1875
The Way We Live Now
Überblick↑
Das Werk The Way We Live Now ist ein satirischer und politischer Roman von Anthony Trollope. Er erschien 1875 in London bei Chapman & Hall, nachdem er zuvor in Fortsetzungen abgedruckt worden war. Es handelt sich um einen der letzten bedeutenden viktorianischen Romane, die noch in monatlichen Lieferungen herauskamen. Mit hundert Kapiteln zählt das Buch zu Trollopes umfangreichsten Werken und ist besonders reich an Nebenhandlungen. Angeregt wurde es von den Finanzskandalen der frühen 1870er Jahre. Trollope war gerade aus dem Ausland nach England zurückgekehrt und über die Gier und Unehrlichkeit empört, die diese Skandale offenlegten. Der Roman war seine Antwort darauf. Er führt vor Augen, wie solche Gier und Unehrlichkeit das geschäftliche, politische, moralische und geistige Leben der Zeit durchdrangen.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Augustus Melmotte, ein Finanzmann mit geheimnisvoller Vergangenheit. Über seine Herkunft kursieren Gerüchte, ebenso über gescheiterte Geschäfte in Wien. Als er sein Unternehmen und seine Familie nach London verlegt, beginnt die feine Gesellschaft der Stadt über ihn zu tuscheln. Melmotte bezieht ein prächtiges Haus am Grosvenor Square, richtet ein Büro in der Londoner City ein und wirbt mit einem glanzvollen Fest um reiche und einflussreiche Anleger. Das passende Geschäft findet sich, als ein amerikanischer Unternehmer ihm vorschlägt, eine Gesellschaft für den Bau einer neuen Eisenbahnlinie zu gründen – von Salt Lake City in den Vereinigten Staaten bis nach Veracruz in Mexiko.
Um Melmotte sammelt sich rasch eine ganze Reihe von Menschen, deren Leben sich durch ihn verändert. Im Aufsichtsrat der Bahngesellschaft sitzt Sir Felix Carbury, ein verlebter junger Adliger, der das Ersparte seiner verwitweten Mutter durchbringt. Lady Carbury, die selbst eine Laufbahn als Schriftstellerin anstrebt, hofft, die Not der Familie zu wenden, indem sie ihren Sohn mit Melmottes einziger Tochter Marie verlobt, einer reichen Erbin. Zugleich ist Felix in Ruby Ruggles verstrickt, ein hübsches Bauernmädchen vom Gut seines wohlhabenden Vetters Roger Carbury, eines aufrechten und rechtschaffenen Gutsherrn in Suffolk. In den Sitzungen der Bahngesellschaft stellt Paul Montague unbequeme Fragen. Auch sein Privatleben ist verwickelt: Er liebt Lady Carburys Tochter Hetta, wird aber von seiner amerikanischen Verlobten, Mrs Hurtle, bis nach England verfolgt, die entschlossen ist, ihn zur Heirat zu bewegen. Roger Carbury, Pauls Mentor, wirbt selbst um Hetta – so geraten die beiden Männer aneinander. Während Melmottes Ansehen wächst, verknoten sich diese Fäden immer enger.
Die Handlung im Detail↑
Der Finanzmann Augustus Melmotte will den Aktienkurs der Eisenbahngesellschaft in die Höhe treiben, ohne selbst einen Penny in das Vorhaben zu stecken, und sich so weiter bereichern – gleichgültig, ob die Strecke je gebaut wird. Sir Felix Carbury gewinnt zwar Maries Herz, doch Melmotte hat nicht die Absicht, seine Tochter einem mittellosen kleinen Adligen zu geben, und durchkreuzt die Pläne. Felix schwankt zwischen seiner körperlichen Anziehung zu Ruby und dem finanziellen Zwang, Marie zu umwerben, wobei ihm beide innerlich gleichgültig sind. Ruby wird von ihrem Großvater geschlagen, weil sie den angesehenen Müller John Crumb nicht heiraten will. Sie flieht nach London und findet Unterschlupf in der Pension ihrer Tante Mrs Pipkin, wo zufällig auch Mrs Hurtle wohnt. Von Ruby erfährt Felix von der Beziehung zwischen Mrs Hurtle und Paul und trägt sein Wissen seiner Mutter und seiner Schwester zu. Hetta ist erschüttert und löst ihre Verlobung mit Paul.
Da Felix und Marie an Melmotte nicht vorbeikommen, beschließen sie, nach Amerika durchzubrennen. Marie entwendet ihrem Vater einen Blankoscheck und verabredet sich mit Felix an Bord eines Schiffes in Liverpool. Felix aber, dem Marie Geld für die Reise gegeben hat, verspielt in seinem Club alles beim Kartenspiel und kehrt betrunken und mittellos in das Haus seiner Mutter zurück. Melmotte, von seiner Bank gewarnt, lässt Marie durch die Polizei abfangen, ehe sie das Schiff besteigen kann; sie wird nach London zurückgebracht, während ihre Zofe Didon allein nach New York segelt.
Inzwischen ist Melmotte auch Abgeordneter für Westminster geworden und hat einen prächtigen Landsitz von Mr Longestaffe gekauft. Doch sein Kartenhaus steht vor dem Einsturz. Als Longestaffe und dessen Sohn den Kaufpreis für das Gut fordern, fälscht Melmotte die Unterschrift seiner Tochter unter ein Schriftstück, das ihm Zugriff auf ihr Geld verschaffen soll – jenes Geld, das er einst auf ihren Namen überschrieben hatte, um es vor Gläubigern zu schützen, und das Marie ihm nun verweigert. Sein Angestellter Croll weigert sich, die gefälschte Unterschrift zu bezeugen. Daraufhin fälscht Melmotte auch Crolls Namen, macht aber den Fehler, die Papiere beim Bankier Mr Brehgert zu lassen. Als Brehgert die Dokumente für eine letzte Unterschrift zu Croll bringt statt zu Melmotte, entdeckt Croll die Fälschung und verlässt Melmottes Dienst. Mit den Gläubigern vor der Tür, den nahezu wertlosen Bahnaktien, einer drohenden Anklage wegen Urkundenfälschung und einem durch einen betrunkenen Auftritt im Unterhaus ruinierten politischen Ansehen vergiftet sich Melmotte selbst.
Der Rest des Romans löst die offenen Fäden. Als Felix eines Abends mit Ruby unterwegs ist, trifft John Crumb die beiden an; im Glauben, Felix dränge sich Ruby auf, verprügelt er ihn gründlich. Ruby erkennt endlich, dass Felix sie nie heiraten wird, kehrt heim und nimmt John. Felix muss von einer kleinen Rente in der britischen Gemeinde in Ostpreußen leben, wohin ihn der anglikanische Geistliche mitnimmt, der dort seinen Dienst antritt. Lady Carbury heiratet Mr Broune, der ihr in all ihren Nöten ein treuer Freund war. Hetta und Paul versöhnen sich, nachdem er ihr die Wahrheit über Mrs Hurtle gesagt hat. Roger verzeiht Paul und lässt das Paar auf Carbury Manor wohnen, das er ihrem Kind zu vermachen gelobt. Marie, nun finanziell unabhängig, freundet sich mit dem amerikanischen Unternehmer Hamilton K. Fisker an und geht mit ihm nach San Francisco, wo sie ihn schließlich heiratet. Begleitet wird sie von ihrer Stiefmutter Madame Melmotte, von Croll, der Madame Melmotte ehelicht, und von Mrs Hurtle.
Stil↑
Der Roman ist als Satire angelegt und richtet sich gegen die Gier und Unehrlichkeit einer ganzen Epoche. Sein Gegenstand ist nicht ein einzelnes Schicksal, sondern ein weites gesellschaftliches Panorama: Trollope zeigt, wie sich Käuflichkeit und Betrug durch das geschäftliche, politische, moralische und geistige Leben ziehen. Getragen wird dieses breite Bild von einer Vielzahl kunstvoll ineinander verflochtener Handlungsstränge; mit hundert Kapiteln gehört das Buch zu den umfangreichsten Werken des Autors und ist besonders reich an Nebenhandlungen. Der Finanzmann Melmotte bildet dabei den Drehpunkt, um den sich die zahlreichen Figuren und ihre Geschichten gruppieren. Das Werk erschien zunächst in monatlichen Lieferungen – eine Form, die den ausladenden Bau mit seinen vielen parallel geführten Erzählfäden begünstigte und die Leser über einen langen Zeitraum an das Geschehen band.
Rezeption↑
Angeregt von den Finanzskandalen der frühen 1870er Jahre schrieb Trollope diesen Roman als scharfe Abrechnung. Empört über die Gier und Unehrlichkeit, die diese Affären zutage gefördert hatten, machte er sein Buch zu einer Rüge an die eigene Zeit. Das Werk zählt zu den umfangreichsten und ehrgeizigsten seines Verfassers und ist zugleich einer der letzten bedeutenden viktorianischen Romane, die in monatlichen Lieferungen erschienen. Sein unnachsichtiges Bild einer von Geld und Betrug beherrschten Gesellschaft hat dem Roman bis heute Aufmerksamkeit gesichert.
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