1916
The Underdogs
Überblick↑
Der Roman Los de abajo von Mariano Azuela erzählt von einfachen Leuten, die in die Mexikanische Revolution hineingezogen werden. Er erschien 1916 und trägt im Englischen den Titel The Underdogs. Azuela verarbeitet darin eigene Erfahrungen: Er hatte als Militärarzt in der Nordarmee von Pancho Villa gedient. Seit 1924 gilt das Buch als „der Roman der Mexikanischen Revolution“. Diese Formel prägte der Journalist Francisco Monterde, der das Werk in der Zeitung Excélsior als Beispiel einer kraftvollen, modernen Literatur nach der Revolution vorstellte.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Im Mittelpunkt steht Demetrio Macías, ein Bauer, der mit einem örtlichen Großgrundbesitzer aneinandergerät. Regierungssoldaten nehmen die Verfolgung auf. Als sie sein Haus erreichen und seinen Hund töten, verlässt er Familie und Hof. Er flieht in die Berge und sammelt dort eine Truppe von Aufständischen um sich, die auf der Seite der Revolution kämpfen.
Von da an begleitet der Roman diese Gruppe auf ihren Zügen durch das bergige Land. Zu ihr stoßen sehr unterschiedliche Gestalten: der gebildete Luis Cervantes, den die Regierungssoldaten schlecht behandelt haben und der deshalb die Seiten wechselt; die harte La Pintada; der grausame Güero Margarito, der seine Taten mit den wirren Zeiten rechtfertigt; und Camila, ein junges Bauernmädchen, das mit einer List in den Krieg und an Macías' Seite gelockt wird.
Die Kämpfer wissen kaum, wofür oder für wen sie eigentlich streiten. Ihre Anführer wechseln beinahe über Nacht. Und je länger der Krieg dauert, desto mehr üben sie selbst jene Willkür aus, unter der sie früher gelitten haben. Der Titel deutet die Einsicht des Buches an: Das mexikanische Volk bleibt immer „das da unten“, gleich wer gerade das Land regiert.
Die Handlung im Detail↑
Am Anfang steht ein Streit zwischen dem Bauern Demetrio Macías und einem örtlichen Großgrundbesitzer. Daraufhin machen Soldaten der Regierung Jagd auf ihn. Sie dringen bis zu seinem Haus vor und erschießen seinen Hund. Der Hund heißt Palomo, also Taube, und steht damit für den Frieden, der hier zu Ende geht. Macías verlässt seine Familie und flieht in die Berge. Aus Rache und Not stellt er dort eine Schar von Aufständischen zusammen, die für die Revolution kämpfen.
Die Figuren tragen sprechende Namen und stehen für mehr als sich selbst. Der Name Demetrio erinnert an Demeter, die Göttin des Ackerbaus, und weist so auf die bäuerliche Herkunft der Aufständischen. Luis Cervantes, der Gebildete unter ihnen, trägt den Namen von Miguel de Cervantes; misshandelt von den Regierungssoldaten, schlägt er sich auf die Seite der Rebellen. La Pintada verkörpert die zähe, kampferprobte Frau. Camila, das Bauernmädchen, wird mit einer Täuschung in den Krieg gebracht und wird Macías' Geliebte. Güero Margarito findet in der Unordnung der Zeit stets eine Rechtfertigung für seine Grausamkeiten.
Azuela führt den Leser in knappem, mitleidlosem Ton mit dieser Truppe von Ausgestoßenen durch das Bergland. Der Anführer, dem sie folgen, wechselt beinahe von einem Tag zum anderen. Die Männer sind sich nicht sicher, wofür sie kämpfen. Nach und nach verüben sie selbst den Missbrauch und das Unrecht, das sie früher von den alten Herren erlitten hatten.
Am Ende hat Macías die Menschen verloren, die ihm teuer waren, und die meisten seiner Männer dazu. Er kehrt zu seiner Familie zurück, doch ohne echten Wunsch nach Frieden und ohne Hoffnung auf einen Neuanfang. Er ahnt, was ihm bevorsteht. Die letzte Szene zeigt ihn allein und einer weit überlegenen Übermacht gegenüber, wie er sein Gewehr abfeuert und dabei tödlich genau trifft.
Stil↑
Knapp und ohne Mitgefühl ist der Ton, in dem Azuela erzählt. Er nimmt keine Partei für seine Gestalten und beschönigt nichts an ihrem Tun. Der Roman lässt sich auf mehreren Ebenen lesen: Die Namen der Figuren verweisen auf Kräfte und Vorstellungen, die über die einzelne Person hinausreichen. Manche Gestalten sind Musterbeispiele jener Menschen, die in die Revolution hineingerissen wurden, andere stehen für die Hoffnungen und die Widersprüche des Aufstands. Auch der erschossene Hund am Anfang ist ein solches Zeichen, denn sein Name bedeutet Taube. Die Erzählung folgt der umherziehenden Truppe durch das Bergland und gewinnt daraus ihre lose, wandernde Form.
Rezeption↑
Seit 1924 gilt das Buch als „der Roman der Mexikanischen Revolution“. Diese Einschätzung geht auf den Journalisten Francisco Monterde zurück, der es in der Zeitung Excélsior als Beispiel einer kraftvollen, modernen Literatur nach der Revolution besprach. In den Vereinigten Staaten fand das Werk ebenfalls Anklang: Earl K. James äußerte sich 1928 in der New York Times lobend darüber.
Die mexikanische Regierung und die geistige Bewegung der Mexikanischen Renaissance förderten daraufhin ein Übersetzungsvorhaben. Es sollte Mexiko im Ausland als Land mit eigener Literatur bekannt machen. Der Roman war das erste Werk dieses Vorhabens, das ins Englische übertragen wurde. Die Übersetzung erschien 1929 bei Brentano's Books, damals eine der größten Buchhandelsketten der Vereinigten Staaten. 1940 verfilmte Chano Urueta den Stoff unter dem Originaltitel.
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