Meisterwerke der Worte
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
MEISTERWERKE DER WORTE
Das Lexikon der klassischen Literatur
Autoreneintrag · Mariano Azuela
Eingang · Autoren · Mariano Azuela
Porträt Mariano Azuela
Mariano Azuela
1873 – 1952
– Autorenporträt –

Mariano Azuela

1873 – 1952 · 79 Jahre

Mexikanischer Arzt, der als Kämpfer an der Revolution teilnahm und mit „Los de abajo“ einen der bedeutendsten Romane über den mexikanischen Aufstand schrieb.

Kurzbiografie↑

Mariano Azuela war ein mexikanischer Arzt und Schriftsteller. Er wurde 1873 in Lagos de Moreno im Bundesstaat Jalisco geboren und starb 1952 in Mexiko-Stadt. Sein großes Thema war die mexikanische Revolution, an der er selbst als Kämpfer und Verwaltungsmann teilnahm. Bekannt wurde er vor allem durch den Roman Los de abajo, der 1915 zunächst als Fortsetzungsgeschichte in einer Zeitung erschien und später auf Deutsch unter den Titeln Die Rotte und Die Rechtlosen herauskam. In seinen späten Jahren wurde er zweimal staatlich geehrt: 1942 mit dem Staatspreis für Literatur, 1949 mit dem Staatspreis für Wissenschaft und Kunst.


Biografie↑

Geboren wurde Mariano Azuela am 1. Januar 1873 in Lagos de Moreno im mexikanischen Bundesstaat Jalisco. Er studierte Medizin an der Universidad de Guadalajara. Nach erfolgreichem Abschluss wurde er 1899 als Arzt zugelassen.

Azuela war politisch interessiert und beließ es nicht bei der Anteilnahme. Er nahm an der Revolution teil und kämpfte unter der Führung von Francisco Madero gegen Porfirio Díaz. Eine Zeit lang leitete er dabei auch die Verwaltung seiner Heimatstadt Lagos de Moreno.

Nach der Ermordung Maderos legte Azuela 1913 alle seine Ämter nieder. Er schloss sich Pancho Villa an. 1915 floh er nach El Paso in Texas und arbeitete dort unter anderem als Journalist. In derselben Zeit entstand sein bekanntester Roman Los de abajo: Er erschien 1915 als Fortsetzungsroman im Feuilleton der spanischsprachigen Zeitung El Paso del Norte und kam im folgenden Jahr auch als Buch heraus.

Zwei Jahre nach seiner Flucht kehrte Azuela mit seiner Familie in die Hauptstadt seines Landes zurück. Dort arbeitete er bis zu seinem Lebensende als Arzt. Das Schreiben gab er darüber nicht auf. Bereits vor der Revolution hatte er mit Impresiones de un estudiante (1896) begonnen; es folgten die Romane María Luisa (1907), Los fracasados (1908) und Mala yerba (1909) sowie die Novelle Andrés Pérez, maderista (1911). Nach der Rückkehr entstanden unter anderem Las moscas (1918), El camarada Pantoja (1937), Regina Landa (1939) und La mujer domada (1946). Daneben schrieb er biografische Bücher, etwa Pedro Moreno. El insurgente (1935) und El padre Don Agustín Rivera (1942).

Zwei staatliche Auszeichnungen fielen in seine späten Jahre: 1942 erhielt er den Staatspreis für Literatur, 1949 den Staatspreis für Wissenschaft und Kunst. Azuela starb am 1. März 1952 in Mexiko-Stadt. Der Roman Esa sangre erschien 1956 aus dem Nachlass. Zwischen 1958 und 1960 kamen seine gesammelten Werke in drei Bänden heraus.


Literarische Merkmale↑

Kennzeichnend für Azuelas Erzählen ist der Verzicht auf historische Genauigkeit. In Los de abajo setzt er stattdessen auf schnelle Szenenwechsel und lebendige Bilder. So entsteht ein eindringliches Bild der aufständischen Haufen, ohne dass der Ablauf der Ereignisse getreu nachgezeichnet würde.

Sein erster Roman María Luisa trägt leicht autobiografische Züge und schildert die Zeit seines Studiums. Die späteren Bücher Regina Landa und La mujer domada gelten als typische Vertreter des Costumbrismo, jener Schreibweise also, die Sitten und Alltag einer Region genau abbildet.


Rezeption↑

Das große, alles überspannende Thema Azuelas ist die mexikanische Revolution. In vielen seiner Romane, Erzählungen und Essays beschreibt er das Werden seines Landes. Am stärksten wirkte davon Los de abajo nach: Der Roman wurde schon kurz nach seinem Erscheinen vielfach übersetzt und gilt bis heute als einer der bedeutendsten unter den weit über zweihundert Revolutionsromanen.

Auch das Kino griff den Stoff auf. Regisseur Chano Urueta verfilmte das Buch unter demselben Titel; der Film kam 1940 in die Kinos.

Ins Deutsche wurde der Roman zweimal übertragen. 1930 erschien er als Die Rotte in der Übersetzung von Hans Dietrich Diffelhoff, 1992 als Die Rechtlosen in der Übersetzung von Klaus Jetz. Sein Werk beschäftigt die Forschung bis in die Gegenwart: Es liegen mehrere Sammelbände und Einzelstudien zu Azuela als Mensch, Arzt und Romancier vor, darunter Arbeiten von Francisco Monterde, Jorge Ruffinelli, Luis Leal und Wolfgang Vogt. In vergleichenden Untersuchungen zur Sozialkritik in der spanischsprachigen Erzählliteratur steht sein Name neben denen von Miguel Ángel Asturias, Juan Rulfo und Gabriel García Márquez.

Mitglieder des YouTube-Kanals erhalten das ganze Lexikon als PDF zum Download – zum Sammeln, Offline-Lesen und Ausdrucken. Mitglied werden →

Aus dem Werkverzeichnis↑

Im Lexikon

Weitere Werke

meisterwerke-der-worte.de · Auszug aus dem Lexikon · Alle Rechte vorbehalten