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Die Reise nach Westen
Überblick↑
Der Roman Die Reise nach Westen entstand im 16. Jahrhundert zur Zeit der Ming-Dynastie und wird Wu Cheng'en zugeschrieben. Er zählt zu den vier klassischen Romanen der chinesischen Literatur. Erzählt wird die Reise eines Mönches der Tang-Zeit in ein Land namens „Westlicher Himmel“, das westlich vom antiken China liegt, also im heutigen Indien. Von dort soll er die heiligen Schriften des Buddhismus nach China bringen. Das Buch verbindet das Motiv des Reisens mit chinesischen Volkssagen und Legenden sowie mit Themen des Buddhismus und des Daoismus.
Inhalt (ohne Spoiler)↑
Am Anfang steht ein Affe, der aus Stein geboren wurde: Sun Wukong. Er erwirbt übernatürliche Fähigkeiten und schließlich sogar die Unsterblichkeit, macht sich zum König der Affen und stiftet Aufruhr im Himmel. Der Himmelskaiser, auch als Jadekaiser bekannt, schickt seine Truppen gegen ihn aus. Doch der Affenkönig überwältigt die himmlischen Heerscharen immer wieder oder entkommt ihnen, weniger durch Kraft als durch List.
Der zweite und ausführlichere Teil des Buches gilt der eigentlichen Reise. Der Mönch Tang Seng, mit dem Beinamen Sanzang, macht sich auf den Weg nach Westen. Drei Gefährten begleiten ihn. Sun Wukong ist der eigentliche Hauptcharakter: ungestüm, mutig, von merkwürdigem Humor und stellenweise überraschender Weisheit. Dazu kommen Sha Wujing, ein Wasser- oder Halbdämon mit furchterregendem Gesicht, und Zhu Bajie, eine Mischung aus Schwein und Mensch.
Alle Gefährten tragen eine Vorgeschichte mit sich. Sha Wujing war der Vorhanglüftende General und hatte eine wertvolle Vase zerstört. Zhu Bajie war Marschall der himmlischen Segelflotte und wurde für seinen Flirt mit der Mondgöttin Chang'e durch das Rad der Reinkarnation geschickt, wobei er ein Schwein zur Mutter bekam. Auch das Drachenpferd des Mönches war einst ein anderes Wesen: der dritte Prinz des Drachenkönigs, zum Tode verurteilt, weil er die Perle seines Vaters in Brand gesetzt hatte. Tang Seng selbst gilt als Wiedergeburt eines Jüngers Buddhas namens Goldene Zikade, der bei einem Vortrag eingeschlafen und deshalb verstoßen worden war. Auf der Reise warten 81 Leidenswege auf ihn.
Die Handlung im Detail↑
Geboren wird der steinerne Affe Sun Wukong von Himmel und Erde. Er gewinnt übernatürliche Fähigkeiten und später sogar die Unsterblichkeit, macht sich zum König der Affen und stiftet Aufruhr im Himmel. Der Himmelskaiser sendet all seine Truppen gegen ihn, doch der Affenkönig überwältigt die himmlischen Heerscharen oder entkommt ihnen, meist durch List. Schließlich ruft der Himmelskaiser Buddha zu Hilfe. Diesem gelingt es, den Affenkönig zu überlisten. Buddha schafft ein Gebirge aus den fünf Elementen Wasser, Feuer, Holz, Erde und Metall und bedeckt Sun Wukong damit. Ein zusätzlicher Zauber an einem Felsen hält ihn darin fest.
Erst fünfhundert Jahre später wird der Affenkönig befreit. Der buddhistische Mönch Xuanzang holt ihn hervor und nimmt ihn als Schüler an. Zehn Jahre lang begleitet Sun Wukong ihn danach auf der Reise, bis vor das Antlitz Buddhas. Diese Reise schildert der zweite Teil des Buches ausführlich.
Der Mönch trägt im Roman den Namen Tang Seng, den Beinamen Sanzang und wird auch Tang Sanzang genannt. Drei Gefährten begleiten ihn: Sun Wukong, Sha Wujing und Zhu Bajie, den der Mönch Zhu Wuneng nennt. Sha Wujing und Zhu Bajie sind ehemalige himmlische Würdenträger, die für ihre Verfehlungen bestraft wurden. Der eine hatte als Vorhanglüftender General eine wertvolle Vase zerstört, der andere als Marschall der himmlischen Segelflotte mit der Mondgöttin Chang'e geflirtet und musste dafür durch das Rad der Reinkarnation. Auch das Drachenpferd war einst der dritte Prinz des Drachenkönigs und wegen der in Brand gesetzten Perle seines Vaters zum Tode verurteilt worden. Tang Seng ist die Wiedergeburt eines Jüngers Buddhas namens Goldene Zikade, der bei einem Vortrag eingeschlafen und deshalb verstoßen worden war.
Die 81 Leidenswege, die Tang Seng vor allem im Verlauf der Reise zurücklegt, sind wesentlicher Bestandteil seiner Buße. Die letzte dieser Prüfungen wird am Schluss von Buddha selbst angeordnet.
Hinter der fantastischen Geschichte steht ein wahrer Kern. Der chinesische Mönch Xuanzang reiste zur Zeit der Tang-Dynastie über die Seidenstraße von China nach Indien, also nach Westen. Er wollte die Lehren des Buddhismus erforschen und in seine Heimat bringen, um sie dort zu verbreiten. Festgehalten hat er das in den Aufzeichnungen des Großen Tang-Reiches zu den Westlichen Regionen.
Stil↑
Das Werk Die Reise nach Westen ist in zwei ungleiche Teile gegliedert: die Vorgeschichte des Affenkönigs und die eigentliche Pilgerreise, die den weit größeren Raum einnimmt. Die Erzählung verwebt chinesische Volkssagen und Legenden mit Vorstellungen des Buddhismus und des Daoismus. Der Reihung der 81 Leidenswege verdankt der Roman seinen episodischen Bau: eine Prüfung folgt auf die andere.
Auffällig ist der Ton der Hauptfigur. Sun Wukong verbindet ungestümes Verhalten, großen Mut, einen merkwürdigen Humor und stellenweise überraschende Weisheit. Seine Siege verdankt er weniger der Kraft als der List. Fast alle Gefährten haben eine Vorgeschichte aus dem Himmel, die ihre Gestalt erklärt, und so trägt jede Figur ihre eigene Schuld und Buße mit sich.
Rezeption↑
Zu den vier klassischen Romanen der chinesischen Literatur zählt Die Reise nach Westen bis heute. Der erste Teil beruht auf der Legende vom Affenkönig, die in der Zeit der Streitenden Reiche entstand. Der Affenkönig verkörpert dort den Rebellen, der sich gegen die Obrigkeit erhebt. Seit mehr als 1500 Jahren gehört er zu den beliebtesten Volksfiguren Chinas, und der Roman zählt zu den Volksepen des Landes, ähnlich wie Die Räuber vom Liang-Schan-Moor. Sun Wukong ist eine der bekanntesten mythischen Gestalten Chinas; im Ursprung könnte er mit dem hinduistischen Affengott Hanuman verwandt sein.
Film und Fernsehen haben den Stoff immer wieder aufgegriffen. Schon 1927 kam The Cave of the Silken Web von Dan Duyu in die Kinos, 1941 folgte der Animationsfilm Die Prinzessin mit dem Eisenfächer von Wan Guchan. Wan Laiming schuf den Zeichentrickfilm Der König der Affen. Die chinesische Fernsehserie Journey to the West von Yang Jie erschien 1982. Jeffrey Lau drehte 1995 Eine chinesische Odyssee und knüpfte später mit weiteren Filmen daran an. Neuere Verfilmungen sind unter anderem The Forbidden Kingdom von Rob Minkoff aus dem Jahr 2008 und Der Affenkönig – Ein Held kehrt zurück von Tian Xiaopeng aus dem Jahr 2015. Auch Computerspiele und japanische Animationsfilme haben den Stoff aufgenommen.
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