungeschicklichkeiten und einen falsch genannten Vornamen. Die Frau geht freundlich mit ihm um, warnt ihn aber unwissentlich: Ihr Mann und andere wollen die Insel bald durchsuchen, weil sie Jim dort vermuten. Huck eilt zurück, weckt Jim, und beide fliehen Hals über Kopf auf dem Floß.

Ein vorbeifahrender Dampfer überfährt das Floß und trennt die beiden. Huck rettet sich an Land und wird von der wohlhabenden Familie Grangerford aufgenommen. Er freundet sich mit dem gleichaltrigen Buck an und erfährt von einer dreißigjährigen Blutfehde gegen die Familie Shepherdson, deren ursprünglichen Anlass niemand mehr kennt. Beide Familien gehen in dieselbe Kirche und bringen trotz der Predigt von der brüderlichen Liebe stets ihre Waffen mit. Der Streit eskaliert, als Bucks Schwester Sophia mit Harney Shepherdson durchbrennt. In der folgenden Schießerei sterben alle Männer der Grangerfords. Beim Anblick der Leiche seines Freundes Buck ist Huck zu erschüttert, um darüber zu berichten. Er entkommt knapp dem eigenen Tod und findet Jim und das unzerstörte Floß wieder. Gemeinsam setzen sie die Flucht nach Süden fort.

Weiter flussabwärts nehmen sie zwei berufsmäßige Betrüger an Bord. Der Jüngere, etwa dreißig, gibt sich als Sohn eines englischen Herzogs aus, der Ältere, um die siebzig, behauptet, er sei der Sohn Ludwigs XVI. und rechtmäßiger König von Frankreich. Auf der Reise begehen der „Herzog" und der „König" eine Betrügerei nach der anderen. In einer Stadt mieten sie das Gerichtsgebäude und kündigen ein Theaterstück an, das sie das „Königliche Unvergleichliche" nennen. Die rohe Aufführung verärgert die zahlenden Zuschauer; um nicht allein die Dummen zu sein, locken diese die übrigen Stadtbewohner mit Lügen ebenfalls ins Theater. Unterdessen sorgt ein Betrunkener namens Boggs für Aufruhr und bedroht den Südstaatler Colonel Sherburn. Sherburn stellt ihm ein Ultimatum bis ein Uhr; als Boggs nicht aufhört, erschießt er ihn. Eine Menge will Sherburn lynchen, doch er erwartet sie mit geladenem Gewehr und hält ihnen eine Rede über die Feigheit und Gemeinheit der Meute, woraufhin die Menge zurückweicht. Beim dritten Versuch der Aufführung kommen die Bürger mit Wurfgeschossen, und alle vier fliehen rasch aus der Stadt.

Der Höhepunkt der Betrügereien folgt, als sich „König" und „Herzog" in einer anderen Stadt als die aus England angereisten Brüder des soeben verstorbenen, vermögenden Peter Wilkes ausgeben. Mit einem absurden englischen Akzent überzeugen sie die meisten Einwohner und versuchen, sich das Erbe anzueignen. Ein Freund des Verstorbenen bezichtigt sie öffentlich des Betrugs, vorerst ohne Erfolg. Huck ist entsetzt, dass die beiden den Töchtern das Erbe und den Sklaven ihre Familien rauben wollen. Er stiehlt das geraubte Geld und versteckt es im noch offenen Sarg, weiß aber bald selbst nicht mehr, ob es noch dort liegt. Dann tauchen die angeblich echten Brüder auf – ebenfalls zwei Betrüger. Als das Geld im Sarg gefunden wird, gelingt es „König" und „Herzog" in der Verwirrung zu fliehen und aufs Floß zurückzukehren, zu Hucks großer Enttäuschung.

Auf der weiteren Reise verkauft der „König" Jim heimlich, während Huck in einer Stadt unterwegs ist. Huck ist empört und gerät in einen schweren Gewissenskonflikt: Einerseits hält er die Hilfe für Jim für ein Vergehen am „Eigentum" der Miss Watson, andererseits will er den Freund nicht im Stich lassen. Er entscheidet sich, lieber „zur Hölle zu gehen", und beschließt, Jim weiter zu helfen. Beim Haus, in das Jim für 40 Dollar verkauft wurde, macht Huck eine erstaunliche Entdeckung: Die neuen Besitzer, Herr und Frau Phelps, sind Onkel und Tante von Tom Sawyer, den sie gerade zu Besuch erwarten.

Stil

Erzählt wird der Roman von Huck Finn selbst, in der Ich-Form. Mark Twain ahmt dabei die Sicht und die Sprache eines ungebildeten Jungen nach. Dieser Junge ist seiner Zeit und seiner Umwelt verhaftet, stellt ihre Vorurteile aber zugleich in Frage. Diese schlichte Kinderstimme macht den besonderen Ton des Buches aus. Huck schildert grausame und gemeine Vorgänge mit der Unbefangenheit eines Außenstehenden. So gewinnt die Kritik gerade durch das scheinbar Harmlose ihre Schärfe. Das Werk verbindet Züge des Schelmenromans mit Satire und Humor. In einzelnen Episoden lässt Twain seine eigene, oft bittere Sicht auf die menschliche Gesellschaft durchscheinen: etwa in der Rede des Colonel Sherburn über die Feigheit der Lynchmeute oder in den Bemerkungen über die leichtgläubige Mehrheit jeder Stadt.

Rezeption

Das Buch wurde zu Mark Twains erfolgreichstem Roman. Es gilt als Schlüsselwerk der US-amerikanischen Literatur. Schon bald fand es seinen Weg in andere Sprachen. Die erste deutsche Übersetzung erschien 1890. Der Stoff wirkt bis heute nach und wurde immer wieder neu erzählt. Es gab zahlreiche Verfilmungen über viele Jahrzehnte hinweg, dazu Fernseh- und Zeichentrickserien sowie Bühnenfassungen. Auch jüngere Schriftsteller greifen die Figuren wieder auf und erzählen die Geschichte aus neuer Perspektive.

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